13 literarische Orte in Großbritannien

In die Welt der Worte reisen

Für mich sind das Lesen und die Liebe zu Großbritannien untrennbar miteinander verbunden. Niemand – aber das ist natürlich meine sehr subjektive Meinung – kann Literatur so gut wie die Briten. Ob große Romantik, schauriger Grusel, zarte Poesie, packender Krimi oder der allumfassende Gesellschaftsroman: Sie haben alles drauf. Das galt vor 300 Jahren genauso wie heute.

So, und nun ratet mal, wie ich als Buchsüchtige am allerliebsten reise? Richtig: auf die Insel und immer auf der Suche nach Plätzen, an denen ich meine Lieblingsgeschichten wiederfinde. Meine 13 schönsten zeige ich euch hier.

1. Glenfinnan Viaduct

Zu (fast) jedem Harry Potter-Buch gehört? Na klar: Die Zugfahrt nach Hogwarts. Hoch in den Norden. 
Im Film liegt der in den schottischen Highlands. Einer seiner schönsten Momente ist jedes Mal die Fahrt der Dampflok über die berühmte Brücke, die auf hohen Stelzen in den grünen Bergen Schottlands steht – der Glenfinnan Viaduct. Die Fahrt kann man übrigens auch als Muggel antreten. Von Fort William nach Mallaig mit der Jacobite Steam Train – die schönste Zugfahrt meines Lebens!

2. 221b Baker Street

Wo lebt der berühmteste Detektiv aller Zeiten? Na klar, in London. Der Consulting Detective – den Titel gibt’s nur einmal – Sherlock Holmes lebt im Zentrum der britischen Metropole in der Baker Street.

Im Museum und Shop kann man zwischen Büchern, Merchandise und Devotionalien umherstreifen und schwelgen und am besten vergessen, dass Herr Holmes die Schöpfung Arthur Conan Doyles ist. I am absolutely sher-locked. Wie geht’s euch?

3. Chatsworth

Einmal Lady sein, einmal am Balkon stehen und über die eigenen Ländereien blicken, einmal hoch zu Ross über die Hügel Derbyshires reiten, einmal im Walle-Walle-Kleid auf dem Ball tanzen, einmal die Herrin von Pemberley sein….
Upps, sorry, ich war gerade in meinem Lieblingstraum und dachte, ich wäre Elizabeth Bennet. Jane Austens Heldin aus Stolz und Vorurteil darf am Ende des Buches den stolzen Mister Darcy heiraten und mit ihm auf Pemberley wohnen. Vorbild für das edle Herrenhaus war? Das wunderschöne Chatsworth House, das inmitten des noch schöneren Peak Districts liegt. Und genau dort wurde auch die letzte Verfilmung des Klassikers gedreht. Sowie viele andere Kostümdramen. Bitte bei einem Besuch nicht im Labyrinth des Parks verirren! Mir musste ein Kind (ja, ein Kind!) raushelfen.

4. Harry Potter Studio Tour in Leavesden bei London

Zurück zu….Harry Potter! Durch Godric’s Hollow schlendern, ein (viel zu süßes) Butterbier trinken, im Speisesaal von Hogwarts sitzen und dich bei Ollivander von deinem ganz persönlichen Zauberstab finden lassen? In die magische Welt von Harry Potter kann man in den Studios von Leavesden, das in der Nähe von London liegt, eintauchen. Lumos!

5. Haddon Hall

Die Emanzipation des vermeintlich grauen Entleins Jane Eyre beginnt in Thornfield Hall, dem Anwesen ihres erst Arbeitgebers und dann Ehemanns Mister Rochester. Das Buch gehört zu meinen absoluten Lieblingen – gruselig, gefühlvoll und gewagt – und ist in mehrfacher Hinsicht eine wunderbare Coming-of-Age-Story. Meine allerliebste Jane Eyre-Verfilmung (mit Mia Wasikowska und Michael Fassbender) wurde im Norden Englands, in Haddon Hall gedreht. Das Herrenhaus gehört zu den ältesten erhaltenen Anwesen des Mittelalters und verkleidet sich im Film als das düstere, mysteriöse Thornfield Hall, auf dessen Dachboden sich Mister Rochesters dunkelstes Geheimnis verbirgt.

6. Botallack

Kennt ihr Ross Poldark? Nein? Dann wird es aber Zeit! Der Held von Winston Grahams Romanen kämpft an den Klippen Cornwalls um seine Mine, die Liebe und Gerechtigkeit und ist dabei ebenso wild und romantisch wie die Landschaft seiner Heimat.

Momentan zeigt die BBC eine neue Verfilmung der Romane. Dezent kitschig – aber das auf allerhöchstem Niveau – und hervorragend besetzt. Drehort zur preisgekrönten und äußerst sehenswerten Serie war unter anderem die ehemalige Mine von Botallack, die heute vom National Trust betreut wird. Atemberaubend schön!

7. Sissinghurst Castle and Gardens

Neben Virginia Woolf – mit der sie übrigens eine Affäre hatte – gehört Vita Sackville-West zu den großen Autorinnen der Moderne und wird heute leider viel zu selten gelesen. Ihren Roman The Edwardians kann ich euch nur wärmstens empfehlen. Genauso wie einen Besuch ihres Anwesens Sissinghurst.

Inmitten der sanften Hügel der Grafschaft Kent schuf die Autorin mit ihrem Mann Harold Nicolson einen der schönsten Gärten Großbritanniens. Zum Verlieben! Und wer den Turm erklimmt, kann einen Blick auf ihren Schreibtisch und ihre Bibliothek erhaschen. Bücher und Blumen: Besser geht’s ja wohl nicht!

8. St Ives

Anfang des 20. Jahrhunderts strömten unzählige Künstler nach St Ives. Warum? Wegen seines Lichts. Und ja: Das sieht selbst ein Laie. Hier scheint die Sonne etwas heller, der Himmel etwas blauer und das Meer etwas tiefer.

Kein Wunder also, dass nicht nur Maler diesen Ort malten, sondern auch Schriftsteller in und über diese Schönheit an der Westküste Cornwalls schrieben und schreiben. Rosamunde Pilchers extrem unterschätzter Roman Die Muschelsucher spielt in dem malerischen Städtchen (dort legt es sich allerdings das Pseudonym Porthkerris zu), ebenso wie Virginia Woolfs Klassiker To the Lighthouse. Neueren Datums ist Sommer in St. Ives von Anne Sanders. Und wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich nicht nur meine Sommer in St Ives verbringen.

9. Hampstead Heath

Wo soll man da anfangen? Ein Buch in oder über London kommt nur ganz selten ohne Hampstead Heath aus (und wenn, ist es nur selten ein gutes ;-)). Schon Karl Marx spazierte durch den grünen Park, um seine Gedanken zu ordnen. Bridget Jones versucht meist dasselbe, aber wir würden sie nicht so lieben, wenn sie dabei denselben Erfolg hätte wie Marx. Trotzdem kann sie sich glücklich schätzen: auch Bram Stokers Dracula liebt seine Streifzüge über den Heath. Gegen ihn ist Daniel Cleaver ein wahres Schätzchen. Doch ganz egal, wie unterschiedlich die Liebhaber dieser grünen Wiesen sind: Ich bin ganz bei ihnen. Ein Teil von mir träumt sich Tag für Tag hinauf auf den Parliament Hill, blickt über die City of London und erhascht ein Stück vom Himmel.

10. Beachy Head

Wo jagte Timothy Dalton als James Bond einen Bösewicht, wo fand eigentlich der Quidditch-Weltcup statt und wem schrieb die Poetin Charlotte Smith eine bis heute unvollendete Hymne? Die Antwort lautet immer Beachy Head. Der Punkt an Englands Südküste gehört wohl zu den bekanntesten Bildmotiven auf der Insel: die weißen Kreidefelsen, das türkisblaue Wasser, das vom Himmel kaum zu unterscheiden ist, und am Horizont der ikonische rot-weiße Leuchtturm. Für mich ist da eindeutig Magie im Spiel. Es ist nämlich fast ein bisschen zu schön, um wahr zu sein.

11. Bodinnick

Dort, wo der River Fowey ins Meer mündet, im kleinen Örtchen Bodinnick, liegt das Haus Ferryview. Es hat die Farbe von Eierschalen und himmelblaue Fensterläden und gehörte einst der Bestsellerautorin Daphne du Maurier. Die schrieb in dem Haus ihren Debütroman The Loving Spirit, den kaum einer mehr kennt. Aber ihre späteren Werke wie Die Vögel, Rebecca, Jamaica Inn oder Meine Cousine Rachel gehören heute zu den Klassikern der englischen Literatur- und Filmgeschichte. Und in Ferryview hat alles begonnen.
Dass Daphne du Maurier mich irgendwie nicht loslässt, habt ihr sicherlich schon bemerkt. Auf dem Blog findet ihr auch meine Meinung zu Rebecca und meine Reiseeindrücke zu du Mauriers Cornwall.

12. Haworth

Reader, I married him. Einer der berühmtesten Sätze der Literaturgeschichte wurde hier geschrieben: im kalten Pfarrhaus des Örtchens Haworth im englischen Yorkshire. Charlotte Brontë schuf hier Jane Eyre, Emily Brontë Wuthering Heights und Anne Brontë The Tenant of Wildfell Hall. Alle drei Weltliteratur.

Erst wenn man einmal hier war – heute befindet sich im Pfarrhaus ein eindrucksvolles Museum über die Geschwister – begreift man das Wunder der Brontës so richtig: Wie an einem solch dunklen Ort etwas so Strahlendes wie die Jahrhunderte überdauernden Bücher der drei Schwestern entstehen konnte. Das sagt alles über die Macht der Worte und der Fantasie. Und das macht unendlich traurig. Wegen dieser drei Frauenleben, die viel mehr Glück verdient gehabt hätten, die viel länger hätten dauern müssen. Charlotte erreichte als einzige die 30, die 40 aber war keiner vergönnt.

13. Brighton

Das beschauliche Brighton. Schlägt man den ein oder anderen Roman auf, war es das allerdings schnell mit der Beschaulichkeit. Graham Greenes Brighton Rock erzählt vom brutalen Gangster Pinkie, der der Unterwelt Brightons ebensowenig entkommen kann wie der Liebe und der Spirale der Gewalt. Und selbst bei Jane Austen kommt das Hafenstädtchen nicht unbedingt gut weg: In Stolz und Vorurteil brennt der zwielichtige Mister Wickham von hier aus mit Elizabeths nerviger Schwester Lydia durch.

Alles halb so wild, wenn man nicht ins Buch sondern ins echte Brighton guckt. Da tobt das Leben. Und die Leute sind nett. Ich hab weder Gangster noch Betrüger entdeckt. Wobei: die ein oder andere Möwe…

Die Reise must go on…

Wenn ihr mehr über Drehorte, literarische Schauplätze oder die Kultur meines liebsten Lands der Erde erfahren wollt, werdet ihr sicherlich bei Visit Britain fündig.

Und ich plane übrigens gerade schon das nächste literarische Abenteuer. Denn auf meiner Liste fehlt noch so einiges: Jane Austens Zuhause, Shakespeares Stratford-upon-Avon, Elizabeth Gaskells Haus, die Game of Thrones-Drehorte, Thomas Hardys Wessex, das Haus von Charles Dickens und das von Dylan Thomas, Brontë Country abwandern und noch einmal in John Fowles’ Heimatstadt Lyme Regis und und und…

Habt ihr noch einen Geheimtipp für mich? Dann schreibt ihn mir!

4 thoughts on “13 literarische Orte in Großbritannien

  1. Dana Schwarz-Haderek

    „Equinox“ ist wesentlich neueren Datums als die von Dir genannten Romane, führt dich aber auch an geliebte Plätze im Südwesten Englands. (Adakia Verlag)

    1. Ulla

      Liebe Dana, Danke für die Literaturempfehlung! Die werde ich mir sicher zu Gemüte führen. vielleicht findest Du ja bei uns auch die ein oder andere?

  2. Petra polte

    Danke für die schönen Bilder. Habe einiges dazu gelernt was ich aus Filmen und Büchern nur kannte.

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