Brezen im Festgewand

Winterzeit ist Knödelzeit

Weihnachten schleicht sich eigentlich nie auf leisen Sohlen heran. Es poltert alle Jahre wieder mit Siebenmeilenstiefeln auf uns zu. Es gibt kein Entrinnen, auch wenn die Geschenke noch nicht vollzählig sind, die eigene Familie einen schon im Vorfeld in den Wahnsinn treibt und man gerade überhaupt keinen Kopf für so nebensächliche Fragen wie „Was wollen wir Weihnachten eigentlich essen?“ hat.

Für die Geschenke- und Familienproblematik haben wir leider auch keine Lösung in petto. Doch bei der Futterfrage können wir tatsächlich weiterhelfen! Zumindest in Sachen Beilage. Die ist allerdings so wandelbar, dass sich die unterschiedlichsten Gerichte darum basteln lassen. Sei es ein klassischer Braten wie die prototypische Weihnachtsgans oder ein Sauerbraten, ein vegetarisches Gericht wie eine Pilzpfanne oder diverse Formen der Resteverwertung wie ein Salat oder ein angeröstetes Allerlei.

Dürfen wir vorstellen: das Multitalent, Universalgenie und Tausendsassa Brezenknödel! Er schmeckt nicht nur an Weihnachten, sondern eigentlich das ganze Jahr, wird gemacht wie ein stinknormaler Serviettenknödel und ist vor allem supersimpel herzustellen.

Brezenknödel

Ihr braucht für 4 Personen:
10 Brezen (am besten ohne Salz oder dieses abkratzen)
3 bis 4 Eier (je nach Größe)
ca. 1/2 l Milch
frisch geriebene Muskatnuss
2 gute Handvoll gehackte Petersilie
1 große Zwiebel, in Würfel geschnitten
Salz und Pfeffer aus der Mühle

außerdem:
jeweils eine Rolle Alufolie und Frischhaltefolie
einen großen, breiten Kochtopf

Ein bisschen Petersilie aufheben – die perfekte Garnitur.

So geht’s:
Die Brezen in kleine, aber nicht zu dünne Stücke schneiden. In eine große Schüssel geben. Eier und Milch miteinander verquirlen und die Muskatnuss darüber reiben. Die klein geschnittene Zwiebel in etwas Butter anschwitzen, bis sie glasig ist. Dann zusammen mit der Petersilie und dem Milch-Ei-Gemisch über die Brezenwürfel geben. Im Zweifel noch nicht die gesamte Flüssigkeit hinein gießen, es sollte nämlich nicht zu matschig werden. Nachgießen kann man im Notfall immer. Gut vermischen, mit Salz und Pfeffer würzen und etwa 20 Minuten ziehen lassen. Die Masse sollte eine klebrige, aber trotzdem feste Konsistenz haben.

Nun die Alufolie auf eurer Arbeitsfläche ausbreiten und darauf ein ebenso großes Stück Frischhaltefolie. Die Knödelmasse der Länge nach darauf verteilen. Nicht zu viel nehmen, die Masse reicht für 5 bis 6 Pakete. Diese mit der Hand so dicht wie möglich packen, in die Frischhaltefolie rollen und anschließend in die Alufolie. Die Enden wie einen Bonbon zusammendrehen.

Nun das Wasser im Kochtopf erhitzen. Es soll nicht kochen, sondern nur simmern. Die Knödelpakete bei geschlossenem Deckel etwa 20 Minuten darin ziehen lassen. Dann dürfen die Bonbons wieder ausgepackt und die Knödel in daumendicke Scheiben geschnitten werden.

Vegetarier und Pilz-Fans freuen sich über die Knödel im Schwammerlbett.

Die Brezen als Basis

Nun da das Fundament für ein winterliches Menü gelegt ist, seid ihr an der Reihe. Wie sollen sich die schmackhaften Scheiben in euer Gourmet-Gedächtnis einzementieren? Badend in saftig-würziger Bratensoße? Als kerniges Gegenstück zu einer weichen, fluffigen Pilz-Sahne-Soße? Wir können beide Varianten wärmstens empfehlen. Gerade in Kombination mit Blaukraut (alias Rotkraut, alias Rotkohl oder wie ihr sonst dazu sagt) machen sich die Brezenknödel hervorragend.

Persönliches Prüfungskomittee. P.S. Der rosafarbene Pulli im Hintergrund heißt Heike und passt ideal zu Salz- und Pfeffermühle.

Sie sind auch die perfekte Ausgangsbasis für das gerade nach Weihnachten sehr beliebte Resteessen. Für uns entstehen so manchmal die herrlichsten Gerichte überhaupt – oft besser als die ursprüngliche Mahlzeit. Getestet und für gut befunden: Brezenknödel-Salat mit roten Zwiebeln und gerösteten Kaiserschoten sowie in Butter geschwenkte Brezenknödel mit Karotten, Trockenpflaumen und Granatapfelkernen. Letztere nur mit Salz und Pfeffer sowie einem Minispritzer Honig und einem Klecks Kürbiskernöl darauf servieren – himmlisch.

Und wahrlich, ich sage euch: Wer so gut geschlemmt hat, verzeiht auch ein vergessenes oder missratenes Geschenk und erträgt das Familienchaos mit milde lächelndem Gesicht.

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