Bücher schenken?! Mit diesen Tipps klappt`s

Ho! Ho! Ho! Wir sind schon so richtig in Adventsstimmung, und um diese Zeit stressfrei in vollen Zügen zu genießen, shoppen wir auch schon im November Geschenke. Ob es eine gute Idee ist, Bücher zu verschenken, haben wir in unserem letzten Streitgespräch „kritisch“ hinterfragt. Während Ulla voll dafür ist, finde ich das eine ganz schön heikle Sache. Bücher, die ungelesen im Regal verstauben, sind für mich eine ebenso traurige Vorstellung wie die Olle zu sein, die immer nur Bücher verschenkt, die am Ende eh keiner lesen will. Wer aber ein paar Tipps und Hinweise zum Bücher schenken beachtet, den Buchkauf nicht übers Knie bricht und nicht nur mit der Spiegel-Bestseller-Liste im Laden steht, wird vom Gesichtsausdruck des Beschenkten sicher nicht enttäuscht, wenn der das Geschenkpapier vom Buch – die Form ist ja schon immer recht verräterisch – gezuppelt hat.

Mein Genre vs. dein Genre – Geschmack ist kein Maßstab

Nicholas Sparks kommt dir nicht in die Einkaufstüte? Zu kitschig? Zu flach? Und den Fitzek, den liest du auch nicht? Keine Gute-Nacht-Geschichte für dich? Zu spannend? Zu „Oh-mein-Gott“? Du bewegst dich eben lieber fern der Bestseller-Listen, suchst den immer unbekannten Autor, die kleinen Geschichten, in denen die Figuren die ganz großen psychologischen Entwicklungen durchmachen? Das muss jetzt alles egal sein, denn wenn du Bücher verschenken willst, geht es in erster Linie nicht um dich. Wenn die Mama also am liebsten das große Drama liest, die Regale voller Jojo Moyes sind und der Papa alles von Adler Olsen nur so verschlingt, dann versuche den aktuell schönsten Liebesschmöker und den zur Zeit spannendsten Thriller für sie zu finden. Entdecke den heißesten und angesagtesten Scheiß aus Genres, mit denen du absolut nichts am Hut hast. Und wie soll das gehen? Ganz einfach, mit dem Gang in den Buchhandel, geführt von echten Menschen.

Frag den Profi – Nikolaus, Santa Claus, Christkind, Buchhändler

Gute Buchhändler, also so richtig gute Buchhändler, sind Kenner, Könner, Psychologen, Profiler und Helfer in der Not. Sie finden garantiert für jeden die perfekte Lektüre. So einen richtig, richtig guten Buchhändler erkennt man daran, dass er zuhört und parallel sein Gehirn so richtig zum Rattern anfängt. Erzählen Sie von der Person, die mit einem Buch beschenkt werden soll. Wie ist die? Was liest die? Was mag die? Was mag die nicht? Dann gilt es dem Profi-Buchfinder zu vertrauen. Und wenn Beschenkte dann später das Fundstück begeistert verschlingen, gibt`s zwei Möglichkeiten: Entweder man empfiehlt seinen Buch-Dealer des Vertrauens weiter oder man behauptet, das Buch ganz alleine gefunden zu haben. It’s up to you! Aber nur so viel: Das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt, und für die einen gibt’s dann halt nur Lorbeeren. Sonst nix.

Wenn nicht das Buch, sondern das Lesen dein Geschenk ist

Da gibt es jemanden, der nicht liest, du findest aber er wäre ein perfekter Leser. Einer, der noch im Dornröschenschlaf versunken ist und nur richtig wach geküsst werden muss. Einer, in dem so viel steckt, der es nur noch nicht weiß. Einer, der sich oft langweilt, obwohl er das nicht müsste. Ein Teenie vielleicht. Oder ein Griesgram. Ohne jetzt Teenies und Griesgräme auf eine Stufe stellen zu… obwohl… Egal! Wer jemanden mit einem Buchgeschenk zum Lesen bringen möchte, der sollte zu einem kleinen, schlanken Buch greifen und erst einmal die Finger von dicken Schmökern lassen, die schrecken nur ab. Perfekt ist ein Buch, bei dem der Autor auf wenigen Seiten komprimiert zeigt, was er kann. Höchste Qualität auf kleinstem Raum. Ein Buch, das in einem Happen verschlungen werden muss. Bücher wie Sieben Nächte von Simon Strauß und Yanvalou für Charlie von Lyonel Trouillot. Wer nach diesen schmalen Werken nicht mehr davon will, der will es einfach nicht, das mit dem Lesen, der kann es nicht.

Werde zum Sherlock und finde das besondere Buch

Du weißt, welche Bücher der zu Beschenkende gerne liest, du kennst seinen Geschmack, du kennst sein Wesen, seine Psyche, seine Begeisterungsfähigkeit und seine nerdigen Spleens. Dann musst du auch das perfekte Buch für ihn finden. Blogs, Literatursendungen im Fernsehen und Kulturradio, Magazine, Buchbegeisterte bei Instagram oder wieder im Buchladen – wer ein bisschen eintaucht in die Welt der Bücher, der merkt schnell, dass man hier einen gaaaaanz laaaangen Atem braucht, denn das Überangebot an gutem saisonalen Stoff und versteckten Schätzen ist groß. Eintauchen heißt oft auch Abtauchen. Und wer mal so eine richtige Buch-Perle gefunden hat, zehrt selbst davon.

Kenn ich. Hab ich schon gelesen – So überrascht du Vielleser

Der weise, immer lesende Opa, der Deutsch unterrichtende Studienrats-Onkel, die philosophisch angehauchte Sozialpädagogin in der Familie – Dauer- und Viellesern etwas Neues und Überraschendes zu schenken, ist leichter als gedacht. Man muss nur um die Ecke denken. Jugendbücher, z.B. von John Green oder Johannes Herwig, können auch für Menschen, die nicht die Kernzielgruppe definieren, funktionieren, ja sogar irre interessant sein, ganz einfach weil sie anders sind. Bücher von Menschen, die primär etwas anderes machen wie Thees Uhlmann oder Leonard Cohen, können für Dauer- und Vielleser ebenfalls besonders spannend sein, weil hier Musiker schreiben. Weil man im besten Fall zur Lektüre gleich noch neue Kreative und neue Musik dazu geliefert bekommt, mit denen man sich parallel beschäftigen kann. Wer sich traut, so zu schenken, landet der ganz großen Treffer.

Nicht jeder ist zum Lesen geboren

Und jetzt noch eine bittere Pille: nicht jeder ist zum Lesen geboren. Manche sind vielleicht nur noch nicht auf den Geschmack gekommen. Andere haben sich bewusst dagegen entschieden – wahrscheinlich weil auch sie nie auf den Geschmack gekommen sind. Manche Menschen lesen einfach nicht. Ich verstehe das auch nicht. Aber ich akzeptiere es. Denn das wievielte Buch will man schenken, das dann ungelesen im Regal verstaubt. Wie oft will man noch begeistert fragen, wie’s war und enttäuscht feststellen, dass auch dieses Werk wieder nicht gelesen wurde? Will man der Dödel sein, der immer nur Bücher schenkt? Wir haben die Freiheit zu lesen, was wir wollen, und wir haben die Freiheit nicht zu lesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.