Abgestaubt #1 – Daphne du Maurier: Rebecca

Wilde Romantik

Wer kennt eigentlich Daphne du Maurier?

Meine Oma hat sie gerne gelesen, meine Mutter und meine Tante als Teenager ebenfalls…

So sieht’s nämlich aus: Kaum jemand kennt – geschweige denn liest – heute noch die Engländerin mit dem französischen Namen.

Das ist schade.

Du Mauriers Geschichten waren einmal weltberühmt und echter Hollywood-Stoff. 
Die berühmteste ist wohl: Die Vögel (Ja, genau diese Vögel – Hitchcocks Vögel).
Die bessere aber: Rebecca.

„Last night I dreamt I went to Manderley again.“

Der berühmte erste Satz von Rebecca führt uns direkt mitten ins Geschehen: Träume vom ebenso stolzen wie furchteinflößenden Herrenhaus Manderley verfolgen die Ich-Erzählerin. Im Blick zurück erzählt sie uns die Geschichte von Rebecca, aber auch ihre eigene und die des Mannes, der mit beiden verheiratet war.

So gut geschrieben ist das, so voller Rätsel und Lücken, dass von Seite zu Seite die Fragen immer mehr statt weniger werden:
Wie ist Rebecca denn nun gestorben? Warum ist Mr de Winter so selten zuhause? Liebt er seine zweite Frau überhaupt? Und was ist eigentlich mit der Ms Danvers, der Haushälterin, los?

Drama, Grusel und Romantik weben die Geschichte zu einem Meisterwerk.

Alles, was ein Bestseller – und ein Blockbuster – eben so braucht. Ein Mann namens Alfred Hitchcock fand das auch, und verfilmte 1940 (lange vor Die Vögel) den Stoff mit Gruselpotential. In der Hauptrolle: Schauspielgott Laurence Olivier.

Worum es geht?
Der reiche Maxim de Winter bringt seine junge, zweite Ehefrau kurz nach ihrer Hochzeit auf sein Gut Manderley in Cornwall. Dort angekommen, erfährt sie von der ersten Ehefrau, Rebecca, die unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. In dem ständigen Gefühl, im Schatten der Vorgängerin zu stehen, beginnt sie Nachforschungen anzustellen.

Am Ende bleibt kein Stein auf dem anderen, und keine Figur ist so, wie sie zu sein schien: der trauernde Witwer, die glamouröse Ehefrau und die blässliche Nachfolgerin.

Mehr zu verraten, wäre gemein. Auf jeden Fall wird es gruselig – sogar so gruselig, dass ich beim ersten Lesen nicht ohne Licht einschlafen wollte – dramatisch und actionreich. Zuallererst ist Rebecca für mich aber auch ein großer Liebesroman.

Eine Geschichte mit so widersprüchlichen Eigenschaften wie die Landschaft, in der sie spielt. Denn der wendungsvolle Plot allein hätte den Roman vielleicht nicht zu diesem Massenerfolg gemacht. Ohne die Landschaft, in der er spielt, wäre er sicherlich nur halb so gut:
Das südliche Cornwall spiegelt perfekt die wilde Romantik und das Mystisch-Schaurige des Plots wieder.

Rebecca, wie fast alle Romane du Mauriers, hat kein klassisches Happy End. Es ist auch kein klassischer Frauenroman oder Gothic Novel.
Es ist einfach gute Literatur. Die kann viele Genres bedienen und sich doch erfolgreich gegen jede Schublade wehren.

Die wohl schönste Kritik für ihr Werk erhielt Daphne du Maurier übrigens gleich am Anfang ihrer Karriere von Frederick Browning. Nachdem er ihren Debütroman The Loving Spirit gelesen hatte, setzte er wortwörtlich die Segel, segelte zur Autorin, lud sie auf sein Boot ein – und heiratete sie wenig später. Eine Storyline, die ihr für ihre Romane wahrscheinlich zu einfältig und kitschig gewesen wäre…

Daphne du Maurier, Rebecca. 514 S., 12,00 Euro. Insel Taschenbuch.

Originaltitel: Daphne du Maurier, Rebecca. 384 S., 5,99 Euro. Avon.

Leseempfehlungen:
Daphne du Maurier, Jamaica Inn. 320 S., 10,45 Euro. Virago.
Daphne du Maurier, The Loving Spirit. 416 S., 12,44 Euro. Virago.
Daphne du Maurier, The Birds and other Stories. 256 S., 7,99 Euro. Virago.

Verfilmungen:
Alfred Hitchcock: Rebecca.
Alfred Hitchcock, Die Vögel.

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