Daphne du Mauriers Cornwall

Auf dem Weg nach Manderley

„I wanted to go on sitting there, not talking, not listening to the others, keeping the moment precious for all time, because we were peaceful all of us, we were content and drowsy even as the bee who droned above our heads. In a little while it would be different, there would come tomorrow, and the next day and another year. And we would be changed perhaps, never sitting quite like this again. Some of us would go away, or suffer, or die, the future stretched away in front of us, unknown, unseen, not perhaps what we wanted, not what we planned. This moment was safe though, this could not be touched.“

Die Vollkommenheit des Augenblicks, die stillstehende Zeit, das Schweigen der Welt:

Den geheimnisvollen Zauber Cornwalls kann man nicht nur in Daphne du Mauriers Rebecca spüren. Es gibt ihn wirklich, auch heute, in unserer scheinbar entzauberten Welt. Im Jahr 2016.

Polperro: Ein typisch kornischer Fischerort, wie er bei du Maurier immer wieder auftaucht.

Als ich mich im Juni auf die Spuren du Mauriers und Rebeccas begab, konnte ich ihn fühlen, hören, sehen. 10 Tage verbrachte ich in ihrer Wahlheimat Fowey, die etwa 40 Kilometer östlich von Cornwalls Hauptstadt Truro liegt.

Die bunte Heidelandschaft und das weite Meer

Nicht einmal suchen musste ich, um das ganze Inventar von Rebecca zu finden.
Alles lag direkt vor mir: das ungestüme, unberechenbare Meer, das Kreischen der Möwen, die kleinen, durch Klippen geschützten Buchten, den immer feuchten Film auf der Haut, malerische Fischerdörfer, das Heulen des Windes, imposante, altehrwürdige Herrenhäuser, die wilde Pflanzenwelt, das Tosen und Aufbäumen der Wellen und dieser weite Himmel, der so tief über Land und Wasser hängt, dass man manchmal meint, ihn berühren zu können.

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Entlang des Southwest Coast Paths

Hier hat Rebecca gelebt, Maxim de Winter und die Ich-Erzählerin, seine zweite, namenlos bleibende Ehefrau – ja, und tatsächlich Daphne du Maurier.

Manderley heißt Menabilly

Die Umgebung der Hafenstadt diente der Schriftstellerin häufig als Inspiration und Kulisse für ihre Werke. Nicht weit entfernt von Fowey liegt also auch das Vorbild für Manderley: du Mauriers späteres Anwesen Menabilly, das sich an der Menabilly Cove befindet.

„The road to Manderley lay ahead. There was no moon. The sky above our heads was inky black. But the sky on the horizon was not dark at all. It was shot with crimson, like a splash of blood. And the ashes blew towards us with the salt wind from the sea.“

Wild und romantisch, mystisch und schaurig – all das ist das Herrenhaus Manderley. Ebenso schön wie bedrohlich ist das Haus aus grauem Stein im Buch. Es hat viel gemeinsam mit seiner es umgebenden Natur – und wer Rebecca gelesen hat, weiß das – auch mit der ein oder anderen Romanfigur. Hinter Perfektion und Anmut lauert manchmal Gefährliches, etwas nicht zu Zähmendes. Das gilt für Mensch und Natur – und vielleicht macht sie ja genau das so schön, das Wissen um ihr zweites Gesicht.

Unterwegs zur Menabilly Cove – am Readymoney Beach

Davon handelt Rebecca – und das macht auch Cornwall aus.

Alles begann in Ferryside

Bevor Daphne du Maurer mit ihrer Familie ins repräsentative Menabilly zog, lebte sie als junge Autorin im Haus Ferryside. Dort, auf der anderen Seite des Flusses Fowey – bei Polruan – blickte sie auf den Hafen von Fowey und schrieb ihren ersten Roman The Loving Spirit.

Ferryside mit seinen blauen Fensterläden.

Im Zentrum von Fowey, wo auch der beliebte Küstenwanderweg South West Coast Path entlangführt, gewährt das wirklich klitzekleine Literary Centre einen Einblick in du Mauriers Leben und Werk. Eigentlich eine Tourist Info, beherbergt der hintere Teil des Centres ein „Museum“, das leider nicht mehr als ein mäßig beleuchtetes Hinterzimmer ist, in dem man bei 3 bis 4 Besuchern schon von Überfüllung sprechen muss.

Das Literary Centre in Fowey

Schade für eine Autorin, die während der Mitte des 20. Jahrhunderts zu den meistgelesenen zählte, deren Stoffe von den großen Namen in Film und Fernsehen auf den Bildschirm gebannt wurden und die ich heute bedenkenlos zu den Klassikern der Englischen Literatur zählen würde.

Wer jedoch in kurzer Zeit mehr über die Schriftstellerin, ihr Leben und Werk erfahren will, ist hier gut bedient. Die Informationen sind anschaulich aufbereitet und für die Enge des Raums relativ reichhaltig.

Kurz vor Menabilly

Wer lieber fühlen als hören will, sollte seine Füße besser auf den South West Coast Path setzen und an den cornischen Klippen entlang laufen: von Fowey Richtung Readymoney Cove, an der Ruine von St Catherine’s Castle vorbei bis zur Menabilly Cove. Irgendwo auf dem meist menschenleeren Weg ins tiefe Gras setzen, den Blick über die wilde See und den weiten Himmel schweifen lassen und dem Geplapper der Möwen lauschen.

In der Bucht von Fowey

Unweit von Manderley wird folgendes passieren:
Atem und Augen werden ruhig und langsam,
die Zeit eine Schleife.
Die Wolken werden zu Bildern.
Und die Zukunft ein offenes Buch.

Ihr wollt mehr wissen über das literarische Großbritannien wissen? Dann klickt mal auf unsere liebsten Buch-Orte der Insel. Oder auf unsere Rezension von Rebecca.

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