Das Elsass in drei Tagen: Straßburg – Riquewihr – Colmar

Den großen Zeh ins Ausland dippen und ab geht`s ins Elsass

Als ich klein war, erzählte mir eine Freundin ganz aufgeregt, ihre Eltern hätten zu ihr gemeint: „Schatz, in den Ferien, da fahren wir in die Provence.“ „Na toll“, dachte ich mir, „Provinz. Da bist du doch jetzt eh schon die ganze Zeit.“ Die Provinz, in der meine Dorffreundin aus Kindertagen war, muss aber ziemlich gut gewesen sein, denn die Familie fuhr später regelmäßig dorthin. Ich bin erst nach der Unizeit bewusst in Frankreich gewesen. Mit dem Auto ging`s von Bamberg aus nach Portugal und da sind wir natürlich auch durch Frankreich geknattert. Bordeaux. Oh! Sehr schön. Das war aber ja nur ein Länder-Quickie und die zählen nur halb.

Erste Grenzerfahrungen

In diesem Jahr habe ich dann ganz bewusst Frankreich besucht. Bonjour. Ok, wir waren im Elsass und das ist ja sowas von gleich hinter der deutschen Grenze. Man fühlt sich, als würde man lediglich den großen Zeh ins Ausland dippen. Auch der Provinzgedanke drängte sich zunächst wieder auf. Aber natürlich merkt man schnell, dass man im europäischen Ausland unterwegs ist und nicht in Bamberg, Regensburg oder irgendeinem Freizeitpark-Pappkulissen-Germany. Ok, auf die Pappkulisse komme ich später nochmal zu sprechen. Viel Land mit viel Grün und viel Fachwerk mit viel Charme, Flammkuchen und vor Ort angebautem Weißwein. Das gibt`s im Elsass an allen Ecken und Enden und wir haben uns einige davon angeschaut.

Straßburg, was bist du schön

Gewohnt haben wir in Straßburg. Diese Stadt an der Ill kann locker durchlaufen werden. Unzählige Glasfronten, hinter denen Macarons, Eclairs und Madeleines zum Kauf angeboten werden, sind wunderbare Versorgungsstopps zwischen den einzelnen kulturellen Etappenzielen. Die Sonne führt auf den Glasfassaden des Europäischen Parlaments im modernen Europaviertel ein glitzerndes Tänzchen auf. Stahl, Beton und meterhohes Glas strahlen immense Stärke aus. Man selbst wirkt eher winzig klein neben den ebenso mächtigen wie architektonisch minimalistisch angelegten Politpalästen, die auf eine beinahe unheimliche Weise ein Gefühl von Sicherheit ausstrahlen.

In Straßburg lohnt sich der Blick in die Hinterhöfe (Foto: Manfred Koch)

In Straßburg lohnt sich der Blick in die Hinterhöfe (Foto: Manfred Koch)

Wer es romantischer mag – und/oder sportlich – begibt sich von dort aus am besten direkt in den Kern der Altstadt und erklimmt das 142 Meter hohe Münster der Stadt. Und was soll ich sagen? Ich sag`s mal mit Thees Uhlmann, wenn dieser Paris besingt: „Städte von oben liebe ich immer noch so sehr.“ In schwindelnder Höhe genießt man einen 1A-nicht-ganz-360-Grad-Blick auf die pittoreske Stadt. Wieder unten angekommen intensiviert und konserviert man das Gefühl des Pittoresken am besten im Viertel Petite France. Hinterhöfe laden zum Café au lait ein, neben einem Keks bekommt man gratis den Blick auf die bunten Fachwerkfronten des 16. und 17. Jahrhunderts serviert. Vor allem Städte, die von Wasser durchzogen sind, üben immer einen ganz besonderen Reiz auf mich aus. Wem es genauso geht, ist in Straßburg gut aufgehoben. Zwei Arme der Ill umschließen die Altstadt komplett. Touri-Boote nutzen den natürlichen Rundweg. Unter Glaskuppeln lassen sich die Gäste der Stadt durch dieselbe schleusen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Etwas Geduld braucht man schon, sowohl für die Schlange am Ticketschalter als auch für die sehr gemächliche Fahrt. Das Wasser der Stadt ist gespickt mit Sehenswürdigkeiten. So trifft man im Hafen auf die beeindruckende Festungsanlage, die der Sonnenkönig Ludwig IVX. einst als Schutzanlage hat errichten lassen. Die Pont Couvert, die überdachten Brücken, und die Türme der Schleusenanlage lotsen die Gedanken schnurgerade ins 17. Jahrhundert. Lässt man den Blick auf dem Stauwehr, dem Barrage Vauban, stehend schweifen, wird man schnell wieder in die Gegenwart zurückgeholt. Denn hier steht auch das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst. Wer den Tag in Straßburg ganz zeitgemäß ausklingen lässt, gönnt sich einen Flammkuchen und ein Glas Weißwein. Noch bevor man sich hinsetzt, sollte man aber sein Chakra in den Geduldsmodus befördern, denn das Gerücht, man würde als nicht Ortsansässiger in Straßburg nicht so schnell bedient, hat sich mehr als einmal bestätigt.

  • Aussicht vom Straßburger Münster (Foto: Manfred Koch)

Riquewihr oder: wo sind eigentlich Mickey und Donald abgeblieben?

Straßburg ist beeindruckend schön, doch es ist wie so häufig, eine Region lebt nicht alleine von ihrem städtischen Hotspot. Wein. Wein. Wein. Das Elsass ist eine Genussregion und Weinanbau steht ganz oben auf dem kulinarischen Output des Landes. Man könnte jetzt z.B. nach Riquewihr fahren, dem Toptreffer in vielen Reiseführern, sucht man einen Weinort, den es zu besuchen lohnt. Man könnte aber auch auf das Wort einer erfahrenen Frankreichbesucherin hören, die sagt: „Don`t! Nicht Riquewihr! Lasst uns in einen anderen, einen unbekannteren Weinort fahren!“ Wir hatten eine solch erfahrene Frankreichreisende in den eigenen Reihen, die auch eben diese Worte ausgesprochen hat und natürlich sind wir schnurstracks nach Riquewihr gefahren. Fehler! Fehler! Fehler! Wenn man alle Touristen nimmt, die an einem Tag Bamberg, Rothenburg und Regensburg besuchen, und sie gleichzeitig in einen 1.000-Seelen-Ort stopft, dann bekommt man ungefähr ein Gefühl davon, was in Riquewihr so los ist. Die Gemeinde, wenige Kilometer westlich von Colmar gelegen, am Fuß der Vogesen, ist vollgestopft mit Nichtfranzosen – und uns. Ein Souvenirladen reiht sich an den nächsten. Nichts, aber auch wirklich gar nichts, was man darin kaufen kann, ist hübsch. Der auf einem Hügel gelegene Ort selbst, gespickt mit schiefen und krummen Fachwerkhäuschen, könnte schon hübsch sein, dafür müssten aber alle weg. Alle. Alle. Ein paar der unzähligen Cafés müssten auch weichen und alle, alle Souvenirläden. Wir verlassen das Disney-World der Weinregion und stranden beim Weinverkauf von Thierry Schneider in Ribeauville (1 Rue des Prunes, 68150 Ribeauville, Frankreich). Die Garage, in der man den Wein der Schneiders probieren kann, ist recht rumpelig. Das macht aber gar nichts, nach den kulissenhaften Eindrücken von Riquewihr tut etwas Authentizität ganz gut. Wer möchte, testet sich durch Gewürztraminer, Pinot Gris, Muscat und Riesling und verlässt – wie wir – die Weinregion mit roten Backen und klirrenden Flaschen im Kofferraum.

Colmar, oder: Von allem das Beste

Wer im Elsass unterwegs ist, sollte unbedingt Colmar besuchen. Die drittgrößte Stadt des Elsass wirkt wie der Landsitz einer Landschaft, die vom Weinbau bestimmt ist. Was im kleinen Riquewihr so gar nicht funktioniert, klappt in der 67.000 Einwohner zählenden Stadt hervorragend. Die Massen verlaufen sich. Und verläuft man sich tatsächlich einmal, also so wirklich, ist das nur halb so schlimm, denn überall strahlt einem das typisch Elsässische entgegen und so groß ist das Städtchen dann auch wieder nicht. Der architektonische Reichtum an Bauwerken wird durch in Stein gehauene Zeugen aus dem Mittelalter bis in die Moderne deutlich. Wer überhaupt nur Zeit für einen einzigen Abstecher ins Elsass hat, dem lege ich Colmar ans Herz. Das Großstadtflair Straßburgs, das ländlich Authentische der Weinregion sowie der Herzschlag des Tourismus, der ja auch immer irgendwie dazu gehört, vereinen sich hier auf die allerangenehmste Weise.

Also auf geht`s ins Elsass! Für nen Länder-Quickie wird die Zeit ja wohl reichen!

Infos

www.otstrasbourg.fr/fr/

www.tourisme-alsace.com

Shopping-Tipp für Straßburg

Boutique Celeste – Sorry Jungs, für euch ist hier eher nichts dabei

www.boutiqueceleste.com

(Foto Weinreben: Thomas Verbruggen/Unsplash)

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