David Nicholls: Us

Was das Leben mit der Liebe macht

Eigentlich hätte David Nicholls nach Zwei an einem Tag aufhören müssen. Den Stift auf den Tisch legen. Die Finger von der Tastatur nehmen. Besser konnte es einfach nicht werden: Ich habe dabei bitterlich geweint, lauthals gelacht und am Ende gedacht, Emma und Dex, das sind doch Freunde von mir. Und ich weiß von Männern (ja, M-Ä-N-N-E-R-N), denen es dabei genauso ging. Das soll was heißen. Schließlich gibt’s nichts daran zu rütteln: Es handelt sich um einen Liebesroman.

Kein alter Hut

Nun aber ziehe ich noch einmal den Hut vor Herrn Nicholls: Er hat sich getraut, er hat wieder ein Buch geschrieben, er hat wieder einen Liebesroman geschrieben. Und ich bin begeistert. Weil das Buch weder ein Abklatsch derselben Story ist noch komplettes Kontrastprogramm.

Die Geschichte geht so:

Intelligenter Durchschnittsnerd trifft auf schöne Künstlerin. Das Wunder geschieht, Douglas und Connie verlieben sich. Ziehen zusammen, heiraten, kriegen ein Baby.

Fast 20 Jahre später ist das Baby ein Mann namens Albie. Albie will – zum Leidwesen seines Vaters – Künstler werden wie seine Mutter, genauer gesagt Fotograf. Connie plant vor seinem Abschied an die Uni eine „Grand Tour“ durch Europa, durch die großen Kunstmuseen zu den alten Meistern. Danach, sagt sie eines Nachts im Bett zu Douglas, will sie sich vielleicht von ihm trennen. Denn über die Jahre hätte sie festgestellt, dass sie beide sich eigentlich nichts mehr zu sagen hätten. Sie zu verschieden seien.

Auf in den Kampf

Für Douglas wird die „Grand Tour“ zu einer „Grand Tour“ durch sein Leben und zu sich.
Und ein Kampf. Um seine Ehe, die Liebe seiner Frau und die Liebe seines Sohnes.

Ich werde nicht verraten, wie das Buch ausgeht. Aber ich habe auch hier während des Lesens viel gelacht und immer wieder ein Tränchen verdrückt.

David Nicholls macht aus Romanfiguren Charaktere, wahre Menschen. Schwarz und Weiß malt er nicht. Ich mag das. Mal denke ich: Oh je, Douglas, das hättest Du besser nicht gesagt. Ein anderes Mal: Connie, Du bist auch ein ganz schönes Biest. Wie er beschreibt, dass Douglas sich mit den kreativ-extrovertierten Persönlichkeiten Albie und Connie wie ein Außenseiter vorkommt, ist feinfühlig-grandios. Man bringt gleichzeitig aber genauso Verständnis für die zwei Freigeister auf, die mit dem rational-strikten Douglas manchmal nicht mehr weiter wissen. Und trotzdem ist da ganz viel Liebe. Die bahnt sich immer wieder ihren Weg zwischen all den Verletzungen. Den Missverständnissen. Dem Ungesagten.

Zeiten ändern dich

Irgendwann im Leben – bestenfalls – bricht das jahrelang Unausgesprochene hervor. Das klingt dann vielleicht nicht schön. Und es tut erstmal weh. Aber daraus kann Neues, Gutes entstehen. Und es kann eine Beziehung verändern, aber auch heilen. Wie in Us.

David Nicholls hat da viel Zeitgeist reingepackt. Ein bisschen Big Bang Theory, etwas Hipstertum, viel Social Media. Das gibt der Geschichte zusätzlich Dynamik. Und er zeigt: Wir Menschen bleiben trotzdem dieselben.

Us liest sich immer leicht, auch dann, wenn Dir schwer ums Herz wird. Und es macht Hoffnung. Das ist gut so.

David Nicholls, Us. Hodder and Stoughton, 6,99 Euro.

David Nicholls, Drei auf Reisen. Kein & Aber Verlag, 14 Euro.

Leseempfehlungen:

David Nicholls, Zwei an einem Tag. Heyne Verlag, 9,99 Euro.

David Nicholls, One Day. Hodder and Stoughton, 7,99 Euro.

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