Emilia-Romagna, du Schöne!

Entlang der Via Emilia

Woran denkst du, wenn du an Italien denkst? An die Leichtigkeit des Gardasees? An Pizza, Pasta und Amore? An die sanften Hügel und das blaue Meer der Toskana? Dann geht es dir wie mir. Oder besser gesagt: Dann geht es dir, wie es mir ging. Ein kurzer Ausflug in die Emilia-Romagna kam nämlich einer Offenbarung gleich: Das Beste an Italien liegt nicht am Gardasee oder in der Toskana, sondern genau dazwischen. An der Via Emilia.

Die Emilia-Romagna ist nämlich nicht nur ein Landstrich des Hochgenusses, wie Heike euch bereits bewiesen hat, sondern auch gesegnet mit einem ungeheuren Spektrum herrlichster historischer Burgen und einer landschaftlichen Schönheit, die so unberührt und zeitlos wirkt, dass man manchmal kaum glauben kann, dass sie Teil des 21. Jahrhunderts ist.

Bezaubernde Burg

Das Türmchen des Castello di Rivalta kann man besteigen.

Das Wunderbare an all den imposanten Prachtstücken des Burgen-Verbands Castelli del Ducato di Parma e Piacenza: Sie lassen sich nicht nur mit offenem Mund und von uralten Zeiten träumend von außen bewundern, sondern öffnen Tore, Türen und Zimmer für formvollendetes Burgfräulein- und Burgherren-Gefühl.

Hier nächtigte Prinzessin Margaret.

Ein berühmt-berüchtigtes Burgfräulein des 20. Jahrhunderts war Prinzessin Margaret, Her Majesty the Queen’s very own sister. Sie hatte auf unserem ersten Halt durchs Burgenland an der Via Emilia – dem Castello di Rivalta – ‚A Room of Her Own‘ und residierte dort gerne im Sommer. Heute tun das hin und wieder übrigens auch Königin Maxima und König Willem-Alexander der Niederlande.

Palazzo-Flair

Es adelt also auch heute gar sehr auf dem Schloss Rivalta, zu dem das historisch gestaltete Hotel Residenza Torre di San Martino gehört. Die Zimmer sind mit elegantem, tiefbraunen Holz ausgestattet und unter dem Baldachin des Bettes kommen die Träume von zart besaiteten Jungfrauen und säbelschwingenden Prinzen wie von selbst. Ich musste dort immer wieder an die italienischen Szenen aus Eichendorffs Aus dem Leben eines Taugenichts denken: ein bisschen gruselig, ein bisschen kitschig. Die Gerichte im dazugehörigen Restaurant Antica Locanda del Falco setzen dieser wild-romantischen Location dann das Krönchen auf. Bellissima!

Im schönsten Tal der Welt

Das Trebbia-Tal

Unweit des Castello di Rivalta liegt das Valle Trebbia. Niemand anderes als Literaturgott und Schwerenöter Ernest Hemingway himself bezeichnete das Tal einst als das schönste der Welt. Im Jahr 1945 verbrachte er dort 30 Tage und verliebte sich scheinbar so in den hügeligen Landstrich, dass er ein Jahr später dorthin zurückkehrte.

Beautiful Bobbio

Wenn man sich auf schlängelnden Straßen der Stadt Bobbio nähert, gibt es kein Vertun: Hemingway hatte mal wieder recht. Im Delta von Italiens längstem Fluß Po liegt das mittelalterliche Städtchen und bezirzt mit einer Mischung aus beschaulichem Charme und großer Geschichte. An dem Ort führen zwei herrliche Wanderwege vorbei: die Via degli Abati – der Weg der Äbte – sowie die Via Francigena. Beide Wege wurden früher vorwiegend von Pilgern und Geistlichen genutzt und machen deren entbehrungsreiches Leben zu Fuß am eigenen Leib erfahrbar – wenn man denn darauf Lust hat!

Blick auf Bobbio und seine Hügel

Ein leichterer, aber lohnenswerter Fußweg führt über die unterhalb der Stadt gelegene Ponte Gobbo.

Frische Früchtchen

Die Bogenbrücke führt über den Fluß Trebbia und ist eine Schönheit in Stein, die einen idyllischen Blick auf das putzige Bobbio und die lieblichen Hügel des Tals bietet. Auf dem Rückweg in die Stadt lohnt sich neben einem Besuch der Kirche – schließlich gründete hier der irische Mönch Columban einst eine Abtei – auch ein Bummel durch die Gässchen mit ihren nostalgischen Lebensmittelläden. Ob es nun ein Pfirsich oder ein saftiges Stück Schinken sein soll, hier gibt’s von allem das Beste. Bekannt ist Bobbio aber vor allem für seine Spezialitäten: Das sind Schnecken, Steinpilze und Nudeln, die auf Stricknadeln hergestellt werden. Eine interessante Mischung, oder?

Zeitlos schön: die Gässchen von Bobbio

Lustwandeln in Piacenza

Pastelliges Piacenza

Nicht nur unsere Füße und Mägen werden in der Emilia-Romagna auf das allerschönste beansprucht, auch für unsere grauen Zellen bietet sie fantastisches Futter. Italienisches Kulturleben wartet nicht nur in den Metropolen Mailand, Rom oder Florenz, sondern ist auch im eher unbekannten Piacenza zu haben. Durch eine prächtige Altstadt aus pastellfarbenen Häusern schlendert es sich von Palazzo zu Kirche zu Shop zu Dom, und das ganz ohne Stress und Menschenmassen. Undenkbar in der Toskana, Alltag in der ihr ebenbürtigen Emilia-Romagna. Im Ristorante del Ducato wartet feine, moderne Küche, und auf der Dachterrasse ein zauberhafter Panorama-Blick über das anmutige Piacenza.

Panorama-Blick über die Kulturstadt Piacenza

Gemäuer, Geschichte und Gesang

Bäume säumen den Weg zur Burg

Weil unsere Augen von Schönheit wahrscheinlich nie genug bekommen können, geht es schnurstracks weiter zum nächsten Schätzchen. Das nennt sich San Pietro in Cerro und versteht es meisterlich, Geschichte und Moderne zusammenzubringen. In den geschmackvoll renovierten Apartments lässt es sich leben wie Gott in Italien und in der Burg selbst wartet im Obergeschoss eine riesige Sammlung zeitgenössischer Kunst sowie im Keller einige Repliken der chinesischen Terrakotta-Armee. Zeitreisen kann so einfach und elegant sein.

Ich spiele Burgfräulein – in Tabbiano Castello

Eine etwa einstündige Autofahrt entfernt wartet in Salsomaggiore Terme meine Lieblingsherberge unserer kurzen Reise: Tabbiano Castello. Auf den Hügeln über Parma thront die massive Burg mit ihren ebenso liebevollen wie geschichtsträchtigen Zimmern. Wer kann schon gleichzeitig in einer freistehenden Badewanne sitzen, ein gutes Buch in der Hand halten und seine entzückten Augen über die goldgelben Hänge Italiens schweifen lassen?

Vorne goldgelbe Hänge, dahinter Parma

Noch schöner wird es übrigens, wenn man die Badewanne des Hotelzimmers gegen den nur ein paar Schritte entfernten Pool oder die Terrasse des Restaurants tauscht. Dort trifft man schon mal auf eine Gruppe Texaner, die mit allem, was ihre wilden Herzen hergeben, Dean Martins That’s Amore schmettern. That’s la do-do-dolce vita! Selten hat mir das Leben süßer geschmeckt als hier.

Si, si, si: That’s amore

Im Hochgeschwindigkeits-Trab

Brumm, brumm – der Autodromo di Modena

Hey, that’s my car!

Am nächsten Tag flattert und trabt mein Herz hingegen so schnell wie ein wilder Hengst. Warum? Es geht ins Tal der Motoren. Genauer gesagt: ins Herz des Motorsports nach Maranello. Na gut, rote Rennwägen und Motorengeräusche bringen meine Pumpe normalerweise nicht aus dem Takt. So richtig Geschwindigkeit nimmt sie aber wegen eines bestimmten Programmpunkts auf: es geht auf die Rennstrecke.

Nach der Fahrt mit dem Ferrari

Ferrari F 458 heißt mein Gefährt und ich soll es steuern. Stolze 800 Euro muss ein Normalsterblicher für 20 Minuten Fahrvergnügen im Autodromo di Modena berappen. Aber was soll ich sagen: Das ist es wert. Ja, irgendwie ist es das wert. Spätestens wenn man sich mit wackeligen Knien und nach zwölf genommenen Kurven aus der engen Fahrerkabine schält, machen sich die Adrenalin-Glücksgefühle im ganzen Körper breit. Einmal im Leben Ferrari fahren habe ich mir nie gewünscht, aber jetzt könnte ich mich daran gewöhnen. Gut, dass es so teuer ist, denn umweltfreundlich geht natürlich anders. Aber der Rausch der Geschwindigkeit lässt nicht nur die Knie, sondern auch das ein oder andere Prinzip mal wackeln.

Pools und Palazzo

Deshalb endet die Reise so, wie sie begann: ganz entspannt und feudal.

Azurro und Aqua – Bellissima!

Diesmal im Palazzo di Varignana, das sich in den letzten Jahren in ein nobles und relaxtes Resort verwandelt hat.

Laue Luft und Lichterschein

Die Zimmer gleichen schlicht-schönen Tanzsälen und die Pool-Landschaft weckt Wünsche, die freien Tage und der Sommer mögen niemals enden. Und wenn die Sonne hinter den Hügeln verschwindet und Bologna im Tal seine Lichter anknipst, gibt es hier nichts mehr zu sagen.

Buona notte, Bologna!

Dann gibt es nur noch diesen Moment und diese Magie. Basta.

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