Fünf Blabla, zehn Blub

Zwölf Leseplätze, zu denen jeder Zugang hat

Die Ulla und ich, wir lesen ja immer und überall. Andere haben Lieblingsplätze zum Lesen. Und die sind häufig irgendwie an bestimmte Jahreszeiten geknüpft. Viele kaufen sich einen dicken Schmöker oder laden sich einen dicken Schmöker auf ihr E-Book, kurz bevor sie in den Sommerurlaub abrauschen. Andere lesen primär, wenn es kalt ist. Zuhause, warm eingepackt, die Tasse Tee immer griffbereit.

Wir haben unsere Top zwölf Leseplätze für euch aufgelistet. Hübsch ordentlich nach den Jahreszeiten sortiert. Bei mancher Inspiration ist es vielleicht etwas mit uns durchgegangen…

Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da

Lesen im HERBST

Auf der Parkbank

Trauer über das Schwinden des Sommers hin oder her, der Farbwechsel, den uns die Natur jeden Herbst schenkt, ist immer wieder beeindruckend schön. Also hört auf zu heulen. Erst ist alles grün, dann ist alles bunt. Nicht braun. Bunt! So schnell geht das nämlich nicht mit dem Braun. Daher empfehle ich, zieht euch eine (Achtung, jetzt kommt eines meiner meist verhassten Wörter) Übergangsjacke an, klemmt euch ein Buch unter den Arm, geht in den Park und sucht euch eine Parkbank. Falls auf der Bank jemand wohnt, müsst ihr abwägen, ob ihr die Lesestunden für ein Schwätzchen mit dem netten bärtigen Mann nach hinten verschiebt, oder ihr sucht euch eine neue Bank. Und Parkbänke gibt’s ja wie Sand am Meer. Aber jetzt nicht schon wieder an den Sommer denken!

Auf dem Sofa

Im Herbst geht auch die Zuhause-Sein-Zeit wieder los. Die Flipflops werden ab jetzt an die Rückwand des Schuhschrankes gequetscht. Sneakers und Stiefel haben sich ihren Platz im Flur zurückerkämpft. Die Minze, die bis gestern noch für den Hugo gebraucht wurde, landet heute im kochenden Teewasser. Und auch die weichen Wolldecken liegen wieder auf dem Sofa und flirten mit uns, wann immer wir, dick besockt, an ihm vorbeilaufen. Also erweist eurer Couch die Ehre, die ihr gebührt, denn in den nächsten Wochen wird sie euer bester Freund sein. Hier zu lesen unterstreicht das hier Leben. Lest auf dem Sofa und liebt eure Wohnung!

In einem Meer aus Kerzen

Es wird früher dunkel. Das stimmt, aber das macht gar nichts, denn dann wird’s auch früher romantisch. Kerzen starten im Herbst in die Saison. Teelichter. Stumpenkerzen. Duftkerzen. Kerzen. Kerzen. Kerzen. Wenn ihr es euch zum Lesen gemütlich macht, dann spart jetzt nicht am Kerzenschein. Das ist sonst auch schlecht für die Augen. Setzt euch in die tiefen Fensterbänke, auf den Flauscheteppich, ins Bett, wieder auf’s Sofa und lasst es leuchten. Liebe und Horror sind die perfekten Genres für diese Beleuchtung. It’s up to you!

 

Draußen eisig, drinnen kuschlig. Rein mit euch vor den Kamin und loslesen (Foto: Todd Diemer/Unsplash)

Draußen eisig, drinnen kuschlig. Rein mit euch vor den Kamin und loslesen (Foto: Todd Diemer/Unsplash)

Stürme, Dezember, vor meinem Gemach

Lesen im WINTER

Vor dem Kamin

Die Flammen führen im Kamin ein wildes aber leises Tänzchen auf. Es knackt. Es duftet nach Holz. Vor der Feuerstelle liegt das Kunstfell bereit, die Kunstfellarme ausgebreitet, um dich zu empfangen. Da legst du dich hin. Da liest du Fifty Shades of Grey. Das Feuer ist heiß, da musst du gar nicht so dick eingepackt sein. Oh… Ups… Also ihr könnt hier natürlich auch in der Jogginghose Harry Potter lesen und heiße Schokolade trinken. Was ich eigentlich sagen will: Kaum ein Leseplatz ist gemütlicher und schöner und wärmer als der am heimischen Kamin. Wer keinen hat, weicht auf Kerzen aus. Viele, viele, viele Kerzen. Duftrichtung: Hölzer.

In der Badewanne

Gedimmtes Licht, Badeöl, ein Raumduft, das langstielige Glas mit dem schweren Rotwein griffbereit und vor dem Tatort noch schön ein Kapitel in der Badewanne lesen. Ja, ich trinke schon vor 20:15. Wenn es in dem Buch ganz spannend zugeht und man es nicht weglegen kann, dann muss neues heißes Wasser eingelassen werden. Und Achtung: Wer sein Buch versenkt, verhilft ihm schnell zu doppelter Dicke. Aber trotz dieser „Unannehmlichkeiten“ ist kaum etwas angenehmer und entspannender als das Lesen in der Wanne.

Direkt unter dem Weihnachtsbaum

Wenn ich beim Singen vor dem Baum, kurz vor der Bescherung, die Päckchen scanne und anhand der Form einen Bücherstapel ausmache, überlege ich mir bereits, wie ich möglichst schnell an all den süßen Kindern und den strahlenden Senioren vorbeikomme, um sofort zu checken, welche Leseschätze das Christkind in diesem Jahr für mich ausgesucht hat. Im Hechtsprung geht’s dann mit dem letzten Akkord direkt unter den Baum und wenn das Christkind seinen Job gut gemacht hat, dann bleibe ich da gut und gerne auch zwei Tage liegen. Lesen unter dem Weihnachtsbaum kann ich jedem nur empfehlen. Vor allem auch wegen der Lichter. Voll schön.

 

Geht raus und bevöklert die Cafés eurer Stadt (Foto: Chiara Pinna/Unsplash)

Geht raus und bevölkert die Cafés eurer Stadt (Foto: Chiara Pinna/Unsplash)

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus

Lesen im FRÜHLING

Auf der grünen Wiese unterm Apfelbaum

Sobald sich der Winter verabschiedet hat, ist es auch schon wieder Zeit sich seine (jetzt kommt es wieder, eines meiner meist gehassten Wörter) Übergangsjacke anzuziehen, sich ein Buch unter den Arm zu klemmen und nach draußen zu gehen. Ist es trocken, ist es warm, kann man sein Leselager direkt auf einer neu erblühenden Wiese oder auch gleich unter einem knospenden Apfelbaum aufschlagen. Im besten Fall beginnt man zu Neubeginn der wärmeren Jahreszeit auch ein neues Buch. Der Winter liegt hinter uns, der Frühling kann kommen. Juchhe!

Im Café

Manche Heizpilze (warum werden die eigentlich nicht von Trüffelschweinen umgenietet?) locken schon wieder am Ende des Winters mit ihrem warmen Strahlen, bei anderen Cafés liegen auch schon mal ab Februar flauschige Decken auf den kalten Stahlstühlen und laden so zum Rasten ein. Also bin ich für’s Einrasten. Man sollte keine falsche Scheu davor haben, sich alleine in – oder im Frühling vor – ein Café zu setzen. Wer immer ein Buch dabei hat, kann auch immer – ohne Scheu – seinen Lieblingsapfelkuchen in seinem Lieblingscafé genießen. Manchmal ist es wegen des Geblubbers der Nachbarn am Nebentisch erforderlich, sich etwas stärker als sonst auf den Lesestoff zu konzentrieren. Wenn der aber gut ist, hört man ohnehin nichts von dem, was um einen herum geschieht. Bevor ihr geht, aber bitte das Zahlen nicht vergessen!

Auf dem Balkon

Im Winter war er Bierkühlschrank und bei manch einem auch Müllhort, im Frühling wird er wieder hübsch ordentlich hergerichtet: der Balkon! Liebe meines Lebens! Schön wär’s, ich hab nämlich gar keinen Balkon. Also mögen sich an dieser Stelle bitte mal alle superglücklich schätzen und megadankbar zeigen, die einen Balkon – und ist er auch noch so winzig – an ihrer Wohnung dran montiert haben! Oder einen eigenen Garten. Oder eine Terrasse. Mein Balkon ist die Münchner Isar. Das ist auch nicht schlecht. Aber da kann ich meine Lampionkette nicht aufhängen. Und meine Ikea-Balkon-Garnitur schleppe ich da auch nicht hin. Also macht’s euch hübsch. Begrüßt die Balkonsaison in der Früh mit einem Kaffee und einem guten Buch und abends mit einem kühlen Bier und einem guten Buch. Wenn ihr mich sucht, ich sitze an der Isar. Mit Kaffee. Mit Bier. Und einem guten Buch.

 

Flüsse, Seen, Freibäder, die Weltmeere - nirgendwo liest es sich so schön wie am Wasser (Foto: Cynthia Magana/Unsplash)

Flüsse, Seen, Freibäder, die Weltmeere – nirgendwo liest es sich so schön wie am Wasser (Foto: Cynthia Magana/Unsplash)

Und weckt uns früh der Sonnenschein, dann schwingen wir’s Gefieder

Lesen im SOMMER

Am Wasser

Jetzt kommen wir zu meinem allerliebsten Leseplatz. Wasser. Wasser. Wasser. Ich lese am liebsten am Wasser. Mein Ranking geht so: Platz vier, der Fluss. Platz drei, das Freibad. Platz zwei, der See. Platz eins, das Meer. In der Sonne liegen, ein Buch lesen und wann immer es einem zu heiß wird – wegen der Hitze oder wegen dem Buch (…weiß ich ja nicht, was ihr da gerade für ein Zeug lest) – sich eine Abkühlung im hoffentlich kalten Wasser genehmigen. So und zwar ganz genau so sieht der perfekte Sommertag für mich aus. Lesen am Wasser funktioniert auch super alleine. Dann ist man auch nicht abgelenkt. Außer es kommen auf Augenhöhe sexy Beine vorbeigelaufen, dann schaut man vielleicht schon mal von seinem Buch auf. Sexy Beine: Buch – 1:0. Es gibt Schlimmeres.

Auf dem Hotelbalkon

Vor dem Sommer geht’s gut ab in den Buchhandlungen. Da wird noch schnell ein dicker Schmöker für den zweiwöchigen Strandurlaub gekauft. So ein Tausend-Seiten-Monstrum, das man schon immer mal lesen wollte. Wenn man das Buch nach dem Urlaub tatsächlich ausgelesen hat, heißt das nicht, dass die Reise doof war, oder dass man sich nichts zu erzählen hatte. Der Grund kann auch einfach sein, dass das Buch so super war wie erhofft und man daher jede Gelegenheit genutzt hat, um darin zu lesen. Im Flugzeug und am Strand und dann – und das mag ich im Urlaub am liebsten – auf dem Hotelbalkon. Der Liebste duscht oder muss noch ins Fitness, die Freundin schläft oder telefoniert – perfekt: ab geht’s auf den Balkon. Die Möbel zurechtrücken in Richtung Meer, das Dosenbier öffnen (Uhrzeit egal, is ja Urlaub) und los geht’s. Anders als im Flieger oder am Strand hat man hier meist wirklich seine Ruhe. Hier, ganz woanders, kann man sich beim Lesen nochmal ganz woanders hinbeamen. Und wenn man zurückkommt, ist man im Urlaub und sitzt auf einem Hotelbalkon. Wie geil ist das denn?!

Überall, nur nicht drinnen

Beim Warten auf die Freundin vor dem Springbrunnen in der Fußgängerzone. Vor dem Theaterbesuch auf den Stufen des Theaters. Im Café. Auf der Wiese. Am Fluss. Im Freibad. Im Garten bei Mutti. Auf der Dachterrasse (oh Glücklicher). Am Strand. Im Sandkasten der Nichte. Hauptsache draußen. Schmeißt die (Achtung, jetzt kommt es nochmal) Übergangsjacke in die hinterste Ecke der Garderobe. Zieht die Flipflops an. Kauft euch ne Flasche Wasser. Klemmt euch ein Buch unter den Arm und geht raus. Im Sommer findet das Leben und somit auch das Lesen draußen statt. Viel Spaß! Und nich rumheulen, wenn sich der Sommer langsam wieder verabschiedet. Der nächste goldene Herbst kommt bestimmt. Und der bietet ja bekanntlich auch coole Leseplätze.

(Foto oben: Todd Diemer/Unsplash)

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