George Watsky: Wie man es vermasselt

Real Boy – Real Shit

Der 1986 in Amerika geborene George Watsky ist ein wortgewandtes Wunderkinder. Vieles von dem was er tut, macht er schon sehr lange und alles davon macht er gut. So hat sich George Watsky in den letzten Jahren einen Namen als Schauspieler, Lyriker, Dramatiker und preisgekrönter Poetry-Slammer gemacht. Googelt man den Hip-Hop-Musiker George Watsky, schlagen einem vielfach You-Tube-Treffer entgegen, die ihn als überirdisch schnellen Rapper outen. Vom Fastest White Male Rapper ist da die Rede und jeder Klick macht klar: Rappen kann der. Doch kann er auch schreiben? Jetzt wurde sein Wort in dem Erzählband Wie man es vermasselt erstmals zwischen zwei Buchdeckel gedruckt.

George Watsky – Wie man es vermasselt

Das erwartete sprachliche Feuerwerk, mit noch nie da gewesenen Wortspielen, akrobatisch konstruierten Analogien, Wortneuschöpfungen und bewusstseinserweiternden Bildern, wie man sie von sehr guten Poetry-Slammern kennt, bleibt im Erzählband Wie man es vermasselt aus. Das überrascht zunächst, macht aber nichts. Es scheint, als würde der Autor George Watsky den Poetry Slammer George Watsky und den Fastest White Male Rapper George Watsky in den Geschichten dieses Buches durchatmen lassen. Ganz ruhig, ohne viel Getöse und Fabulierschnörkel schreibt er über sein Leben. Unaufgeregt plätschern die Erzählungen vor sich hin, ohne dabei langweilig zu sein. Inhaltlich geht es primär um Watskys Weg zum Künstlerdasein.

Das Scheitern spielt dabei eher eine Nebenrolle. Doch wie wichtig Nebenrollen sind, verraten zum Beispiel die Oscars jedes Jahr aufs Neue. Der Titel Wie man es vermasselt übertreibt also. Bei seinem Weg auf die Bühnen des Landes – sei es als Rhetoriker oder als Rapper – geht zwar immer wieder einiges schief, aber George Watsky ist stets weit davon entfernt, alles zu vermasseln. George Watsky erzählt in seinen Geschichten von Road Trips mit Freunden. Einmal wird der Stoßzahn eines Elefanten von Kanada nach Amerika geschmuggelt – und zwar mit gutem Grund – ein anderes Mal rollt Watsky mit seiner Crew in einem schrottreifen umgebauten Bus über die Highways und spielt seine erste Tour als Musiker. Er erzählt von seinen Wohnsituationen. Er lebt dort, wo die Preise in L.A. erschwinglich sind. Das ist da, wo die Neuankömmlinge Hollywoods starten, so wie er selbst. Zugleich ist das aber auch das Viertel, in dem die Gescheiterten und die von Hollywood ausgespuckten angespült werden. Corey Haim, Kinderstar und Teenie-Schwarm in den 1980er Jahren, stirbt in einem Apartment ganz in der Nähe von George Watsky. Auch das kommt in einer der dreizehn Erzählungen vor. Der eine – George Watsky – will dahin, wo der andere – Corey Haim – herkommt: nach Hollywood, zum Fame. Wer es in Hollywood am Ende geschafft hat und wer nicht wird – so scheint es – wird die Wohnadresse zeigen.

Amerika! Aber echt!

Im Subtext von Wie man es vermasselt bekommt der Leser eine Version von Amerika präsentiert, die authentischer scheint, als all das, was aktuell durch die von rosarot bis tiefschwarz gefärbte Medien-Brille Schwarz auf Weiß geschrieben steht, über die Bildschirme flackert und durch den Äther geschickt wird. Der in San Francisco geborene George Watsky kommt aus der gehobenen weißen Mittelschicht. „Mom und Dad, ich bin euch unendlich dankbar“, lautet der erste Satz seiner Danksagung. Er ist ein normaler Junge mit einem Uni-Abschluss und dem Kopf voller unkonventioneller Flausen. George Watsky erzählt in Wie man es vermasselt von seinem Amerika, das sicher das Amerika vieler dort lebender Menschen ist. Es geht um Baseball, Baseball und Familie, springende Lachse, hotte Girls und alte Säcke, sanfte Drogen und harten Tobak, Ziele, Freundschaften, Träume in greifbarer Nähe, das Zupacken, das Scheitern, die Zuversicht und den unendlichen Spaß.

Georges Texte machen Spaß, und sie machen Mut“, so Autorenkollege John Green über das wortgewandte Wunderkind George Watsky.

Für den kleinen Lesehunger zwischendurch

Es gibt Erzählbände, die man nicht in einem Rutsch durchlesen muss, um das dichterische Erlebnis zu genießen und den Autor allumfassend zu begreifen. So ein Band ist Wie man es vermasselt von George Watsky. Wem der leichte und unaufgeregte Ton des Buches gefällt, und wer das darin gezeigte, angenehme Amerika-Bild mag, kann sich in eigenen Dosen immer wieder eine Watsky-Story gönnen. Eine Chronologie der Geschichten, einen Anfang oder ein Ende, gibt es nicht. Georg Watskys Leben ist im Fluss, sein Puls scheint – gemessen an dem was er alles macht und kann und tut – schneller zu pochen. Doch mit jeder der im Vergleich dazu sehr ruhig erzählten Geschichten wächst die Gewissheit: Der Autor von Wie man es vermasselt hat so einiges richtig gemacht.

George Watsky: Wie man es vermasselt, 336 S., 22 Euro. Diogenes Verlag, 2017.

Im Original: George Watsky: How to Ruin Everything, 240 S., 9,99 Euro. Plume, 2016.

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