Glück – ein wahrlich durchgenudeltes Wort

Das kleine Stück vom großen Glück

Wenn ich traurig bin, also nur so mittel traurig, also nicht so wirklich schlimm traurig, aber schon ein bisschen, dann geh ich zum Asia-Laden um die Ecke und kauf mir ne Tüte Glückskekse. Wie viele ich davon esse, hängt ganz von der im Keks verborgenen ersten Botschaft ab. Und eventuell von der zweiten. Oder eben auch von der dritten… Ich knacke die Dinger so lange mit meinen gierigen Fingern auf, bis ich einen Spruch in den Händen halte, der mich wirklich glücklich macht. Sätze wie EINE GUTE NACHRICHT WARTET AUF DICH beruhigen mich eigentlich sofort und machen mich auch gleich wieder etwas glücklicher. Zettel auf denen Sachen stehen wie SIE SIND EXTREM DISZIPLINIERT UND HABEN HEUTE EIN DICKES LOB VERDIENT sind hingegen immer so`ne Sache. Denn – ganz genau – ich warte dann halt auch ziemlich lange sehr diszipliniert auf das versprochene Lob. Und das oft leider ohne jeden Erfolg. Was für ein Unglück. Bei Sätzen wie EINE BEZIEHUNG WIRD EINE ANDERE WENDUNG NEHMEN, da denke ich mir dann schon eher: Oh-ha!!! Oh! Oh! Oh-je! Aber ok, das ist ein Glückskeks, da wird schon eine schöne, vielleicht ja sogar die eine herbeigesehnte und somit zu 100 Prozent positive Wendung gemeint sein. Das gleiche gilt für DEIN LEBEN WIRD DURCH UNGEWÖHNLICHE ERFAHRUNGEN BEREICHERT. Ich bin kein allzu großer Freund von ungewöhnlichen Dingen, aber ein Glückskeks ist ein Glückskeks ist ein Glückskeks…

Ihr merkt, wenn ich von Glück spreche, dann hat das immer sehr viel mit Keksen zu tun. Bei den meisten Menschen ist das nicht so. Das Wort Glück wird hart rangenommen, es ist ein viel gebrauchtes, kaputt analysiertes Wort, böse durchgenudelt. Warum? Vielleicht weil jeder sein kleines Stück vom großen Glück abhaben will. Weil man manchmal hofft, dass es hier gar nicht um eine Hoffnung auf etwas geht, sondern um ein Recht, besser noch ein Grundrecht. Jeder hat das Recht, glücklich zu sein. Oder wenigstens: Jeder sollte das Recht haben, glücklich zu sein. Das Problem hierbei ist aber – zumindest ist das mein Eindruck – dass wir zu gierig sind, schnell unzufrieden oder noch schlimmer: permanent enttäuscht. Wir bekommen etwas und denken: schön, aber ich hätte gerne etwas anderes gehabt. Oder: schön, aber ist das schon alles? Ein weiteres, damit Hand in Hand gehendes Problem, ist, dass Glück für jeden etwas anderes bedeutet. Ist es überhaupt möglich, dass z.B. zwei Menschen auf einer Parkbank sitzen und beide im selben Moment gleich glücklich sind? Wenn sich die beiden lieben, vielleicht. Ja bestimmt. Das wäre schön. Aber wenn es sich um zwei Fremde handelt, ist das schon eher unwahrscheinlich. Der eine ist glücklich, weil die Sonne scheint und er nicht arbeiten muss. Der andere ist unglücklich, weil es ihm viel zu heiß ist und er keine Arbeit hat. Jemand gewinnt ein Auto und ist glücklich. Ein Auto. Für umme. Wahnsinn. Jetzt hat er ein Auto. Kann damit herumfahren. Und es hat nichts gekostet. Das muss sich mal einer vorstellen. Einem anderen gefällt das gewonnene Auto nicht. Er braucht auch keins. Hat schon eins. Glücklich wird er ja vielleicht trotzdem, denn er kann das Auto ja verkaufen. Für Geld. Das Fass, ob Geld wirklich glücklich macht, mache ich jetzt nicht auf.

Nicht zu wild nach dem Glück jagen, sonst zerfetzt du es vielleicht sofort wieder…

Das Schlimme am Glück ist doch, dass die Hetze danach so oft unglücklich macht. Sich nicht entspannen können, weil man dem Glück hinterher jagt. Den Augenblick nicht genießen können, weil man merkt, dass man in dieser Zeit nicht dem Glück hinterher jagt. Oh-je! Es gibt so viele Ansätze beim Gedanken an das Glück, um genauer zu sein, gibt es genau so viele Ansätze wie es Menschen gibt. Da wundert es auch nicht, dass es gefühlt Tausende von Ratgebern zum Thema Glück gibt und die Bibel ist sicher Die Glücksformel von Stefan Klein. Aber da klingt mir ja der Titel schon zu mathematisch. Und Mathe war beinahe alleine viele Jahre die Ursache von Unglück in meinem jungen Leben.

Jetzt aber mal Butter bei die Fische (dass Butter Fische glücklich macht, ist natürlich Unsinn. Es geht hier ja immerhin auch um tote Fische und dass der Fisch tot ist, das ist ja zumindest für den Fisch eher ein Unglück). Also, so mache ich das ganz konkret mit der regelmäßig aufflammenden Jagd nach dem kleinen Stück vom großen Glück:

Ich bin dankbar, weil eigentlich geht es mir gut.

Ein Lacher pro Tag, bei dem der Bauch so richtig bebt, muss für die Glücksbilanz einfach drin sein.

Ich versuche mich freiwillig nur mit Menschen zu umgeben, die mich zum Lachen und/oder zum Staunen und/oder zum Träumen bringen und/oder für Gänsehaut sorgen.

Ich weiß, dass ich mich glücklich schätzen kann und ich schätze, das tue ich.

Ich versuche, positiv zu denken: Das Glas ist immer halb voll. Wenn das Vanilleeis aus ist, dann esse ich halt Schokolade (das ist dann auch wieder förderlich für die besagten bauchbebenden Lacher).

Und wenn mal wieder gar nix mehr hilft, dann geh ich geschwind rüber zum Asia-Laden um die Ecke und kauf mir ne Tüte Glückskekse. Wie viele ich davon esse, hängt ganz von der im Keks verborgenen ersten Botschaft ab…

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