Hallo Neujahrsdepression

Zwischen den Jahren heißt zwischen dem Nichts

Allzeit verpfuschte Glücksbilanz

Na? Wieder nicht vom Glück geküsst worden im vergangenen Jahr? Und auch sonst von keinem? Und die Karriereleiter, die steht auch noch gut platziert in Sichtweite vor dir, aber du bist noch keinen Schritt weitergekommen? Und du? Eher sieben Kilo zu- statt fünf Kilo abgenommen? Und aus der angedachten Versöhnung mit XY wurde ein mit Efeu berankter Zaun? Die Zeit zwischen den Jahren ist für viele eine ganz seltsame Zeit, denn kurz vor Silvester wird Kassensturz gemacht. Was ist nach 365 Tagen so los, mit der vor einem Jahr gestellten Prognose in Sachen Glück, Liebe, Erfolg, Gutmenschsein? Steht man mit beiden beiden Beinen fest im Haben oder zerrt das Soll am Ärmel des zu klein gewordenen Hemdes, das einem über die Plauze spannt und für ein schlechtes Gewissen in Sichtweite sorgt? Was war das Beste im vergangenen Jahr? Nur eine Cola for free beim McDonald’s Monopoly? Was war das Schlimmste? Job weg, Frau weg oder/und Haus weg? Welche Vorsätze konnten für wie lange realisiert werden? Ist ein Monat lange? Oder ist ein Monat Durchhalten nicht mehr als ein Versagen in Elf-Zwölfteln?

Die Tüten kommt mir nicht in die Tüte

Keine Plastiktüte in 2016! Das war mein einziger fest formulierter Vorsatz in der fast abgelaufenen Saison der Selbstdisziplinierung. Ich bin nicht so streng mit mir in solchen Sachen, daher gibt`s auch selten lange To-do-Liste für`s jeweils nächste Jahr. Das mit dem Tütenverbot habe ich nicht durchhalten können, aber ich war gar nicht so schlecht. Die Tüten, die ich mir habe aushändigen lassen, kann man an zwei Händen abzählen, vielleicht an dreien, aber wer hat schon drei Hände. Und da geht`s auch schon los mit dem Selbstbetrug. Und dann waren da in den meisten der Plastikbeutel, die die Weltmeere verseuchen und Leben sowie Lebensraum zerstören, v.a. Weihnachtseinkäufe drin, die von mir im Advent durch die Stadt geschleppt wurden. Also spätestens am Jahresende kippen die guten Vorsätze wieder, da ist es wichtiger, alles auf die Kette zu bekommen, nicht durchzudrehen, zu entschleunigen und zu entspannen, damit der Energievorrat über die Feiertage möglichst wieder voll getankt werden kann. Das gilt dann auch für all die neuen Vorsätze. Mein Vorschlag wäre, kleine Brötchen zu backen, also realistische und somit erreichbare Ziele zu formulieren. Denn das Ausmaß des Versagens wird später zum Gradmesser der Neujahrsdepression. Denn wer gar nichts schafft, schafft es dann bestimmt doch, sich mit Selbstenttäuschungen verrückt zu machen: Ich kann wirklich nichts. Gar nichts! Nichts, was ich mir vornehme, klappt. Ich! Bin! Scheiße!

Same, same but different

Ich habe für 2017 noch nichts Konkretes auf dem Zettel stehen. In Sachen Plastiktüten muss ich mich sicher weiter disziplinieren, damit das kein erbärmliches Einjahresding wird. Das war ja kein Kapitel, das ich jetzt zuschlagen kann und gut is. Nein, da ging`s ja um die Fische und um die Meere und eigentlich noch um viel mehr. Natürlich wäre es schon schön, einen neuen Wunsch, eine neue Selbstdisziplinierungsmaßnahme – nur zu meinem Besten versteht sich, oder zum Besten von etwas anderem (siehe Weltmeere) – in Angriff zu nehmen, aber mir ist noch nichts Sinnvolles eingefallen. Und sinnvoll heißt, dass es etwas sein muss, das zumindest im Ansatz realistisch ist, und etwas, das mich glücklich macht oder wenigstens ein Stück zufriedener. Ich würde mich momentan durchaus als glücklich und zufrieden beschreiben, aber a bisserl was geht alleweil. Was realistisch ist und was mich glücklicher oder zufriedener macht, das weiß nur ich alleine. Die Welt retten? Unrealistisch. Ein besserer Mensch werden? Ich wüsste nicht wie. Naja ok, aber… Zehn Kilo abnehmen? Ich wüsste nicht warum. Naja ok, aber… Ok, wenn man länger grübelt, sich selbst betrachtet, sein Gemüt durchscannt, und dabei grundehrlich ist, dann fällt einem sicher das ein oder andere ein. Irgendwo irgendwie anders sein zu wollen ist bestimmt normal. Doch wie wichtig ist das? Wann kippen gute Vorsätze in negativen Stress? Wann sind sie unnötig? Ist es eine Menschenpflicht, gute Vorsätze zu formulieren und sie wenigstens für einen Moment aktiv anzugehen mit der disziplinierten Hoffnung, sie auch umzusetzen? Sind Menschen, die keine guten Vorsätze für’s neue Jahr formulieren, schlechtere Menschen oder einfach nur entspanntere Menschen?

Eigentlich und sowieso

Es ist eine seltsame Sache mit der Zeit zwischen den Jahren. Mir geht es 360 Tage lang eigentlich ganz gut. Ich bin eigentlich ganz glücklich. Es ist auch eigentlich nichts Schlimmes und parallel sogar viel Schönes passiert und trotzdem drückt der Schuh in den paar Tagen zwischen den Jahren, in dieser seltsamen Zeit. Vielleicht liegt das ja am Eigentlich. Vielleicht ist das Eigentlich eine Bremse, die mehr versaut als man denkt, als man wahrhaben will. Vielleicht wäre es ein guter neuer Vorsatz für 2017, das Eigentlich wegzupacken, wann immer es aufploppt. Und spätestens 2018 kümmere ich mich dann um das Vielleicht.

Wir von Halt die Fresse Klappentext wünschen einen entspannten Ritt durch`s neue Jahr! Stresst euch nicht, aber kümmert euch! Macht euch nicht zu viele Gedanken, aber macht euch Gedanken!

Foto: Ian Schneider/Unsplash

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