Kaffee – aber richtig!

Von Bohnen, Brews und Cupping

Für mich hat ein Tag so richtig erst nach der ersten Tasse Kaffee begonnen. Darum war ich auch sofort dabei, als Visit Seattle zum Kaffee-Seminar in die hippe Kaffeerösterei Man vs Machine einlud. Wusstet ihr, dass Seattle DIE Kaffeestadt der USA ist? Hier wurde nicht nur Starbucks gegründet, nein, hier findet man auch die höchste Dichte unabhängiger Coffee Shops. Weil Seattle für so einen Kaffeekurs leider, leider etwas weit ist, geht’s ab in die Münchner Adalbertstraße.

So sollen geröstete Bohnen aussehen.

Mythos trifft Mund

Schmeckt nach Beeren und gar nicht bitter.

Unser Kaffee-Experte nutzt den Kurs direkt, um mit ein paar Kaffee-Mythen aufzuräumen. Der größte Mythos ist wohl der Glaube, dass Kaffee bitter schmecken muss. Soll er aber gar nicht! Schuld sind die Röstereien, die viel zu dunkel, ja fast schwarz rösten und so dem Kaffee die bittere Note verpassen, die er im Grunde gar nicht hat. Die perfekt geröstete Bohne ist nämlich nicht schwarz und glänzend, sondern eher beige und matt.
Der Beweis wird auf dem Fuße angetreten: Wir schreiten zum Cupping.

Cupping: nicht ohne meinen Löffel!

Hier wird uns der Kaffee in einer Tasse und mit einem tiefen Löffel serviert. Schlürfen ist Pflicht! So trifft der Kaffee auf verschiedene Geschmacksknospen gleichzeitig und er entfaltet im Mund sein volles Aroma. Wirklich wahr! Die erste Tasse schmeckt – wie bereits angekündigt – auch überhaupt nicht bitter.

Ganz im Gegenteil: nach Frucht und Beeren. Die zweite nach dunklem Kakao und die dritte intensiv und würzig, aber keine davon bitter. Eigentlich, lernen wir, ist Kaffee nichts anderes als Tee: eine Pflanze, die mit heißem Wasser gebrüht wird. Und bitteren Tee will ja auch niemand trinken.

Bloß nicht zu deutsch sein!

Zum Kaffee gibt’s Franzbrötchen.

Was machen wir also falsch? Die bittere Wahrheit lautet: Wir sind zu deutsch, durch und durch deutsch. Im Klartext heißt das: Wir investieren Unsummen in unsere Maschinen, unsere Ausstattung und hippe Accessoires und sparen dann am falschen Ende, nämlich beim Kaffee selbst. Ganz, ganz falsch. Andersherum wird Kaffeekultur daraus. Hochwertiger Kaffee schmeckt auch mit der billigsten, rumpeligsten Maschine noch gut. Aber das teuerste Luxus-Maschinchen macht einen schlechten Kaffee auch nicht besser. Darum, Leute: Kauft Kaffee mit Klasse und spart euch lieber das Hightech-Gedöns.

Echt bitter

Kaffeekultur im Man vs Machine

Die bitterste Pille, die ich hier schlucken musste, war übrigens diese: Hände weg von Nespresso. Okay, dass die Kapseln das Herz unserer Natur nicht gerade höher schlagen lassen, war mir schon lange klar. Aber dass darin auch noch minderwertiger Kaffee steckt, der für seine Qualität megamäßig zu teuer ist, war mir nicht klar. Tipp vom Experten: Eine schnöde Filtermaschine nehmen und die mit frisch gemahlenem Kaffee füllen. Einfacher und besser geht’s nicht.
Auch die Aufklärung des nächsten Mythos hat mich überrascht: Crema bedeutet nicht gleich guter Kaffee. Im Grunde kann man getrost auf sie verzichten, sie trägt nämlich rein gar nichts zum Geschmack bei, der sitzt nämlich im flüssigen Teil. Crema sieht gut aus, kann aber nicht viel: quasi das schaumige Pendant zu Germany’s Next Topmodel-Teilnehmerinnen.

Kalter Kaffee? Yeah!

Optisch total unaufgeregt kommt Cold Brew daher und haut mich dann mit seiner feinsinnigen Coolness von den Socken.

Cold Brew: stilecht mit Eiswürfel.

Eiskaffee war gestern, heute ist Cold Brew. Wie man denn herstellt? Ganz easy und tatsächlich kalt. Dieser Kaffee kommt mit heißem Wasser niemals in Berührung. Ihr nehmt – ist ja jetzt selbstverständlich – die Bohnen eines richtig guten Kaffees und malt diesen in der Mühle. Diesen in ein Glas oder eine French Press geben und mit kaltem Wasser aufgießen (unser Kaffeeexperte empfiehlt übrigens Volvic). Die Mischung mindestens 12 Stunden ziehen lassen, fertig. Mit Eiswürfel servieren und – wer will – mit einem Schuss Milch aufgießen. Der perfekte Sommerdrink und wohl das Coolste, das Kaffee kann.

Milch meets Cold Brew: Der Sommer kann kommen!

Habt ihr auch Lust auf ein Kaffee-Seminar oder einfach nur eine Tasse sagenhaft guten Kaffees? Dann seid ihr bei Man vs Machine genau richtig. Dort könnt ihr übrigens auch online Kaffeebohnen bestellen.

Ihr wollt jetzt auch in die Coffee City reisen? Dann holt euch doch hier Infos und Inspirationen: www.visitseattle.de/food-drink/coffee-sweets

Danke an Visit Seattle für den coolen Nachmittag!

 

Headerbild: Crew/unsplash.com; alle anderen: Ulrike Herzog

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