La La Land

Ein Hoch auf die Herzen

Musicals? Das ist für mich: weichgespülter Sing-Sang, große Gesten ohne Herz, seelenloses Gedudel nach dem Motto: Hmmm, wie könnten wir das Thema am lukrativsten ausschlachten? Na klar, lass’ uns ein Musical daraus machen!

Und dann gibt’s La La Land.

Ja, auch La La Land ist ein Musical. Aber kein Musical-Musical.
Eine Liebesgeschichte in Liedern. Ein Tanz durch Träume. Eine Hommage an die Hochzeit Hollywoods.

And the story goes:

Ganz klassisch: Boy meets Girl. Schnell stellen beide fest: Wir necken uns, wir lieben uns. Beide träumen von einer Karriere in der Stadt der Engel, der Stadt der Lichter. Vom Scheinwerferlicht, davon, mit ihrer Kunst endlich Geld zu verdienen und sich nicht mehr mit wenig glamourösen Nebenjobs über Wasser halten zu müssen. Vom großen American Dream.

Mia – von der wunderbaren Emma Stone dargestellt – wartet auf den Hollywood-Durchbruch als Schauspielerin, hetzt von Casting zu Casting, lernt allzu oft die schmutzige Seite des Business kennen und trotzdem: die Lichter der Scheinwerfer scheinen zu hell, um nach sechs Jahren Castingmarathon das Handtuch zu werfen.

Der fast ein bisschen zu coole Ryan Gosling spielt den wütend-traurigen Sebastian. Sein großer Traum? Ein eigener Jazz-Club. Vielleicht nicht so groß wie Mias Traum, aber mindestens ebenso viele Lichtjahre entfernt. Wer hört im 21. Jahrhundert noch Jazz?

Und dann treffen sich die beiden. Immer und immer wieder. Und es scheint: Zu zweit träumt es sich leichter. Hand in Hand scheinen die Sterne, die Träume, die Lichter der Stadt zum Greifen nah.

Und warum ist das so toll?

Weil es so herrlich nostalgisch ist und so herrlich modern. Das ist bunt, sprüht nur so vor Melodien, Energie und Charisma. Das ist leicht und niemals billig. Das hat Substanz und ist trotzdem überhaupt nicht schwer. Das ist lustig und tieftraurig. Das ist – ganz einfach – großes Kino.

Wir taumeln mit den beiden durch Traumsequenzen, durch Kulissen und durch Zitate unvergessener Filmklassiker aus Hollywoods goldenen Zeiten. denn sie wissen nicht, was sie tun folgt auf Ein Amerikaner in Paris, Singin‘ in the Rain, Ein süßer Fratz oder Vorhang auf!

Und immer wieder – ganz kurz – denke ich, ich wäre mitten in einem dieser alten Filme gelandet, und dann blitzt da ein Smartphone auf, steigt Mia in ihr Hybrid-Auto, schreit Sebastian einmal zu oft „Scheiße!“.

Aber La La Land ist so gut, weil es eben mehr ist als bloße Hommage. Mia und Sebastian atmen, das sind lebendige Menschen, keine austauschbaren Statisten und trotzdem nichts Besonderes. Zwei unter Millionen. Millionen, die den einen Traum träumen. Die Talent haben, Ausdauer und Durchhaltevermögen. Aber scheinbar kein Glück.

Das Herzzerreißendste am Film: er zeigt sehr, sehr deutlich, wie stark unser Leben doch vom Zufall bestimmt wird, von dem einen Moment. Und entweder du ergreifst ihn, den einen Augenblick, das eine Jetzt – oder schwupps, es kommt alles anders – und einem anderen reicht man die Hand.

Das Schönste am Film: Gib Deine Träume nicht auf, sagt er uns. Erwachsen sein heißt nicht, kindliche Hoffnungen zu begraben. Bleib Dir treu, gib nicht auf, träum’ weiter – so dumm es auch scheinen mag. Kämpf’ darum, spring in das kalte Wasser. Und manchmal lohnen sich fünf Monate Schnupfen für einen fröhlichen Sprung in die Seine. Und manchmal lohnt sich der Preis, den du zahlen musst.

Im Grunde steckt der ganze Film in Mias Lied:

Here’s to the ones who dream
Foolish as they may seem

Here’s to the hearts that ache
Here’s to the mess we make

Ein Hoch auf die Herzen, ein Hoch auf die Träumer!

Ein Hoch auf diesen Film! Für ihn möge es goldene Oscars regnen.

 

La La Land, 2017. Regie: Damien Chazelle.

La La Land. Original Soundtrack.

 

Offizielles Poster: Studiocanal

Header-Bild: Florian Klauer/unsplash

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