Melena kauft einen Buchladen

Interview mit Melena Renner

Melena und ich haben zusammen Abitur gemacht. Wir haben beide Germanistik studiert. Und haben dann beide Pressearbeit für einen Klinikverbund gemacht. Nein, das war es noch nicht ganz mit den Gemeinsamkeiten! Denn schlussendlich haben wir uns beide für unsere große Liebe entschieden: die Bücher. Während ich mit Heike diesen Blog gegründet habe, hat Melena das getan, wovon viele träumen aber es doch nicht wagen: Sie hat einen Buchladen gekauft. Wie sich das anfühlt, hat sie uns im Interview verraten.

Wahnsinn, Du hast einen Buchladen gekauft! Andere kaufen ein Auto, Du einen Laden. 
Wie kam es dazu?

Es war genauso verrückt, wie es sich anhört ☺ Beim Kaffeetrinken mit der Lebensgefährtin des früheren Besitzers habe ich davon erfahren, dass Johann (Dr. Schrenk – der Namensgeber meiner Buchhandlung) keine Nachfolgerin mehr hat – und da hat es bei mir Klick gemacht.

Es war nicht so, dass ich vorher den Traum formuliert hätte, dass ich irgendwann einmal eine Buchhandlung haben will, aber in dem Moment wusste ich einfach, genau das will ich!

Um ehrlich zu sein, habe ich in der Folge ständig damit gerechnet, dass mir meine Familie, der Steuerberater oder die Bank schlicht sagen, dass ich spinne und die Finger davon lassen soll. Das hat aber niemand gemacht und hier bin ich!

Dein erstes Jahr ist beinahe vorbei. Wie fällt Deine Glücksbilanz aus?

Es ist noch viiiieeeel schöner, als ich es mir erträumt habe.

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Melena liebt das Lesen. Mit dem Buchladen hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Die Arbeit im Laden fühlt sich oft gar nicht wie Arbeit an – und das ist auch gut so, denn es ist wirklich viel Arbeit! Aber für mich war die Recherche nach neuen Büchern oder Geschenkideen schon immer auch Hobby, das ich jetzt eben zum Beruf gemacht habe. Ich komme einfach jeden Tag gerne in den Laden und freue mich darauf, mit Büchern zu arbeiten! Ich habe so viele wunderbare Kunden, mit denen ich mich natürlich vor allem über Bücher austauschen kann und die ich mit meiner Liebe zum Buch anstecken kann – das ist ein echter Traumjob!
Was ich vorher gar nicht so erwartet hätte, ist, dass ich zwar viel mehr arbeite, aber gleichzeitig auch freier bin. Ich kann Freundinnen in den Laden einladen, zwischendrin einen Kaffee trinken und ein bisschen ratschen. Oder am Samstag meine kleine Tochter mitbringen und wenn Zeit ist, ihr auch einmal ein Buch vorlesen. Ich bin eben mein eigener Chef und solange die Kunden nicht zu kurz kommen, bin ich in der Gestaltung meiner Arbeit sehr frei.
Das Wichtigste ist aber, dass Lesen schon immer meine liebste Freizeitbeschäftigung war – von daher fühlt sich auch dieser Teil meiner Arbeit eben nicht wie Arbeit an und ich denke, das ist ganz entscheidend für eine positive Glücksbilanz als Buchhändlerin!

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Kinder können bei Melena die Zauberwelt der Literatur entdecken.

Wie sah Dein Leben vor dem Buchladen aus?

Ich habe nach einem Studium der Neueren deutschen Literaturwissenschaft, deutschen Sprachwissenschaft und Politikwissenschaft zunächst als Pressereferentin, dann als Projektmanagerin insgesamt zehn Jahre in einer kommunalen Klinikgruppe gearbeitet. Ich komme also aus einem ganz anderen Arbeitsumfeld und aus dem öffentlichen Dienst. Auf der einen Seite weiß ich also, wie es ist, ein festes Einkommen zu haben, auf der anderen Seite weiß ich gerade deswegen unser kleines, engagiertes und flexibles Team sehr zu schätzen.
Den Bereich Werbung, Pressearbeit und Veranstaltungsmanagement kenne ich also auch aus meinem früheren Leben und irgendwie ist ja auch die Übernahme einer Buchhandlung ein Projekt, das man strukturiert managen muss.

Wie hat Dein Umfeld auf den Ladenkauf reagiert?

Mein Mann war erst einmal geschockt und hat ein wenig gebraucht, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Mein Vater hat eher rational reagiert und gleich angefangen, zu rechnen. Der große Rest hat meinen Mut bewundert und fand es klasse. Das ist auch heute noch so.

Viele meiner Freunde sagen, sie finden es toll, hätten aber selbst nicht den Mut.

Dabei habe ich es nie als besonders mutig empfunden, diesen Schritt zu gehen. Wenn ich nicht an eine Zukunft der Buchhandlung geglaubt hätte, hätte ich sie nicht gekauft!

Was war das Schönste in diesem Jahr, was das Enttäuschendste?

Das Schönste ist, wenn Kunden – neue oder alte – in den Laden kommen und merken, dass er sich verändert hat und das toll finden – sie also meine Handschrift erkennen und gerade deswegen wiederkommen.

Überhaupt ist der direkte Kontakt mit den Kunden das Schönste an meinem Beruf.

Wenn ich jemandem ein Buch empfehle und er kommt einige Wochen später zurück, um mir zu sagen, dass er das Buch genauso toll fand wie ich, dann bin ich einfach glücklich und zufrieden!

Enttäuschend sind eigentlich nur ganz kleine Dinge. Wenn ein Verlag ein Buch nicht rechtzeitig liefert, der Kunde aber natürlich und verständlicherweise sauer auf mich ist und zu a…. geht. Das ist eine kleine Niederlage, die weh tut. Aber das kommt zum Glück sehr selten vor. Ganz im Gegenteil sind viele Kunden begeistert davon, wie viele Bücher wir über Nacht liefern können, dass wir hier eine individuelle Auswahl haben und unsere Kunden auch entsprechend beraten können. Und auch wenn es einmal einen enttäuschten Kunden gibt, bin ich froh, dass wir klein genug sind, um auf jede Beschwerde direkt reagieren zu können. Ganz oft hilft eine ehrliche Entschuldigung und dann findet man auch meistens eine Lösung!

Beschränkst Du Dich auf Bücher oder bietest Du noch andere Produkte an?

Wir haben wirklich zu über 90 Prozent Bücher, Hörbücher, CDs und DVDs. Aber ich versuche auch das Sortiment vorsichtig zu ergänzen. Ich habe selbst ein Faible für schöne Karten und habe daher ein paar besondere Designer ausgesucht, die es nicht überall gibt. Außerdem habe ich ein paar Servietten, Kaffeebecher und Geschenkpapier da. Das ist manchmal eine gute Ergänzung, wenn jemand nicht nur ein Buch schenken möchte. Seit kurzem verkauft die Frau meines Mitarbeiters auch selbstgenähte Leselotten bei uns. Und nicht zu vergessen sind unsere Taschen: Kindergartentaschen und hochwertige Ledertaschen, die in Deutschland handgemacht werden. Das Sortiment spiegelt ganz deutlich meinen persönlichen Geschmack – ich verkaufe hier eigentlich nichts, das mir nicht selbst auch gefällt und das ich nicht persönlich ausgesucht habe.

Ich liebe besondere und individuelle Produkte, die man nicht überall bekommt und ich bin davon überzeugt, dass genau dies die Stärke kleiner Läden ist.

Ich kann natürlich nicht mit der Auswahl der großen Ketten mithalten, aber ich kann eine ganz besondere Vorauswahl treffen und es ist schön, wenn ich damit den Geschmack meiner Kunden treffe.

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Das Schönste in einer Buchhandlung? Das Stöbern!

Gibt es einen unbekannten, oder vielleicht auch unterschätzten Autor, den Du uns empfehlen willst?

Ich musste in diesem Jahr recht viele Krimis lesen – ganz gegen meine Gewohnheiten – da ich beim kriminalistischen Quartett im Rahmen der Fränkischen Krimitage in Weißenburg mitmachen durfte. Bei der Recherche bin ich auf Frank Goldammer gestoßen, dessen Krimi „Der Angstmann“ im September erschienen ist. Abgesehen von der spannenden Krimihandlung war ich ehrlich beeindruckt, wie er die Bombennächte in Dresden beschreibt. Dabei ist „Der Angstmann“ Goldammers erstes Buch! Es hat mir so gut gefallen, dass wir den Autor zu einer Lesung am 8. März nach Gunzenhausen eingeladen haben.

Was waren Deine Top 3 der Bücher 2016?

„Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells
„Die Hochzeit der Chani Kaufman“ von Eve Harris
und „Was ich euch nicht erzählte“ von Celeste Ng

Was hältst Du davon, Bücher zu verschenken? Gibt es da etwas zu beachten?

Ich finde es immer eine gute Idee, Bücher zu verschenken, wenn man den Beschenkten und seinen Geschmack gut kennt! Es ist aber auch gefährlich, denn man kann bei Büchern ja auch wirklich danebenliegen. Ich glaube aber auch hier, wenn man Bücher verschenken will, lohnt sich der Gang in eine unabhängige Buchhandlung! Wir nehmen uns wirklich viel Zeit, herauszufinden, was zu den Beschenkten passen könnte, aber ihm gleichzeitig auch neue Horizonte zu eröffnen.

Ich fand es immer besonders toll, wenn ich ein Buch geschenkt bekam, das ich mir selbst nie ausgesucht hätte, das mir dann aber richtig gut gefallen hat.

Leider bekomme ich jetzt gar keine Bücher mehr geschenkt…

Glaubst Du an die Zukunft des Buches?

Auf jeden Fall!

Ich bin davon überzeugt, dass wir einen Kontrapunkt zu Smartphone, Flatscreen und Computer brauchen.

Schließlich müssen wir uns in unserer Freizeit auch einmal von dem ständigen Arbeiten und Lesen am Bildschirm erholen! Ich freue mich sehr, wenn gerade Kinder und Jugendliche viel lesen und trotz des riesigen Angebotes in den Medien bewusst das altmodische Buch wählen. Ich persönlich kann auch ganz anders abschalten, wenn ich lese. Da versinke ich tatsächlich in einer anderen Welt und kann nicht nebenher noch eine WhatsApp tippen oder ähnliches. Natürlich mache ich mir auch Sorgen, wie es beispielsweise mit der Buchpreisbindung weitergeht, und ob es langfristig kleine unabhängige Buchhandlungen wie meine geben wird. Aber ich hätte die Buchhandlung nicht übernommen, wenn ich nicht die Hoffnung hätte, dass es eine Zukunft für das Buch gibt!

Was hältst Du von e-Readern? Verkaufst du welche?

Theoretisch verkaufe ich hier auch Pocketbooks – also e-Reader. Praktisch ist die Nachfrage aber sehr gering. Ich möchte meinen Kunden zeigen, dass wir auch diesen Service anbieten und dass sie auch ihre Ebooks bei uns kaufen können.
Ich habe selbst seit einigen Monaten ein Pocketbook, das ich mir vor allem zugelegt habe, um es erklären zu können. Auch wenn ich sehr skeptisch war, muss ich zugeben, dass es Vorteile hat. Ich kann mir sehr spontan nachts ein neues Buch herunterladen, wenn mir mein aktuelles nicht gefällt. Ich kann ohne zusätzliches Licht nachts lesen und störe meinen Mann und unsere Tochter so weniger. Aber immer, wenn ich zwischendurch ein Ebook lese, fehlt mir die Haptik eines echten Buches.

Ich liebe es, über das Cover eines Buches zu streichen, immer wieder zu schauen, wie weit ich im Buch bin, das Rascheln der Seiten beim Umblättern und den Geruch eines neuen Buches…

Also für mich ist ein e-Reader definitiv kein Ersatz für ein „richtiges“ Buch, aber es gibt Gelegenheiten, wo es praktisch ist. Und so sagen es mir auch die meisten Kunden, die bereits einen e-Reader getestet haben. Die wenigsten steigen komplett um und verzichten ganz auf gedruckte Bücher. Aber ich habe schon Kunden, die auf eine Flugreise lieber den e-Reader mitnehmen.

Dein bestes Buch aller Zeiten?

Eine sehr schwierige Frage, weil ich viele Lieblingsbücher habe. Aber das für mich persönlichste, berührendste und wichtigste Buch ist „Das Licht zwischen den Meeren“ von M. L. Stedman, das ich allerdings auch nicht uneingeschränkt weiterempfehlen würde, da man sich als Leser auf einige Tränen einstellen muss!

Dein Lieblingsautor?

Aktuell Benedict Wells.

Wer Melena und ihrem Buchladen mal einen Besuch abstatten will, findet sie in der Weißenburger Straße 22 in Gunzenhausen oder virtuell unter www.buchhausschrenk.de – inklusive Online-Shop!

 

Fotos: www.das-foto-ingolstadt.de

4 thoughts on “Melena kauft einen Buchladen

  1. Nadine Hamilton

    Auch wenn ich leider noch keine Gelegenheit hatte, persönlich vorbeizukommen – dafür wohne ich einfach zu weit weg -, freue ich mich immer über Melenas Lesetipps. Bücher sind einfach immer ein Geschenk. Und ohne die kleinen Buchhandlungen geht es einfach nicht. Wer hilft mir denn sonst, die vergrabenen Schätze zu heben?

    1. Ulla

      Da hast Du absolut recht! Vielleicht findest Du ja auch bei uns hin und wieder einen guten Lesetipp und vergrabene Schätze? Wir würden uns freuen.

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