Mitch Albom: Dienstags bei Morrie

Nur wer glücklich lebt, kann glücklich sterben

Buchempfehlung von Olli Schulz

Wenn ich sonntags koche, höre ich dabei den Podcast Fest & Flauschig auf Spotify von und mit Olli Schulz und Jan Böhmermann. Da gibt es ganz hinreißenden Quatsch, gesellschaftskritische Ohrfeigen mit Nachhall, politische Bildung für politisch Gebildete und Ungebildete, Musiktipps aus allen Genre-Schubladen und neulich, da gab es einen Buchtipp. Olli Schulz sprach über das Buch Dienstags bei Morrie: Die Lehre eines Lebens von Mitch Albom und kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Why not?! dachte ich mir, ich bin ja eh immer auf der Suche nach Buchtipps abseits der aktuellen Bestsellerlisten. Wobei, ein Beststeller war das auch.

Die Lehre eines Lebens

In Dienstags bei Morrie erzählt der Autor Mitch Albom eine wahre Geschichte. Nämlich seine wahre Geschichte. Er schreibt darüber, wie er Abschied nimmt von seinem Lieblingsprofessor Morrie Schwartz. 16 Jahre nach seinem Abschluss erfährt Mitch Albom über eine TV-Sendung zufällig, dass Morrie an ALS erkrankt ist und sterben wird. Der erfolgreiche, aber latent unzufriedene Sportjournalist Mitch ist schockiert, meldet sich bei seinem Mentor von einst und besucht ihn schließlich jeden Dienstag, um über die Kernthemen der eigenen Existenz wie Leben, Tod, Familie, Liebe usw. zu sprechen. Während sich das Leben aus dem einen Körper immer mehr zurückzieht, erwacht der Geist eines anderen Menschen spürbar zu neuem Leben.

Der letzte Kurs im Leben meines alten Professors fand einmal in der Woche in seinem Haus statt […]. Im letzten Kurs im Leben meines alten Professors gab es nur einen Studenten. Der Student war ich.“

Love is the answer

Ich habe dieses Buch auf Deutsch gelesen und vielleicht war das ein Fehler. Oft war mir die Geschichte, wie sie erzählt wird, zu triefig, zu platt. Die ganz großen Dinge, um die es hier geht, Leben, Tod und das was dazwischen ist, die Lehre eines Lebens, werden nicht dargestellt als Dinge, die tatsächlich rätselhaft sind. Sie werden vielmehr dargestellt als ganz klare Angelegenheiten. Wenn du liebst, mit dir im Reinen bist und eine Familie gründest, dann kannst du in Frieden glücklich sterben. Das ist die Kernaussage in einem Satz zusammengefasst. Mich hat Dienstags bei Morrie sehr an Der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry oder an Sofies Welt von Jostein Gaarder erinnert. Du siehst nur mit dem Herzen gut, heißt es in Der kleine Prinz und auch nach diesem Satz hätte man einen Punkt machen und das Buch für immer zuschlagen können, denn mehr kam nicht, um mehr ging es nicht.
Morrie und Mitch unterhalten sich z.B. über die Spannung zwischen Gegensätzen. Als Mitch fragt, welche Seite gewinnt, entgegnet Morrie: „,Die Liebe gewinnt. Die Liebe gewinnt immer.’“ Ein anderes Mal erklärt Morrie seinem Schüler was das Wichtigste im Leben ist: „,Das Wichtigste im Leben ist zu lernen, wie man Liebe gibt und wie man sie in sich selbst hereinläßt.’“ Also nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben. Schon mal gehört? In Sofies Welt vielleicht? Oder im kleinen Prinzen? Dass Geld nicht glücklich macht, wird auch besprochen:

Wo immer ich in meinem Leben hinging, traf ich Menschen, die sich etwas Neues kaufen wollten. […] Dies waren Menschen, die so sehr nach Liebe hungerten, daß [sic] sie einen billigen Ersatz akzeptierten. […] Du kannst Liebe oder Sanftheit oder Zärtlichkeit oder ein Gefühl der Kameradschaft nicht durch materielle Dinge ersetzen. […] Geld ist kein Ersatz für Zärtlichkeit, und Macht ist kein Ersatz für Zärtlichkeit.“

Es gibt zahlreiche Sätze wie diese. Es gibt Aphorismen, von denen sicher viele allgemein gültig sind, die einem aber nichts wirklich Neues erzählen oder Altes auf neue Weise erzählen würden.

Das Beste zum Schluss

Dienstags bei Morrie hat auch sehr starke Seiten. „Wenn du lernst, wie man stirbt, dann lernst du, wie man lebt“, wiederholt der Coach gegenüber seinem Spieler – Coach und Spieler, so nennen sich die beiden – immer wieder. Das ist ein Mantra, welches der Sterbende Mitch zum Geschenk macht. Häufig verweist er darauf, dass man den Tod nicht ignorieren und ausblenden soll.

Die Leute verhalten sich, als wäre der Tod ansteckend.“

Was den eigenen Tod anbelangt, rät er seinem Zuhörer: „Laß [sic] nicht zu schnell los, aber krall dich auch nicht zu lange fest.“ Wer tatsächlich noch nie über den Tod, den eigenen oder den von anderen, nachgedacht hat, für den ist dieses Buch äußerst empfehlenswert.
Genauso empfehlenswert ist das Buch für all jene, die sich über ihr Umfeld, ihre Umwelt noch nie Gedanken gemacht haben. Aber die, befürchte ich, werden es nicht lesen.

Aber wenn du umgeben bist von Menschen, die sagen: >Ich will jetzt haben, was mir zusteht, und zwar sofort<, dann endest du mit ein paar Leuten, die alles haben, und einer Armee, die die Armen daran hindert, etwas davon zu stehlen.“

Auch darauf geht Morrie häufig ein. „,Habt Mitgefühl’, flüsterte Morris, ,und übernehmt Verantwortung füreinander. Wenn wir nur diese Lektionen lernten, dann wäre diese Welt ein so viel besserer Ort.“ Auch dieser Rat ist zeitlos. Aber zur heutigen Zeit, da wiegt er eben doppelt und dreifach.

Top oder Flop

Ein Flop ist dieses Buch nicht. Es ist die wahre Geschichte zweier Männer, die sich beigestanden und gegenseitig so positiv beeinflusst haben, wie es nur geht. Das Buch hat erzählerische Schwächen, regt aber stellenweise auf grandiose Art zur Selbstreflexion an. Ob man es nun lesen soll oder gar muss, vermag ich nicht zu sagen. Ich widerspreche bei einigem, wie der Idee, dass nur der, der eine Familie gründet, das wahre Glück finden kann und ich bin zu 1.000 Prozent dabei, wenn es z.B. heißt:

Liebt einander oder geht zugrunde.“

Mitch Albom: Dienstags bei Morrie, 217 S., 10 Euro. Goldmann Verlag, 2002

Über den echten Morrie Schwartz:

Morrie Schwartz: Lessons on Living

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