Nicolas Piroux: Wo ist Nils der Eisbär?

Bärenstarke Kunstwerke

Cover, Titel und Buchform lassen bei Wo ist Nils der Eisbär? auf ein Kinderbuch schließen. Doch beim Durchblättern der Seiten kommt einem schnell der Verdacht, dass es gar keins ist. Tatsächlich handelt es sich bei dem Werk des französischen Grafikdesigners Nicolas Piroux wohl vielmehr um einen Kunstband. Und das finden wir sehr spannend!

François Pompons Eisbär ist ausgebrochen

Die zwischen den Jahren 1923 und 1933 entstandene Stein-Skulptur mit dem Namen Ours blanc (frz. für Eisbär) steht seit vielen Jahren im Musée d’Orsay im 7. Arrondissement in Paris. Der Bär ist 1,60 Meter hoch, 2,50 Meter lang und wiegt über 2000 Kilo. Jetzt hat das Tier seinen Sockel verlassen. Ours blanc hat sich bewegt und Nicolas Piroux hat eine nachvollziehbare Erklärung für die Wanderschaft des Bären:

Ab und zu hat der Eisbär […] einfach keine Lust mehr, immer an derselben Stelle zu stehen, und vor allem wird ihm langweilig! Deshalb streckt er seine Beine aus und wandert in die anderen Kunstwerke des Musée d’Orsay.“

Such den Eisbär

Hier in Jean-Léon Gérômes „Empfang von Gondé in Versailles (Versailles, 1674), 1878“ hat sich Nils auf jeden Fall versteckt! Siehst du ihn gleich?

Das Buch Wo ist Nils der Eisbär bringt viele Kunstwerke des Pariser Museums zusammen. Darunter sind Arbeiten von Claude Monet, Vincent Van Gogh, James Tissot, Pierre Auguste Renoir und vielen mehr. In jedes der Bilder hat der Grafikdesigner Nicolas Piroux den Eisbären von Pompons hineinmarschieren lassen. Er nennt das eigentlich rufnamenlose Tier Nils. Und es ist nicht leicht Nils in den Gemälden und Skulpturen zu finden:

Denn manchmal hat er sich sehr gut versteckt, weil er offensichtlich nicht gefunden werden will. Kaum zu glauben: so ein großes Tier und doch so schüchtern!“

Links in Alfred Sisleys „Schnee in Louveciennes, 1887“ hat man Nils schnell entdeckt. Aber wie sieht es rechts daneben in Claude Monets „Die Elster, 1868-1869“ aus?

Kunst erleben

Die Idee den Eisbären in einige der Bilder des Museums einzuschmuggeln, macht das Buch zu einem künstlerischen Suchspiel. Beim Durchblättern des Buches wird man so dazu angehalten, sich die unterschiedlichen Werke der unterschiedlichen Epochen ganz genau anzuschauen. Da kann es schon auch einmal passieren, dass man sich in einem Bild verliert. Am Ende ist es ganz gleich, ob man Nils nun gefunden hat oder nicht. Das Stöbern mit Blicken in den Werken großer Meister macht einfach Spaß. Und weil das so ist, ist dieser etwas andere Kunstband natürlich dann doch auch irgendwie ein Kinderbuch. Eines der Sorte, das Eltern und Kinder gemeinsam „lesen“ oder eben erleben sollten.

Man kann sich das Bild „Frau mit Sonnenschirm, 1886“ von Claude Monet kaum ohne Nils vorstellen

Am Ende des Buches gibt es übrigens eine Auflösung, die verrät, wo sich der Eisbär Nils in den einzelnen Werken nun genau versteckt hat. Ich habe den Bären nicht immer gefunden. Manchmal habe ich einen gesehen, wo gar keiner war. Hmm…?! Welch besonderes Buch!

Nicolas Piroux: Wo ist Nils der Eisbär, 48 S., 14,99 Euro. Belser Verlag, 2017

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