Sommer auf Sardinien

Süßes Leben, salzige See

Wenn es um das Reisen geht – so habe ich gelesen – gibt es zwei Typen: den Nord-Typ und den Süd-Typ.

Die einen, hieß es da, fühlen sich nur im Norden wirklich wohl – in der Weite, der Einsamkeit, dem kühlen Wind, bei den wilden Wellen, der Melancholie.
Und die anderen brauchen den Süden – seine Sonne, das flirrende Licht, die Schwüle, das pralle, übersprudelnde Leben. Zwar könne ein Nord-Typ auch in den Süden, und ein Süd-Typ genauso in den Norden reisen, aber das Herz bliebe dort nie wirklich hängen.

Wenn ich mich einer Kategorie zuteilen müsste, ich wüsste augenblicklich die Antwort: Norden! Schickt mich in den Norden!

Aber das war, bevor ich den September auf Sardinien verbrachte.

Das Parfüm des Südens

Als ich in Olbia aus dem Flughafengebäude komme, kann ich ihn schon riechen, den Süden: Warm und würzig, nach Sand und Meer und Blumen. Das sanfte goldene Licht verwandelt die steinernen Hügel der Landschaft in ein fast unwirklich romantisches Bild und beschert mir so direkt nach meiner Ankunft eine Fahrt durch das Idyll einer Postkarte. Meine Haare tanzen dazu im frischen Fahrtwind, mein Körper bewegt sich im Rhythmus der Serpentinen. Schon auf der Fahrt zu meiner Unterkunft im Valle dell’ Erica ist klar: Sardinien und ich, das harmoniert.

Wo die Wandelröschen blühen…

Es ist früher Abend, als ich das Resort an der nördlichen Küste der italienischen Insel erreiche. Rotgold geht währenddessen die Sonne über dem Meer und dem in Sichtweite liegenden Korsika unter. Ich Glückliche kann das Spektakel von der Terrasse meines Zimmers aus beobachten.

Mangiare!

Sardisch geht es direkt beim anschließenden Abendessen zu. Das bedeutet viel Fleisch und  – ganz untypisch für eine Meeresregion –  nur wenig Fisch. Woher das kommt? Tamara, gebürtige Sardin und Mitarbeiterin der Delphina-Gruppe, erklärt mir das so: „Früher war die unmittelbare Küste Sardiniens kaum bewohnt. Fischen gingen die Bewohner auch sehr wenig. Grund war die ständige Angst vor Angriffen. Sardinien ist in seiner Geschichte mehrfach erobert worden, darum orientierten die Insulaner sich ins Innere und widmeten sich bevorzugt der Viehzucht.“ Auf einer klassisch sardischen Speisekarte findet man deshalb eher Wildschwein, Huhn oder Lamm, heutzutage aber natürlich auch etwas Fisch und Meeresfrüchte – am besten in Verbindung mit Pasta!

Natürlich bekommt man auf Sardinien Fisch, aber nicht, weil es Tradition ist

Wer hier wagt, gewinnt: Zu den Fischspezialitäten der modernen Küche Sardiniens gehört Seeigel und Bottarga di muggine – in feine Scheiben geschnittener Meeräschenrogen.

Feine Trauben und Tropfen

Aus den Trauben wird einmal der Vermentino di Gallura

Genussvoll geht es auch am nächsten Morgen weiter. Und zwar in Richtung Süden nach Luogosanto, hinein in die Weinberge, ins Herz der Gallura. Das Weingut Siddùra produziert dort seit 2011 seinen preisgekrönten Weißwein Vermentino di Gallura – benannt nach der Region im Norden der Insel. Seinen Charakter erhält der Wein von dem zerbröselten Granitboden, auf dem er wächst, der ausdauernden Sonne und dem salzigen Nordwind, der ihm ein Stück vom Meer mitgibt. Diese besondere Mischung ist weltweit einmalig.

Luca inmitten der Weinberge von Siddùra

Ungewöhnlich ist auch der Anblick der Weinberge: Sie sind flach. Aber auch das, versichert mir Luca Vitaletti, der bei Siddùra für den Weinanbau zuständig ist, sei wieder etwas typisch Sardisches. Er entscheidet auch, wann die Trauben reif für die Ernte sind. Dann beginnt die hohe Kunst der Weinherstellung. Mindestens drei bis vier Monate muss der Wein nach dem Abfüllen ruhen, erst dann hat er die optimale Qualität für unsere Gaumen erreicht. Und dann tritt der vielgerühmte Siddùra-Wein seine Reise in alle Herren Länder an, nicht zuletzt auch nach Deutschland, wo man ihn in ausgesuchten Feinkostläden erwerben kann.

Perfekt zu Wein: würziger Käse und luftgetrocknete Salami

Hier in den Weinbergen von Siddùra – auf die das warme Licht der Sonne fällt und über die der sanfte Meerwind streicht, wo die prächtigen Trauben hängen und mit sardischer Leidenschaft volle Weine hergestellt werden – tut es mir zum allerersten Mal in meinem Leben von ganzem Herzen leid, dass ich Wein nicht mag. Er riecht gut, er sieht wunderschön aus, ich könnte stundenlang über dieses Weingut spazieren und dabei zuhören und zusehen, wie er entsteht, aber schmecken, schmecken tut er mir nicht, nicht einmal hier – und ich habe mich wirklich bemüht! Mi dispiace.

Weg vom Tisch, ab ans Meer!

Azzurro über Santa Teresa di Gallura

Natürlich lassen sich Sommertage auf Sardinien ganz wunderbar ausschließlich mit delikatem Essen und fabelhaftem Wein verbringen – man kann gar nicht genug davon probieren, so vielfältig und immer wieder neu sind sie. Aber dennoch würde man dabei so viel verpassen! La dolce vita – das süße, leichte Lebensgefühl der Insel – und die allumfassende, beinahe zeitlose Ruhe – la tranquillità – spürt man vor allem in den kleinen, beschaulichen Orten auf Sardinien und seiner rauen Natur. Die farbenfrohen Gassen von Santa Teresa di Gallura laden zum Schlendern ein – hier finde ich eine der inseltypischen Korkschalen – später führen sie mich direkt zum Baden an endlose weiße Sandstrände.

It’s magic

Und wenn man sich so gar nicht trennen mag von Wein, Wurst und Gesang: eine Ausnahme MUSS man machen. Und zwar für Capo Testa – die nördlichste Spitze Sardiniens.

Tiefblau sind Himmel und Meer, grau und schroff die Granitfelsen am Capo Testa

Da stürmt die See, da türmen sich die durch Wind und Wellen bizarr geformten Granitfelsen vor uns auf und erzählen ihre abertausendjährige Geschichte. Kein Wunder, dass viele Sarden das Kap als mystischen, magischen Ort betrachten. In den 60er und 70er Jahren tummelten sich rund um die Nordküste viele Hippies.

Am Capo d’Orso – der eindrucksvolle Bärenfelsen

Laut Tamara leben einige immer noch hier, manche leben angeblich bis heute in den Höhlen der wilden Kraterlandschaften im Landesinneren, die ihren Spitznamen „Moon Valley“ zurecht tragen – sie erinnern an die Gesteinsbrocken auf dem Mond (nicht, dass ich schon mal da gewesen wäre).

 

Ein Korb voll Pasta

Chicca und ihr traditioneller Pasta-Korb

Meine Reise beende ich, wie ich sie begonnen habe: mit Pasta! Im Resort Valle dell’ Erica nehme ich am Pasta-Kochkurs von Küchenchefin Chicca teil. Im Restaurant Li Ciusoni zeigt sie, wie sie nach der traditionellen Technik ihrer Großmutter in einem speziell geflochtenen Korb die gleichnamigen Nudeln formt. Nur wenige beherrschen heute noch diese Kunst. Auch die Tradition des Korbflechtens ist beinahe ausgestorben. Eine Handvoll Handwerker flechten heute noch die Pasta-Körbe. Ein schlichter Korb kostet dabei gerne einmal mehr als 100 Euro. Chiccas Korb ist ein Erbstück und über 60 Jahre alt. Sie hütet und pflegt ihn wie einen Schatz. Spätestens wenn man ihre Pasta einmal gekostet hat, hofft man, dass die Tradition noch lange weiterlebt. Was wäre Sardinien, was wäre Italien, was wäre die Welt und was wäre das Leben ohne handgemachte Pasta? Eben! Sehr, sehr traurig.

Darum: Bleib’ wie Du bist, bella Sardegna, ich komme wieder zu Dir zurück. Promesso!

Hotel-Tipp

Resort Valle Dell’ Erica

An der Nordküste Sardiniens liegen die Sterne-Resorts der Delphina-Gruppe. Eines davon ist das Fünf Sterne-Resort Valle dell’Erica, das ganz aus natürlichen Materialien in den Hügeln der Gallura errichtet wurde. Maximal 200 Meter sind die exklusiven Zimmer vom Meer entfernt. Zehn Restaurants und Bars, mehrere Privatstrände am 1,4 km langen Küstenstreifen sowie ein Thalasso- und Spa-Center sorgen für Entspannung und Abwechslung. Ein Ausflug zum Archipel La Maddalena, nach Korsika oder in die Gallura zeigt die natürliche Schönheit Sardiniens und der Umgebung. Hier herrscht dolce vita pur! Wer es etwas beschaulicher und familiärer mag, zieht ins Resort Capo d’Orso ein.

DELPHINA Hotels & Resorts,Tel. 00 39- (0)7 89-79 03 26, www.delphinahotels.de

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