Splish Splash! Freibad ja? Freibad nein?

Splish Splash Schwimmbadstress

Jan-Cedrick, vielleicht drei Jahre alt, haut Mark-Ole, vielleicht zwei Jahre alt, mit der Sandschaufel so lange auf den Kopf, bis Mark-Ole schreit. Und zwar schrill, durchdringend und lang anhaltend. Nicht weit daneben bauen acht braungebrannte Jugendliche ihr Soundsystem auf, beschallen die Wiese mit Liedern über deine Mutter und spielen dann großflächig Fussball. Als Torpfosten dienen jeweils vier Handtuchplätze nichts ahnender Erholungssüchtiger, darunter ein verliebtes Pärchen, das von all dem nichts mitbekommt, weil es beinahe Sex hat. Auf dem Weg zum Kiosk, ich korrigiere: Auf dem Weg zur Kioskschlange, hinter der sich irgendwo der Kiosk verbergen soll, weicht man unzähligen, am Beckenrand vor und zurück treibenden Pflastern aus. In der Schlange angekommen, führt man ein Tänzchen auf, weil der Asphalt so heiß ist, dass die Haut auf den Fusssohlen sofort Blasen wirft. Von dem einen Bein aufs andere Bein-Gehopse kommt der Speck ordentlich in Wallung. In der Zwischenzeit werden alle sich im Babybecken befindlichen Personen vom Bademeister via Sprechanlage aufgefordert, das Becken wegen ungeplanter Reinigungsarbeiten zu verlassen. Der erste Gedanke, der einem durch den überhitzen Kopf knallt: Die unerbittliche Rache des Mark-Ole an seinem Widersacher, dem brutalen Jan-Cedrick?
Ungefähr so muss die Anti-Vorstellung in den Köpfen all derer sein, die immer völlig entsetzt sind, wenn ich deshalb nicht zu erreichen bin, weil ich mich im Freibad aufhalte. „Was? Du gehst ins Freibad? Bei der Hitze? Bei dem Gedränge? Bei dem Lärm?“ „Ja! Du etwa nicht?“ lautet meine als Gegenfrage formulierte Antwort, denn ich liebe den Freibadgang. Warum? Darum:

Vor Heikes home base, dem Schyrenbad in Giesing

Splish Splash Schwimmbadspaß

Ein XXL-Tasche über der Schulter, darin eine Decke, ein Handtuch und Sonnencreme. Außerdem Lektüre, gerne was dickes. Und eine Kühlbox. In der Kühlbox Wasser, Cola, Bier. Schon der Weg zum Freibad macht mich froh. Ich kenne den Weg zum Freibad um die Ecke – natürlich – aber würde ich ihn nicht kennen, müsste ich nur dem lauter werdenden Stimmengewirr folgen. Mit der immer gut aufgeladenen Bäderkarte kann man die erste Schlange, nämlich die an der Kasse, schon mal links liegen lassen und sich durchs Drehkreuz schwingen. Schnurgerade gehts zum Stammplatz: Sonne prall, mit später folgendem Schattenversprechen. Alles aufgebaut gehts auch gleich ins kühle Nass. BAM! Rein “gesprungen“ oder so ähnlich. Aber ich bin hier nicht zum Schwimmen, ich bin hier, um zu sein. Also gehts auch schnell wieder auf den Wiesenplatz. Hier wird gelesen, auf dem Rücken, auf dem Bauch. Manchmal bleibt man alleine, manchmal werden nach und nach Handtücher angebaut, weil die anderen Schwimmbadsüchtigen, die man so kennt, vorbeikommen. Den „Was? Du gehst ins Freibad?“-Teil des Freundeskreises bekomme ich jetzt länger nicht zu sehen. Zumindest nicht regelmäßig. Wenn das Rumliegen zu anstrengend wird, gehts zum Kiosk. Schuhe an. Nur so als Tipp. Yes, Sie sprechen mit einem Pro. In der Schlange kann man seine Umgebung belauschen. Kinder halten krampfhaft Kleingeld in der Faust fest und besprechen untereinander, was genau jetzt gekauft wird. Vier weiße Mäuse und vom Restgeld Schlangen. Die mit Sauer oder doch lieber die ohne Sauer? Ohne nehmen nur die Langweiler. Das war so und das isso und so wie’s aussieht bleibt’s so. Manche Dinge ändern sich einfach nie. Wie die Schwimmbadbegeisterung von Kindern und Jugendlichen. Und mir. Mit Pommes und Kaltgetränk wird dann am Platz gesnackt. Freibadpommes sind ja zum Glück immer gut. Auch wenn sie schlecht sind. Es sind Freibadpommes! „Was? Du isst diese fettigen, lapprigen Freibadpommes?“. „Ja! Du etwa nicht?“
Wenn man sich jetzt umschaut, auf seiner Decke, neben seinem Buch und den Magazinen, mit den Pommes und dem kühlen Getränk, dann merkt man, dass man von dort aus nur glückliche Menschen sieht. Glückliche spielende Kleinkinder. Glückliche flirtende Teenager. Glückliche schlafende, lesende, essende, knutschende, rumliegende Menschen. Alle haben sie nichts zu tun. Alle kümmern sie sich um sich selbst. Und wenn über Lautsprecher angesagt wird, dass das Planschbecken evakuiert werden muss, dann amüsiert das die einen und die anderen, die packen ihre Kinder in Luftpolster und wechseln kurz das Becken. Alles kein Ding. Alles kein Problem. Denn alles ist gut, wenn du im Freibad bist.

Splish! Splash! Deine Mudda!“

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Fotocredit: (Bild mit Rosen) Albert Dera/unsplash

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