Streitgespräch #3: Märchen

Wir müssen über Märchen reden

Es war einmal…

Koepfe_rund_H…ein Sprecher namens Hans Paetsch und der hat mit seiner tiefen Stimme den Sound meiner Kindheit geprägt. Auf dem Teppich von der Oma mit der Cousine vor dem Kassettenrekorder liegend habe ich stundenlang zugehört wie mir Hans Paetsch „Aschenputtel“, „Dornröschen“, „Rapunzel“, „Schneewittchen“, „Der gestiefelte Kater“, „Schneeweißchen und Rosenrot“ und all die anderen Märchen erzählt hat. Daran erinnere ich mich sehr gerne zurück. Heute suche ich Hans Paetschs Stimme manchmal auf YouTube und höre, was ich kriegen kann. I love it!

Koepfe_rund_U…ein Mädchen namens Ulla und die hatte ebenfalls einen Kassettenrekorder und dazu eine Märchenkassette. Vor der lag ich gemeinsam mit meiner Schwester. Allerdings erinnere ich mich daran nicht so gerne zurück. Schuld ist nicht meine Schwester, sondern diese Kassette. Auf der wurden Märchen von Hans Christian Andersen erzählt. Auf Seite A „Die Prinzessin auf der Erbse“, auf Seite B „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Wenn ich Seite A schon nicht berauschend fand, hat mir Seite B echt den Rest gegeben. Das Mädchen stirbt, erfriert. HALLO! Ich glaube, das ist die schlimmste Erzählung, die ich je zu Ohren gekriegt hab. So schlimm, dass diese Seite B meine gesamte Kindheit über ein rotes Tuch für mich war. Ich hatte Angst vor Seite B und auf Märchen im Allgemeinen keine Lust mehr. Bis heute. I hate it!

Gut besiegt Böse

Koepfe_rund_HMärchen wird oft mal vorgeworfen, sie seien
a) zu brutal auf dem Weg zum Sieg des Guten und
b) von einem zu krassen und v.a. auch zu unemanzipatorischen Schwarz-Weiß-Denken geprägt.
Was soll ich dazu sagen?
A) Ich habe mich immer darauf verlassen, dass das Gute am Ende gewinnt.
B) Ganz kleine Kinderohren sind für komplexe Zusammenhänge vielleicht nicht so gut geformt. Mit Schwarz-Weiß kommt man da sicher weiter. Und Alice Schwarzer gab es noch nicht, als die Gebrüder Grimm notierten, was ihnen in so manchem Hexenhäuschen erzählt wurde. So ein Mist aber auch. Oder großes Glück.

Koepfe_rund_UGlück ist nun wirklich kein Wort, das mir in Verbindung mit den Grimmschen Märchen in den Sinn kommt. Lassen wir mal Alice Schwarzer Alice Schwarzer sein. Geschenkt. War halt eine andere Zeit. Aber nicht die gute alte, das möchte ich schon betonen. Trotzdem geht mir dieses Schwarz-Weiß-Ding sagenhaft auf die Nerven. Gut gegen Böse? Das gibt’s einfach nicht. Niemand ist nur gut, niemand nur böse. Und das – finde ich – kann man auch kleinen Kindern schon vermitteln. Muss man sogar! Gerade heutzutage, wo das Schwarz-Weiß-Malen sich ja wieder großer Beliebtheit erfreut. Einen kräftigen Klecks Grau empfände ich da als sehr wohltuend. Das muss auch nicht gleich komplex und kompliziert werden. Aber zu erklären, warum jemand böse Dinge tut, und dass es da auch andere Wege gibt, fände ich schon schön. Passiert aber in den Märchen, die ich kenne, leider nicht. Großes Pech.

Lieblingsmärchen

Koepfe_rund_HRucke di guh, rucke di guh, Blut ist im Schuh, der Schuh ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim. Mein absolutes Lieblingsmärchen ist Aschenputtel. Dass sich die behämmerten Stiefschwestern am Ende mit einer Axt ihre Fersen abhacken, um in den Schuh zu passen, mit dessen Hilfe der Prinz seine Liebste finden will, ist zugegen schon recht brutal. Es sind aber die bösen Mädchen, die sich hier für nichts zu schade sind und wegen der Kuppelversuche ihrer herrschsüchtigen Mutter jedes Denken abschalten und sich irreführen lassen. Aschenputtel hingegen muss nichts weiter tun als sich treu zu bleiben, um zu bekommen, was sie sich wünscht und was sie verdient. Glück. Liebe. Zwei intakte Fersen. Einen nicht blutverschmierten Schuh. Sei gut und dir wird Gutes widerfahren. Für mich ist das Botschaft genug. Und jaja, nicht jeder, der gut ist, bekommt seinen Prinzen. Und auch guten Menschen kann Schlimmes widerfahren und und und. Jaja, dann klammer dich an diese Botschaft: Sei nicht dumm! Denke, bevor du etwas tust oder nicht tust. Greif einfach niemals zur Axt!

Koepfe_rund_UÄhm. Ja. Hust. Räusper. Krächz. Ich muss nachdenken. Und nachdenken. Und nachdenken. Heike, wie lange hab ich Zeit? Und ist Star Wars nicht auch ein Märchen? Oder Harry Potter?
Ok, ich verstehe schon. Ich soll eines von diesen alten Dingern da nennen. Alsoooooo, nach reiflicher Überlegung und so leid es mir tut, ich muss Dir zustimmen: Aschenputtel ist schon ziemlich gut. Und ja: Ich gucke auch alle Jahre wieder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im Fernsehen. Meistens nicht nur einmal. Ich habe nämlich ziemlich viel übrig für Happy Ends. Und im Grunde meines Herzens bin ich auch Romantikerin. Und wenn dann die Musik so schön dahinklimpert und die beiden glücklich durch den Schnee reiten und…. Sorry, ich war kurz im Märchenland! Aber dass am Ende das große Glück den Außenseitern, den Kämpfern, den Unerwarteten gebührt, da bin ich sowas von dabei!

Aber mir fällt noch ein anderes ein: Dornröschen. Das ist so schön mystisch. Die 13 Feen, die Spindel, das Turmzimmer, das von einer Dornenhecke umrankte Schloss, das hat es mir angetan. Verschlafe nicht Dein Leben! Das ist für mich hier die essentielle Botschaft. Lass Dich wachküssen: meinetwegen vom ein oder anderen Prinzen, aber doch viel lieber noch von der Muße, von Ideen, Deinen Träumen, vom Leben. Wach auf! Sei lebendig!

Hassmärchen

Koepfe_rund_HDer gestiefelte Kater. Ein Kater mit Stiefeln, Säbel und Hut, der zudem spricht? Das fand ich als Kind total unrealistisch, wohingegen ich die Märchen mit Menschen natürlich alle voll realistisch fand und das auch dann, wenn die Menschen Hexen oder Feen waren. Ich glaube, ich mochte es auch nicht, wenn die Hauptfigur männlich war. Dafür schlug wohl zu viel Prinzessinnenblut in meinen unemanzipierten Kinderadern.

Koepfe_rund_UHeute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol’ ich der Königin ihr Kind: schlimm, schlimmer, Rumpelstilzchen! Ich hasse es aus tiefstem Herzen. Ich mag keine Monster. Und das Rumpelstilzchen ist für mich eins. Und dann taucht es immer so unerwartet auf. Zack, plötzlich steht es wieder da und fordert das Kind. Und die Königin ist einfach nur komplett bescheuert, weil sie sich auf einen so dämlichen Handel einlässt. Wie kann man sich überhaupt auf einen Handel einlassen, bei dem das eigene Kind die Tauschware darstellt? Als „gute Figur“ in einem Märchen ziemt sich das nicht. Dumme Nuss. Irgendwie steht die dem Rumpelstilzchen in nichts nach. Das ist mir für einen Bösewicht auch viel zu leichtsinnig. Wie kann man denn ständig ums Feuer hüpfend seinen eigenen Namen aufsagen? Klar, die Königin ist saudumm, aber hören und sehen kann sie eben doch. Ich sage nein, nein und nochmals nein zu diesem absolut sinnlosen Märchen.

Kindheitstrauma

Koepfe_rund_HIch habe zwei an Märchen geknüpfte Kindheitstraumata.
1. Ich hatte, als ich wirklich noch sehr, sehr klein war, eine Bettwäsche auf deren Kissen folgende Szene gezeigt wurde: Der böse Wolf liegt in Nachthemd und Nachthaube der zuvor verspeisten Großmutter in deren Bett. Davor steht das süße Rotkäppchen mit dem Körbchen im Arm. Im Minutentakt musste ich damals das Licht wieder anmachen, um nachzusehen, ob das Rotkäppchen noch da war oder schon verspeist wurde. Ich denke, ich schlief irgendwann aus Erschöpfung ein.
2. Im Kindergarten wurde man nicht gefragt, ob man bei den Theaterstücken für den Seniorennachmittag mitmachen möchte. Nein, man wurde auserwählt und zu Textproben in Nebenräume entführt. So weit, so schlimm. Aber was noch schlimmer ist, ist die Tatsache, dass ich bei Frau Holle als PECHMARIE auserwählt wurde, obwohl ich natürlich viel lieber die GOLDMARIE gewesen wäre. Hierzu muss ich erklären, dass ich ein äußerst braves Kind war und die Pechmarie war ja eher ätzend, böse, faul und dumm. Aber ich hatte dunkle Haare und so war der Drops für die Erzieherinnen gelutscht. Die Goldmarie hatte goldblondes Haar. Mist! Im Krippenspiel beim Seniorennachmittag im Folgejahr spielte ich ein Schaf ohne Text. Ich glaube, ich war eine sehr schlechte Pechmarie.

Koepfe_rund_UHeike, auch mich verfolgen zwei unterschiedliche Kindheitstraumata (ein tolles Wort) in Bezug auf Märchen. Beide haben mit bereits von mir genannten Geschichten zu tun.
1. Diese schreckliche Kassette vom Mädchen mit den Schwefelhölzern. Ich könnte heute noch heulen, wenn ich an das arme erfrierende Mädchen denke. Das hat mich ganze Nachmittage lang in kindliche Depressionen gestürzt. Selbst heute würde ich diese Kassette unter keinen Umständen anhören wollen. Weg damit!
2. Da wären wir wieder beim Rumpelstilzchen. Meine Oma hatte ein Märchenbuch mit Zeichnungen drin. Und es gab ein Bild, auf dem man das Rumpelstilzchen ums Feuer tanzen sah. Frage nicht! Ich wusste genau, auf welcher Seite sich das Bild befand und habe sie IMMER überblättert, weil es mich so gegruselt hat. Märchen sind einfach scheiße. Was soll daran gut für Kinder sein? Wenn sie Angst machen statt sie zu nehmen?

Disney

Koepfe_rund_HJa! Ja! Ja! „Rapunzel – Neu verföhnt“ ist eine ziemlich geile Adaption des Klassikers. Der Prinz sieht aus wie Ken von Barbie und Ken (ein leises Sorry an die Emanzen unter den Lesern – äh, Leserinnen) und heißt Eugene und ein sprechendes Chamäleon gibt’s auch. Herrlich. Auch die neuen Sachen wie „Die Eiskönigin“ mag ich sehr. Und da treten dann auch die Frauenfiguren emanzipatorischer auf. Was mir egal wäre. Is ja eh nur`n Märchen.

Koepfe_rund_UAuch das noch! Disney! Lasst mich mit diesem Schmarrn in Ruhe!
Auf die Gefahr hin hier als die totale Miesmacherin und Spielverderberin dazustehen, ich muss es einfach sagen: Ich hasse nicht nur Märchen, ich hasse auch Zeichentrickfilme. Und neuerdings eben auch Animationsfilme. Tiere können nicht sprechen, Haare wehen nicht unisono im Wind, Münder und Augen sind nicht so groß wie der gesamte restliche Körper zusammengenommen und ich interessiere mich auch nicht für Frauen und Männer, die aussehen wie dauergrinsende Roboter nach 10 Monaten Botox-Behandlung. Ich möchte das nicht. Ende der Durchsage.
P.S.: Witzig geht irgendwie auch anders. In my opinion.
P.P.S.: Bitte nicht singen, weg mit diesen Weichspül-Popsongs! Pfui, aus! Wenn ich bloß an den Refrain von „The Beauty and the Beast“ denke, wird mir ungefähr so schlecht wie nach 2 Kilo Zuckerwatte. Wo geht’s zur nächsten Toilette?

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…

Koepfe_rund_HIn meinen frühesten Kindheitserinnerungen tauchen v.a. meine Oma, meine Cousine und Märchen auf. Oft gab`s diesen Dreiklang in Einklang. Ich kann mir eine Kindheit ohne Märchen auch gar nicht vorstellen. Zu brutal. Furchtbare Rollenverteilung. Immer gewinnt das Gute. Das sind drei Kritikpunkte, die ich schon verstehe, die ich aber als irrelevant erachte. Ich habe Märchen komplett positiv abgespeichert. Als etwas, das mir meine Zeit vertrieben hat, im allerbesten Sinn. Märchen regen die Fantasie an, animieren zum Träumen und Spielen. Dass das Leben anders läuft und dass man es als Frau oft schwerer hat, das erfährt man früh genug. Und wenn man den Job, auf den man sich beworben hat, nur nicht bekommt, weil sich auch ein Prinz beworben hat, dann heißt das nicht, dass man sich im Turm einsperrt und seine Zeit damit verbringt, sich die Haare zu kämmen. Nein, wir bewerben uns weiter auf den nächsten Job. Und auf den nächsten. Und auf den nächsten. Und wenn wir nicht gestorben sind, dann kämpfen wir uns immer noch durch. Durch die ach so schlimme Männerwelt. Wir armen, kleinen, dümmlichen, zarten, hübschen, leisen Frauen. The End.

Koepfe_rund_UHeike, Du hast recht. Märchen sollen die Fantasie anregen, zum Träumen und Spielen einladen. Tun sie aber leider nicht. Also, bei mir nicht. Schön für Dich und alle anderen, die da bessere Erfahrungen machen oder machten. Mir geht’s dabei gar nicht um das Brutale. Viele Geschichten sind brutal, übertrieben, zugespitzt. Darum sind es ja Geschichten. Geht schon in Ordnung. Auch das mit der Rollenverteilung ist zwar Mist, aber so dachten die alten Herren nun mal leider früher. Ein paar Verblendete sollen ja immer noch durch deutsche Straßen irren, habe ich gehört. Das Gute gewinnt immer, sagst Du. Stimmt schon oft. Aber, und das ist jetzt mein großes ABER: Warum kommen die Guten denn immer gar so dröge, schicksalsergeben, dümmlich und treudoof daher? Und warum kommen die Bösen immer gar so dunkel, düster, hässlich und irre daher? Das nervt mich! In der Uni habe ich gelernt, dass jedes Märchen sich einer bestimmten Formel mit diversen Bausteinen bedient. Da gibt’s zum Beispiel die schöne Jungfrau, den edlen Prinzen, die böse Stiefmutter und und und. Das soll Kindern helfen, so mächtige Kategorien wie Gut und Böse zu verstehen.
Tut mir leid, aber das hat mir echt nicht geholfen. Ich hatte Angst, ich war traurig, ich hab mich geärgert und gefragt, warum die Guten dabei immer so dumm und die Bösen eigentlich viel klüger sind. Vielleicht sind die Guten ja gar nicht immer so uneigennützig, vielleicht wurden die Bösen schlecht behandelt und lassen sich das nicht länger gefallen? Ich wäre dankbar für ein paar Nuancen, liebe Märchenschreiber, und ein paar mehr Hintergrundinformationen. Darth Vader war ja auch mal Anakin Skywalker und hat eine weiche Seite. Aber jetzt bin ich schon wieder bei Star Wars. Ein gutes Märchen, finde ich. Motto: Grau ist geil!

3 thoughts on “Streitgespräch #3: Märchen

  1. Peter

    Hallo Ihr beiden,
    ich stimme euch in vielen Dingen zu, was Märchen betrifft. Ein Aspekt darf aber nicht vergessen werden: der Blickwinkel, mit dem man Märchen liest, ist auch wichtig. Märchen vermitteln auch Mut. Mut auf die innere Stimme zu hören, seiner Intuition zu folgen. Märchen lehren uns auch, dass das Schicksal es gut mit denen meint, die ihren eigenen Weg gehen, die sich was trauen, auch mal was riskieren.
    Ob sie Aschenputtel heißen oder Goldmarie – all diese Mädchen sind unglaublich emanzipiert. Fällt die Spindel in den Brunnen, dann hüpft das Mädchen in „Frau Holle“ hinterher, ins kalte Wasser, und landet in einer schönen Welt, die ihr alle Möglichkeiten bietet, glücklich zu werden. Wenn die böse Stiefmutter samt Stiefschwestern Aschenputtel das Leben schwer macht und ihr nicht erlaubt, auf den Ball des Prinzen zu gehen, dann geht sie eben allein. Wer Märchen so liest, dem wird bewusst, wie viel Mut diese Geschichten in den vergangenen Jahrhunderten gerade weiblichen Lesern gemacht haben müssen. Nicht zu vergessen „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Die braven Geißlein folgten der Mutter und wer hats zum Guten gewendet? Das jüngste unartige Geißlein, das nicht folgte, sich im Uhrenkasten versteckte und die Geschichte dann zum Guten wendete. Verewigt auch im Gedicht „Lob des Ungehorsams“ von Franz Fühmann.

  2. Motte

    Tja, Grausamkeiten wie Kannibalismus und Kindesaussetzung mit der Absicht,die Kinder mögen sterben,um selber mehr zu essen zu haben zeigt von einer Welt,die der heutigen in nichts nachsteht.
    Bei Hänsel und Gretel kommt genau das vor,was man selbst in unserer „modernen und aufgeklärten“ ,nicht zu vergessen auch “ reichen“ Welt immer wieder in der Zeitung liest.
    Schwarz/weiß Denken ist da schon erstmal meine erste Reaktion, möchte ich doch die Täter weidlich in der Hölle schmoren sehen. Doch just nach diesem heissen ersten Impuls,( der nebenbei gesagt aus Tiefen aufsteigt,die sicher der Unterwelt näher stehen,als dem Paradiese) gerät eben jenes oben erwähnte Schwarz/weiß Denken gehörig ins Wanken, betrachtet man das sogenannte “ Happy end“ des Märchens und stellt es unter Anklage des Emanzipationsgerichtes, sollte es etwas derartiges geben.
    Da wird der Vater letztlich wieder rührselig mit seinen Kindern vereint,während die böse Stiefmutter in der Zwischenzeit das Zeitliche gesegnet hat und lebt nun plötzlich glücklich und zufrieden mit Hänsel und Gretel zusammen, nicht aber ohne Nutznießer der mitgebrachten Schätze der im Ofen verbrannten Hexe zu werden.

    Als ob die vorangegangene Aussetzung der Kinder allein auf dem Mist der Mutter gewachsen wäre und er mit dieser Entscheidung nichts,aber auch gar nichts zu tun gehabt hätte.
    Die versöhnliche Gesinnung der Kinder ihm gegenüber kann vermutlich mit einer traumatischen Amnesie erklärt werden. Nicht aber das Verhalten des Vaters, sich in persona rein und frei von Schuld zu präsentieren und von den Brüdern Grimm auch noch genau SO dargestellt zu werden.
    Diese Art von Manipulation von Kindergehirnen in frühester Prägung ist ein Schlag ins Gesicht gerade JENER Moral, die von Märchen im Allgemeinen propagiert
    um für sich in alleinigen Anspruch genommen zu werden.
    Im Grunde wird da nichts weiter bedient, als Rollenverteilung.
    Im klassischen Sinne, zwischen Mann und Frau,
    sowie im sozialen Sinne,zwischen arm und reich und
    ( am perfidesten) zwischen Möglichkeiten, die Dinge durch eigene Kraft für zu können,
    oder eben nicht. ( Schuster bleib bei deinen Leisten) fällt mir dazu ein.

    Diese ganze Märchenwelt ist mir zutiefst suspekt,von Kindheit an mit Ängsten besetzt und deshalb etwas,was nicht (mehr) zu meinem Leben gehört und m.E. schon gar nicht in das von Kindern.
    Deshalb schliesse ich mich für meine Person der „I hate it“ Fraktion an.
    Aber das ist wie alles im Leben eine persönliche Betrachtungsweise der Dinge und somit
    RELATIV.

  3. Motte

    Oh,im Eifer des Echtes haben sich einige Fehler in meinem Kommentar eingeschlichen.
    Unter anderem muss es natürlich heissen :“ zwischen Möglichkeiten,die Dinge durch eigene Kraft ändern zu können,oder eben nicht.,“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.