The Crown auf Netflix

Ein Herz und eine Krone

Als Beilage zum Chutney der Queen habe ich euch ja neulich schon die neue Netflix-Serie The Crown empfohlen. Jetzt will ich diese Empfehlung mal vertiefen – denn die Serie ist einfach viel zu gut, um sie unkommentiert zu lassen.

Wir befinden uns Ende der 40er Jahre. Im Herzen von London. Im Herzen des Buckingham Palace. Da steht zwei Herzen gerade der schönste Tag ihres Lebens bevor. Kronprinzessin Elizabeth will den schneidigen Philip Mountbatten heiraten. Und zwar unbedingt. Für sie legt er seinen deutschen Namen ab. So kurz nach dem 2. Weltkrieg ein absolutes No-Go. Vom Herrn Battenberg wird er zu Mister Mountbatten. Nicht so einfach für den charakterstarken Mann. Aber er will sie eben auch unbedingt. Was tut man nicht alles für die Liebe!

Elizabeth und Philip heiraten (Foto: Alex Bailey/Netflix)

Gut, dass hier fabelhafte Schauspieler am Werk sind – Claire Foy spielt Elizabeth, der ehemalige Doctor Who Matt Smith spielt Philip – sonst würde es bereits zu Serienbeginn ins Land der Seifenoper abdriften, zu Königen, Prinzen und Prinzessinnen. Zu Schlössern, Juwelen und großen Roben. Aber darum geht’s hier gar nicht. Nicht wirklich.

Auf Malta – bevor Lilibet zur Queen wird (Foto: Alex Bailey/Netflix)

Aus Lilibet wird die Queen

Darum heißt ja die Serie auch nicht „The Young Queen“ oder „Zwei Herzen im Schatten der Krone“, sondern schlicht und einfach The Crown. Weil es eben um so viel mehr geht. Nämlich um die Krone. Um die Krone des Vereinigten Königreichs von Großbritannien. Und um zwei ehrenwerte Häuser: Buckingham Palace und 10 Downing Street. Was es bedeutet, die Last dieser Krone jeden Tag, jede Nacht, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde zu spüren. Was es bedeutet, wenn ein ganzes Land, ja, die ganze Welt jeden Deiner Schritte verfolgt. Was es für Dich als Mensch, als Frau, als Ehefrau, Mutter, Schwester, Tochter, Nichte bedeutet.

Ein bisschen Ruhe gibt’s in Schottland (Foto: Alex Bailey/Netflix)

Genau. Das ist nämlich nur selten schön und glamourös. Das ist ein Knochenjob, der dich körperlich und seelisch an Deine Grenzen treibt.

Und darum geht es. Die Serie verfolgt die Entwicklung von der jungen Ehefrau zur Queen mit. Aus der leicht naiven, schüchternen, unerfahrenen, aber auch neugierigen, lustigen und lebensfrohen Lilibet wird die Queen. Eine Instanz. Dafür muss sie einen Teil ihres Menschseins abgeben, wie es in der Serie mehrmals heißt.

Von der Frau zur Queen (Foto: Alex Bailey(Netflix)

Claire Foy zeigt meisterhaft, wie viel Kraft das Elizabeth kostet. Ganz leise und langsam, aber spürbar geht die Verwandlung vonstatten. Das macht sie reifer, aber sie zahlt auch einen hohen Preis. Darunter leiden ihre Ehe, ihre Kinder und ganz besonders auch ihre Schwester Margaret. Ihr gegenüber muss Elizabeth mehrfach ein Versprechen brechen, das sie nur zu gerne einlösen würde. Und wofür? Für die Krone.

Ein Leben ohne Krone

Als Kontrastfigur zu Elizabeth sehen wir ihren Onkel David, den Duke of Windsor, den ehemaligen King Edward VIII. – perfekt widersprüchlich dargestellt von Alex Jennings. Für seine Liebe zur geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson dankte er ab und ging ins Exil nach Frankreich. Er lebt ein Leben als freier Mann, in einem Haus an der Cote d’Azur, gibt rauschende Parties. Aber glücklich ist er nicht. Er ist ein gebrochener Mann. Es gibt eine Szene in der Serie, die zu Tränen rührt, ohne kitschig zu sein. Da steht er spätabends im Kilt auf den Stufen seines Hauses und spielt Dudelsack und weint. Um all das, was er aufgegeben hat. Wahrscheinlich um sein Leben. Man kann eben nicht mit und nicht ohne sie, die Krone.

Alex Jennings als Ex-König Edward (Foto: Alex Bailey/Netflix)

So wie Edward will Elizabeth nicht sein. Nicht schwach, nicht egoistisch, nicht sentimental. Sie will es anders, will es besser machen. Und darum zahlt sie auch wissentlich den Preis. Und sie arbeitet an sich. Lässt sich Unterricht geben. Schließlich wurde sie nicht auf das Leben als Königin vorbereitet als Tochter eines Zweitgeborenen. Und lässt sich beraten von ihrem väterlichen Freund Winston Churchill. John Lithgow spielt Winston Churchill. Sagenhaft gut. Viele kennen ihn als Vater von Barney Stinson aus How I Met Your Mother. Eine gewagte Besetzung: ein amerikanischer Schauspieler, noch dazu bekannt aus Comedy-Rollen, als einer der größten Briten überhaupt.

Winston Churchill und seine Queen (Foto: Alex Bailey/Netflix)

Trotz allem ist ihr Onkel Edward vielleicht der einzige Mensch, der Elizabeth wirklich versteht. Weil er der einzig Lebende ist, der diese Krone getragen hat. Das ist tröstend und traurig.

Prince Philip – immer einen Schritt dahinter (Foto: Alex Bailey/Netflix)

Traurig und wütend macht diese Krone vor allem Prince Philip. Seine Frau verwandelt sich vor seinen Augen zunehmend in eine Statue. Er hat eigentlich keine Aufgabe. Er muss immer einen Schritt hinter seiner Frau gehen. Nicht leicht für einen feinfühligen Macho wie ihn, weder etwas zu sagen noch etwas zu tun zu haben.

Majestätisch echt

The Crown lebt von seinen Darstellern. Sie machen diese Royals zu Menschen. Das fühlt sich so echt an, dass man in jedem Moment der Serie glaubt: So war das also. Das hat etwas Dokumentarisches und bietet einen Blick hinter die Vorhänge des Palastes, ohne voyeuristisch zu sein. Einfach nur echt. Claire Foy spielt nicht die Queen, sie ist die Queen. Helen Mirren absolut ebenbürtig. Mit Fehlern und Schwächen und eiserner Disziplin. Königlich. Ich will mehr davon, your Majesty!

(Fotos: Alex Bailey/Netflix)

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