Top 3: Heikes beste Bücher 2017

Best of 2017

Nummer 1: Joachim Meyerhoff, Die Zweisamkeit der Einzelgänger

Die Zweisamkeit der Einzelgänger von Joachim Meyerhoff ist der neueste Band, der bisher vier Romane umfassenden Reihe Alle Toten fliegen hoch. Kein anderes Buch habe ich diese Lesesaison ungeduldiger herbeigesehnt. In der autobiographisch gefärbten Roman-Reihe erzählt der Schauspieler und Autor Joachim Meyerhoff auf witzigste und herzlichste Weise davon, wie schmerzliche Verluste sein Leben und seine Persönlichkeitsentwicklung geprägt haben. In Die Zweisamkeit der Einzelgänger kommt nun auch endlich die Liebe ins Spiel. Und um die Liebe spinnen Irrungen und Wirrungen ein gefährlich brüchiges Netz aus Lügen. Denn wo es ganz lange gar keine Herzdame gab, genießt jetzt einer ganz plötzlich die unterschiedlichen Vorzüge von gleich drei Frauen. Und diese Frauen gilt es, geschickt voneinander fernzuhalten. Missgeschicke sind da nicht weit.

Warum soll man’s lesen?

Eins gleich vorneweg: Die Zweisamkeit der Einzelgänger funktioniert auch ohne die drei Vorgängerbände. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass nach dem Erstkontakt mit einem Meyerhoff-Roman auch die anderen Werke schnell gelesen werden. Denn die Sprache von Joachim Meyerhoff kommt so leichtfüssig und klug daher. Die Figuren sind so echt und nahbar, das ist beinahe schon unheimlich. Und die Hauptfigur Joachim ist zum Niederknien: hilflos und charmant, faul und ehrgeizig zugleich, liebenswert und, ohne lustig sein zu wollen, einfach irrsinnig witzig.

Wer soll’s lesen?

Wer gerne liest.

Wer auch außerhalb von Fantasy-Geschichten wie Herr der Ringe und Game of Thrones das mehrbändige Lesevergnügen sucht.

Wer es liebt, bei der Persönlichkeitsentwicklung von Figuren dabei zu sein.

Wer beim Lesen gerne laut lacht.

Wer ein Buch (oder eine Buchreihe) fürs Leben sucht.

Mehr zu Joachim Meyerhoffs Die Zweisamkeit der Einzelgänger gibt es hier.

Nummer 2: Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern

Gott ist nicht schüchtern von Olga Grjasnowa ist das Buch, welches mich in diesem Lesejahr am meisten berührt, ja sogar zu Tränen gerührt hat. Der Plot ist top-aktuell. Die Geschichte zweier Syrer, einer Schauspielerin und eines Arztes, beginnt im Arabischen Frühling. Die Revolution bricht sich Bahn und die Hoffnungen lähmen die Angst vor dem Assad-Regime. Was als Aufbruch in eine bessere Gesellschaft gedacht war, endete im Niedergang eines ganzen Volkes. Dieses Buch erzählt schonungslos und verständlich, wie passieren konnte, was passiert ist, und lässt seine Leser dabei erschüttert und nachdenklich zurück. Doch das müssen wir aushalten können.

Warum soll man’s lesen?

Dieses Buch erklärt so unfassbar viel. Was ist in Syrien passiert? Wie schwappten die Probleme dieses Landes auf andere Länder über? Wie kam es zur Massenflucht? Wie sieht so eine Flucht aus? Auch Dinge, die in Gott ist nicht schüchtern ungeklärt bleiben, werfen Fragen auf und geben Denkanstöße: Wieso wird das Problem der Flüchtlinge zur Krise Unbeteiligter? Wieso werden Geflüchtete, denen wir in Fußgängerzonen, im Bus, ja – wenn man bestimmten Personengruppen glauben wollte – angeblich überall begegnen, zwar ständig von uns wahr- aber nicht wirklich aufgenommen? Dieses Buch macht die Meldungen der Tagesschau über Syrien nahbar, weil sie anhand von Einzelschicksalen erzählt werden. Ein Arzt und eine Schauspielerin, wie man sie in jedem Land kennenlernen könnte, in dem es Ärzte und Schauspielerinnen gibt.

Wer soll’s lesen?

Wer wissen will, wie schön das Leben junger, aufstrebender Menschen in Syrien war, bevor geschehen ist, was geschehen ist.

Wer sich für Politik und tagesaktuelle Geschehnisse interessiert.

Wer sich auf einer Ebene mit der Flüchtlingsthematik auseinandersetzten möchte, die nichts mit der neutralen Routine von Nachrichtenmeldungen zu tun hat.

Wer sich erden möchte.

Wer verlernt hat, dankbar und zufrieden zu sein, über das was er hat, wenn er diese Dinge hat: Leben, Freiheit, Sicherheit.

Mehr zu Gott ist nicht Schüchtern von Olga Grjasnowa gibt es hier.

Nummer 3: Simon Strauss, Sieben Nächte

Sieben Nächte von Simon Strauss ist aus verschiedenen Gründen in meinen Top 3 gelandet. Das Lob fängt schon bei der Erzählweise an. Da berichtet jemand, wie er sich in sieben Nächten jeweils einer der Sieben Todsünden nähert. BAM! Da geht`s gleich zackig zur Sache. Womit wir auch schon bei einem weiteren Grund für meine Begeisterung angelangt sind: Simon Strauss erzählt von diesen sieben Nächten so kurzweilig, dass man am Ende stinksauer ist, dass es nicht noch mehr Todsünden gibt. Neben dem Plot trägt auch die alles durchdringende Sprachgewalt dazu bei, dass keinerlei Langeweile aufkommt. Das zu lesen macht von der ersten bis zur letzten Seite unglaublich viel Spaß. Ein kurzweiliges Buch, das lange nachhallt.

Warum soll man’s lesen?

Der Protagonist wird bald 30 und begibt sich deshalb in das Abenteuer mit den Sieben Todsünden. Jeder, der meint, das eigene Leben sei gerade oder schon sehr lange oder eigentlich schon immer recht unspektakulär und träge, hält mit Sieben Nächte das passende Buch in Händen. Ob man jetzt 30 oder 40 oder 50 wird, spielt keine Rolle. Einzig der Wunsch, die Sehnsucht, die Überlegung, nochmal was zu reißen im Leben, irgendwas total anders zu machen, reicht aus, um sich hier wiederzufinden. Und vielleicht ist man ja nach der Lektüre doch ganz zufrieden mit dem gewohnten Trott. Ihr werdet schon sehen!

Wer soll’s lesen?

Wer’s gerne auf den Punkt hat und kein Freund von langen Schinken ist.

Wer das ganze Paket will. Wer also eine Sprache kennenlernen möchte, die einen überrascht und zum Weiterlesen ebenso anspornt, wie ein geschickt erzählter Plot mit einer genialen Grundidee.

Wer unzufrieden ist, obwohl doch alles ganz genau so geworden ist, wie man sich’s immer gewünscht hat.

Wer unzufrieden ist, weil wirklich gar nichts so geworden ist, wie man sich’s immer gewüscht hat.

Wer bei anderen Leuten damit angeben möchte, was für ein außergewöhnliches Buch er da aufgetan hat.

Mehr zu Sieben Nächte von Simon Strauss gibt es hier.

Und jetzt ihr

Ich wünsche allen ein schönes neues Lesejahr 2018! Vielleicht findet ja eines meiner Top 3 Bücher 2017 im nächsten Jahr auch einen Platz in euren Regalen, Hirnen und Herzen. Wer zudem gerne andere mit Büchern beglückt, aber stets einen Restzweifel hegt, ob das geschenkte Buch auch passt und gut ankommt, der findet Rat in unseren Tipps zum Bücherschenken.

Und wer sich zurecht fragt, warum ich nicht so ein tolles Header-Bild zu meinen Top 3 Büchern 2017 habe, wie die Ulla in ihren Top 3 Büchern 2017, dem sei gesagt: AKTUELL ALLE DREI VERLIEHEN! Ich Nette…

Auf die Seiten, fertig, los!

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