Top 3: Ullas beste Bücher 2017

Best of 2017

Nummer 1: Elizabeth Strout, My Name is Lucy Barton

Das Glück des Zufalls. Weil mein Flieger am Ende des Nordirland-Urlaubs Verspätung hatte, ging ich Bücher shoppen. Und schnappte mir diesen wunderbaren kleinen Roman – allein wegen seines Titels. So kurz sein Umfang, so groß seine Wirkung: Elisabeth Strout lässt ihre Hauptfigur Lucy Barton von ihrer kargen Kindheit und Identitätsfindung so echt und unpathetisch erzählen, dass es mich weggefegt hat.

Warum soll man’s lesen?

Weil es uns von dem „vergessenen“ Amerika erzählt: den unterprivilegierten Familien im mittleren Westen, und damit auch viel über unsere heutige Welt. Und weil es ungeheuer intensiv und schonungslos zeigt, wie finanzielle Armut auch emotional arm machen kann, aber nicht muss. Vor allem aber ist es so lesenswert, weil Elizabeth Strout wunderschön schreibt.

Wer soll’s lesen?

Wer sich für Menschen interessiert (und das tut hoffentlich jeder).

Wer Kitsch gerne aus dem Weg geht, seinen Emotionen aber nicht.

Wer mehr über die soziale Komponente von Amerikas Problemen erfahren will.

Wer starke Charakterstudien zu schätzen weiß.

Wer Lust auf eine anspruchsvolle Mutter-Tochter-Geschichte hat.

Mehr zu Elizabeth Strouts My Name is Lucy Barton findet ihr hier. Auf Deutsch ist es unter dem Titel Die Unvollkommenheit der Liebe erschienen.

Nummer 2: Sarah Perry, Die Schlange von Essex

Anfangs kam ich nicht so richtig rein, doch dann hat mich die Geschichte um die emanzipierte Cora Seaborne im viktorianischen England gepackt. Ein ganz besonderes Buch, das viele Themen anpackt und es nicht verdient hat, in die Schublade „Historienroman“ gesteckt zu werden. Dazu ist es viel zu unkonventionell und modern.

Warum soll man’s lesen?

Weil es viel zu gut ist, um es nicht zu tun. Es gibt nicht DEN Grund, es zu lesen. Es überzeugt mit vielen Qualitäten: Seinen charmanten und widersprüchlichen Figuren, seiner Sprachgewalt, seinem Themenreichtum (wie Religion, Naturwissenschaft, Übersinnliches, Autismus, Emanzipation und Individualität).

Wer soll’s lesen?

Wer gerne in andere Zeiten eintaucht und diese erspüren will.

Wer Lust hat, den Viktorianismus aus einer neuen, gar nicht prüden Perspektive kennenzulernen.

Wer ein Herz für Außenseiter hat.

Wer keinen Bock mehr auf Genreliteratur hat.

Wer glaubt, dass Freundschaft einfacher sei als Liebe (um sich eines Besseren belehren zu lassen).

Mehr zu Sarah Perrys Die Schlange von Essex findet ihr hier.

Nummer 3: Takis Würger, Der Club

Ein Debütroman, und das einzige deutschsprachige Buch auf meiner Liste. Aber eines, das es sowas von verdient hat. Takis Würger schreibt poetisch über den Waisen Hans, der Mitglied in einem berühmt-berüchtigten Studenten-Club der Uni Cambridge wird und hinter den schönen Schein blickt.

Warum soll man’s lesen?

Weil es anders ist als alles, was man sonst so liest. Dabei wird man das Gefühl nicht los, dass vieles von dem, was einem der Autor da erzählt, nicht reine Erfindung ist. Takis Würger ist eine echte Entdeckung: ein junger Autor mit viel Gespür für Menschen und ihre Abgründe. Ich hoffe sehr, dass dies nicht sein erster und letzter Roman war!

Wer soll’s lesen?

Wer nicht auf lange, aber trotzdem packende Bücher steht.

Wer keine Angst vor Blut, Schweiß und Tränen hat.

Wer ein Buch lesen will, das sich vom Einheitsbrei abhebt.

Auch hier: wer ein Herz für Außenseiter hat.

Wer die perfekte Mischung aus schöner Sprache und heftiger Handlung sucht.

Heikes und mein Gespräch zu Takis Würgers Der Club findet ihr hier.

Ach ja

In meinen Top 3 von 2016 hatten die Bücher gemeinsam, dass sie allesamt Nacherzählungen waren. Und dieses Jahr? Geht’s in jedem der Romane um Identitätssuche und Außenseiter. Allerdings könnten die nicht unterschiedlicher sein.

Letztes Jahr fiel mir die Entscheidung für meine drei Lieblingsbücher der vergangenen 12 Monate sehr schwer. Dieses Jahr überhaupt nicht. Ich wusste sofort, dass es nur diese drei sein können. Was nicht bedeutet, dass ich sonst nur Schrott gelesen hätte, ganz im Gegenteil (bis auf eine Ausnahme namens Summertime). Aber sie waren einfach phänomenal gut und werden mich noch viele Jahre begleiten.

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