Trivial? Egal! Graeme Simsion: Das Rosie-Projekt

Liebe ist doch unberechenbar! Ist Liebe wirklich unberechenbar?

Wer ein lustiges Buch sucht, um nach Feierabend den Kopf frei zu bekommen oder wer am Strand keine Lust hat, noch irgendwie großartig mitdenken zu müssen, dem empfehle ich Das Rosie-Projekt von Graeme Simsion. Die leichte Lektüre ist eine Liebeskomödie, der Plot  vorhersehbar. Und zwar völlig. Mann sucht Frau. Frau passt auf den ersten Blick so gar nicht zu dem, was Mann sucht. Die beiden eiern rum, wegen irgendwas anderem, verlieben sich dabei natürlich und leben schließlich glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage. Ok, ob sie glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende leben, kann ich jetzt gar nicht mit Sicherheit sagen, ich hab nämlich den Fortsetzungsroman Der Rosie-Effekt noch nicht gelesen.

Aber jetzt mal etwas genauer zu „Das Rosie-Projekt“

Das Besondere an diesem Buch, und was, bzw. wer, es für mich so empfehlenswert macht, ist seine Hauptfigur. Don Tillman ist Genetik-Professor. Ende dreißig. Attraktiv. Er ist etwas klüger als die meisten, aber eben auch etwas gesellschaftsunfähiger als die meisten. Sein Denken und Verhalten weist viele Parallelen zum Asperger-Syndrom auf. Wer die Sitcom The Big Bang Theory schaut, hat beim Lesen sicher irgendwann Dr. Sheldon Cooper vor Augen. Wundervoll!

Keine Gefühle bitte

Vor allem mit der Gefühlswelt kommt der Herr Professor nicht wirklich klar. „Fühlst! Fühlen, fühlen, fühlen! Gefühle störten mein Wohlbefinden. […] Mein ganzes Leben lang bin ich für meinen auffälligen Mangel an Emotionen kritisiert worden, als wäre dies irgendein Makel“, so der Intellektuelle. Es gibt natürlich Gründe für diese Gereiztheit. Die Hauptfigur erfährt in diesem Buch gerade auf der emotionalen Ebene eine Wandlung. Don Tillman sucht eine Frau, eine Ehefrau vielmehr, und das wäre dann auch die erste Frau in seinem Leben. Da er eigentlich immer am Denken und Analysieren ist, ist es für ihn auch äußerst naheliegend, den perfekten Fragebogen zu entwicklen, um mit diesem dann auch kinderleicht die perfekte Ehefrau zu finden. So weit so logisch, zumindest in Don Tillmans Welt. Der Fragebogen ist am Ende sechzehn Seiten lang. Größe, Gewicht und der BMI werden abgefragt. Essgewohnheiten. Rauchen ja oder nein. Nein ist die einzig zulässige Antwort. Auch wann man bei Verabredungen am besten erscheint wird abgefragt. Es gibt fünf Antwortmöglichkeiten und die einzig zulässige Antwort hier ist c) pünktlich. Der emotional eingeschränkte, nonstop nachdenkende Professor, der zudem seine Tage in exakte Zeiteinheiten eingeteilt hat – ja wie soll denn da noch Platz sein für eine Frau – sucht also eine pünktliche Nichtraucherin. So einfach ist das nicht, immerhin müssen alle Fragen auf sechzehn Seiten möglichst korrekt beantwortet werden.

Etwas mehr Gefühl bitte

Und dann kommt, was kommen muss, in so einer vorhersehbaren Komödie. Die Frau, die in Don Tillmans leben knallt, ist bunt und laut und fröhlich. Natürlich raucht sie und selbstverständlich ist sie bei Verabredungen meistens zu spät dran. Rosie kreuzt Dons Ehefrauen-Projekt mit einem eigenen Projekt. Sie braucht die Hilfe des Genetik-Professors, weil sie ihren leiblichen Vater finden will. Ihre Mutter ist tot und kann nicht mehr helfen. Ein Klassenfoto der Mutter mit unfassbar vielen Männern zeigt die möglichen Väter. Genmaterial muss her und um dieses zu bekommen, verbringen Rosie und Don sehr viel Zeit miteinander. Die streng getakteten Tagespläne müssen schnell aufgegeben werden und man sitzt schon auch mal rum, wenn man auf Rosie wartet. Rosie hebt erst Dons Gedankenwelt aus den Angeln und bewegt schließlich etwas in seinem Leben, Auftreten und Tun. „Ich sah ein, dass die Charaktere aus Verschollen zwischen fremden Welten und Raumschiff Enterprise möglicherweise nicht repräsentativ für die Menschheit im Allgemeinen waren.“ Schleichend, aber doch massiv, programmiert Don sein Hirn um. Denn am Ende, wie soll es anders sein, da liegt Liebe in der Luft und der Himmel hängt voller Geigen. Das ist kitschig und doof? Kitschig ja, ist ja auch ne romantische Komödie. Doof, naja, nö, eigentlich nicht. Wie hätte dieses Buch auch anders ausgehen sollen.

Fühlen! Fühlen! Fühlen! Fühlen!

Nicht jeder läuft herum mit autistischen Zügen, emotionalen Störungen, Berührungs- und Bindungsängsten. Aber ein klein wenig Don Tillman findet man bestimmt auch irgendwo in sich selbst, wenn man nur ganz genau hinschaut und sich dabei nicht selbst belügt. Angst vor der Liebe. Das Unterdrücken von Emotionen. Misstrauen Menschen gegenüber. Vielleicht funktioniert dieser Weltbestseller, der in 40 Sprachen übersetzt wurde, gerade deshalb so gut für die breite Masse. Und für mich. Das war ein sehr schönes, leichtes, lustiges, keinesfalls banales Lesevergnügen.

Verfilmung von Graeme Simsions „Das Rosie-Projekt“

Fans des Buches können sich freuen, denn es soll eine Film-Adaption des Bestsellers geben. Nachdem Jennifer Lawrence ihre Zusage für die Rolle der Rosie wieder zurückgezogen hat und auch der Boyhood-Regisseur Richard Linklater aus dem Filmprojekt ausgestiegen ist, bleibt es spannend, wer die Hauptrollen spielen und wer Regie führen wird. Wie wäre es denn mit Alexander Skarsgård und Claire Danes? Oder Florian David Fitz und Nora Tschirner? Im Gespräch ist angeblich Ryan Reynolds. Für mich wäre das ok. Ryan Reynolds hat schon in dem Drama Zurück im Sommer (2008) gezeigt, dass er auch sensibel spielen kann.

Greame Simsion, Das Rosie-Projekt, 352 S., 9,99 Euro (Taschenbuch). S. Fischer Verlag. Erschienen 2013.

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