Untypisch Texas – in der klischeefreien Zone

Where have all the Cowboys gone?

Das Tolle an Klischees ist ja, dass sie jeden glücklich machen. Den, der sie widerlegen will und den, der sich bestätigt fühlen möchte. Man muss nur entsprechend suchen. So ist das auch mit Texas.

Wer sich im Lone Star State auf die Suche nach dem wilden Westen, nach Waffennarren und Holzköpfen unterm Cowboy-Hut macht, wird garantiert fündig. Und wer lieber coole Hipster, tolerante Weltbürger und kreative Feingeister treffen will ebenso.

Ich wage die Behauptung, dass kein anderer der 50 Bundesstaaten der USA so viele Klischees auf sich vereint wie Texas. Und das nicht erst seit George W. Bush. Extrem konservativ, nationalistisch, dümmlich, raubeinig, gewaltverherrlichend, pferdenärrisch, Country Music-hörend, fleischfressend, ewige Cowboys: Das sind nur ein paar der Klischees, die wohl den meisten zu den Texanern einfallen. Und ganz ehrlich: Mir ging es da nicht anders.

Wer Lust auf die volle Dröhnung Cowboys und Klischees hat, braucht jetzt nicht weiterzulesen. Wer mich aber in die klischee- und cowboyfreie, jedoch garantiert nicht spaßbefreite texanische Zone begleiten will: Go on!

Falling in love in Fort Worth

Bei Nacht landete ich am Flughafen Dallas/Fort Worth. Aus einem Himmel von tausend Sternen sank das Flugzeug auf ein Meer aus Millionen heller Lichter herab. Und ich wusste sofort, woran ich bin: In Texas ist nichts groß, in Texas ist alles RIESIG. Und dieser MAXIME bleibt man hier in allen Lagen treu.

Die Skyline von Fort Worth

Am nächsten Morgen begrüßte mich die sich im Sonnenlicht spiegelnde Skyline von Fort Worth – übrigens die Wiege der Cowboy-Kultur und das Tor zum wilden Westen – mit großem Hallo. Dass Fort Worth auch ganz ohne Wild, Wild West und Kuhjungs auskommt, beweist es mir direkt nach dem Aufstehen.

But first coffee – im Café Righteous Foods

Mein Hallo wurde nämlich noch größer und überraschter, als ich zum Frühstück das Café Righteous Foods besuchte.

Typo in Texas

Unklischeehafter kann man einen Texas-Aufenthalt wohl kaum beginnen. Hier ist nämlich Öko angesagt. Selbst gepresste Smoothies und Säfte, viele vegetarische und vegane Gerichte und ein sonnendurchfluteter Raum mit ganz viel Holz, toller Typographie und Sukkulenten. Aber hallo!

Vom Café aus schlenderte ich gemütlich in den Arts District von Fort Worth. Im Modern Art Museum warteten Größen wie Andy Warhol oder Robert Rauschenberg auf mich. Und zwar nicht dicht gedrängt nebeneinander, sondern mit ganz viel Plaaaaaatz, denn in Texas hat man davon mehr als genug. So kann Kunst wirken.

Viel Platz für Pop Art

Das sieht man auch im etwas konservativeren aber dennoch luftig-leichten Kimbell Art Museum, das schräg gegenüber liegt. Hier wollen nicht nur amerikanische Künstler, sondern auch Europas alte Meister bestaunt werden. Und das alles umrahmt von modernster Architektur.

Biergarten auf Texanisch

Easy-going im Woodshed am Trinity River

So leicht die Kunst im Arts District daherkommt, die Texaner können noch ein bisschen leichter. Absolut easy-going ist es im Lokal Woodshed an Fort Worths Trinity River. Wir Bayern verstehen ja etwas von Biergarten-Atmosphäre, aber wie man hier feststellen kann, die Texaner mindestens ebenso viel!

Pulled Pork-Burger. That’s Barbecue!

Direkt am Fluss liegt das entspannte Lokal, das mit coolen Barbecue-Gerichten und Live-Musik die Scharen nur so anlockt. Egal, wie viele Leute hier sitzen: es wird nie unentspannt oder aufgeregt.

Bei strahlendem Sonnenschein, leckerem Grillgeruch, viel Lachen und Musik in der Luft, wem kommt da das Leben nicht unglaublich fantastisch vor? War es die Sonne oder waren es die fröhlichen Leute, ganz egal: Genau in diesem Moment habe ich mich in Texas verliebt.

Dallas macht sich groß

Über die Margaret Hunt Hill Bridge in die große Stadt.

Groß, größer, am größten geht die Liebe weiter, und zwar in Fort Worths großer Schwester Dallas. Dallas, das ist nicht nur JFK, JR und ganz viel Öl. Dallas, das ist Kunst, Kultur, Lifestyle und Lässigkeit.

Style trifft Geschmack im Kitchen LTO

Hinter dem weißen hohen Bogen der ikonischen Margaret Hunt Hill Bridge wartet das Szene- und Gourmet-Viertel Trinity Groves. Im Kitchen LTO (das steht für Limited Time Only) wechselt jedes Jahr der Chefkoch und die kulinarische Ausrichtung.

Als ich da war, kochte hier gerade Nick Amoriello, der mein Herz mit seiner Regional Comfort-Küche höher schlagen ließ und dank dem ich in den Genuss von „Dallas’ Best Burger“ kam.

Der beste Burger von Dallas. True story.

Wirklich wahr. Mittlerweile kocht hier Josh Harmon, der aber in knapp einem Monat seinen Kochlöffel wieder an einen neuen LTO-Chef abgeben wird. Cooles Konzept, coole Location und heiße, heiße Küche!

Rauf zur Kugel des Reunion Tower

Nach meinem Magen wollte ich auch meinen Augen einen Höhenflug gönnen und machte mich auf zum Reunion Tower. Hoch oben auf dem kugelförmigen Observation Deck hat man einen sagenhaften Blick über die Stadt.

Erst hier habe ich die wahren Dimensionen der Metropole verstanden, in der alles etwas größer ausfällt: Die Häuser und die Straßen, aber auch die Herzlichkeit. Kein Wunder, dass das Motto der Stadt heißt: Big things happen here.

Dallas. Big things happen here.

Big und bunt

Blütenpracht im Arboretum

Boy trifft Girl beim Tanz am Brunnen.

Alles andere als größenwahnsinnig aber umso prachtvoller geht es im Dallas Arboretum zu. Der botanische Garten lädt zu Spaziergängen durch bunte Blüten, Bäume und Stauden, zu edlen Skulpturen und einem unvergleichlichen Blick über den White Rock Lake ein. Der perfekte Platz für die kleine Auszeit vom Trubel der Großstadt und ein idyllisches, mit viel Liebe gepflegtes Fleckchen Natur.

Deep Ellum ist bunt!

Braindead Brewing – alles andere als hirntot.

Bunt ist auch Deep Ellum, mein liebster Teil von Dallas. Das Hipster-Viertel war zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine der ersten Jazz-Hochburgen. Auch heute leben hier viele Künstler und Kreative. Das merkt man dem quirligen Stadtteil an: kleine Läden und Cafés, Second Hand-Shops, Ateliers und Clubs reihen sich aneinander. Graffitis geben den Straßen Leben und Farbe. Das lässige Lebensgefühl von Deep Ellum spiegelt auch die Braindead Brewing Company wieder. Sie braut ihr eigenes Bier und serviert Gerichte, die trendiger kaum sein könnten. Hier ist es grell, bunt, laut, einfach etwas anders, aber auf jeden Fall ansteckend fröhlich. Keine Angst: Nomen ist nicht Omen, der Hirntod wird euch hier bestimmt nicht erwarten.

Hier gibt’s Kunst.

Auch der Arts District von Dallas wird euer Gehirn nicht lahmlegen. Aber vielleicht ganz kurz in Schockstarre versetzen, denn er ist – richtig geraten – einfach riesig. Ein Opernhaus, das mehr einem Ufo als den in Europa gängigen, eher hochgestelzten Bauten ähnelt, und ein Konzertsaal, in dem Größen wie Erykah Badu oder Pharrell Williams sich regelmäßig die Ehre geben, reihen sich ein in den schier endlosen Museumsreigen. Alles sieht so neu, so up-to-date und so cool aus.

Blüten aus Glas beim Fensterln.

Total begeistert hat mich das Museum of Art. Natürlich wegen seiner wirklich grandiosen Sammlung, aber mindestens genauso wegen seiner hohen Decken und riesigen Fenster, die aus dem – ja, es kommt schon wieder – großen Gebäude einen modernen, hellen Wohlfühlpalast machen. Von den Glasfronten erhascht man immer wieder flüchtige Blicke auf den sattgrünen Klyde Warren Park, in dem man zu einer Kugel Eis von einem der Eiswägen auf keinen Fall Nein sagen sollte.

Grün und gechillt – der Klyde Warren Park.

Bier, Bass und Basketball

Best beergarden in town.

Und abends? Keine leichte Entscheidung bei der – ihr wisst schon – riesigen Auswahl. Ich entscheide mich für The Rustic, einen Biergarten mit Live-Musik mitten im Zentrum der Stadt. Auf den Leinwänden läuft ein Play-Off-Spiel der Dallas Mavericks (das sie übrigens verlieren), auf der Bühne spielt der Ehemann einer der Real Housewives of Dallas mit seiner Band und im Publikum gibt’s kein Halten mehr. Ich kenne keinen Menschen und bin trotzdem mittendrin. Eine Deutsche in Dallas? Wahnsinn, finden die Texaner. Nur: Wo ist mein Dirndl? Und: Kenne ich Dirk Nowitzki eigentlich persönlich? Wer so offen ist, braucht nicht neugierig zu sein. Das gefällt mir.

Lone Star Beer im Lone Star State.

Aber eigentlich gefällt mir an diesem Abend alles. Die Leute, das Lone Star Beer, die laue Luft. Big things happen here. Glück ist schließlich etwas ganz, ganz Großes.

Mehr Infos zu Texas im Allgemeinen, Fort Worth und Dallas gibt’s hier:
www.traveltexas.com
www.fortworth.com
www.visitdallas.com

Sponsored. Diese Reise erfolgte auf Einladung von Texas Tourism sowie Visit Dallas und Visit Fort Worth.

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