Was soll das sein? Das ist ein Krapfen…

Wer jetzt zu Fasching (sorry Karneval, aber ich bin Fränkin) zu Scherzen aufgelegt ist, hat doch sicher auch Lust auf eine lustige Raterunde. Nun denn:

Was ist komplett blau und hat riesengroße Kulleraugen? Ist das:
A) das Krümelmonster aus der Sesamstraße
B) ein Krapfen 2.0
C) der Fortschritt
D) ein Arschtritt in den Babypopo der Traditionen

Die Auflösung findet ihr am Ende dieses Textes.

Faschingslust & Faschingsfrust

Eins vorneweg: ich bin kein Faschingstyp! Ok, ich bin kein Faschingstyp mehr! Als mir als Kind noch rote Cowboyfransen an meine Alltagsjeans genäht wurden, die sich ein paar Tage später in Luft auflösten, da hatte ich noch reichlich Spaß am bunten Faschingstreiben. Als ich als Kind von meiner Oma ein goldenes Prinzessinnen-Kleid genäht bekam und man mir sagte, ich könne von nun an mein Winchester-Gewehr nicht mehr zum Faschingszug mitnehmen, da verdunkelte sich der Himmel der Fröhlichkeit schon merklich. Nach zähen Verhandlungen ging ich als goldene Prinzessin mit Winchester-Gewehr. Als Teenie-Schülerin erlebte ich meine persönliche Faschingshochphase. Immer zu zehnt in den bis zur Erblindung mit Glitzer geschmückten, Turn- und Mehrzweckhallen der Region unterwegs. Wo die Löcher aus dem Käse flogen, da flog auch ich irgendwo rum. Dann war Schluss. Ich ging in Städte, die konnten das mit dem Fasching nicht. Bamberg. München. Nö, das war und is irgendwie nix. Was allerdings immer was war, das waren die Faschingskrapfen!

Ein mit Hiffenmark gefüllter Faschingskrapfen nebst Espresso – Wow & Helau!

Ich habe einen Krapfen bestellt und kein Ufo mit Cyborg

Fluffiges Gebäck mit reichlich Puderzucker bestäubt und einer soften Mitte aus Hiffenmark-Gelee! Hiffenmark ist ein anderes – cooleres – Wort für Hagebutte. Bei den Faschingskrapfen von der Oma war der Teig nicht ganz so fluffig. Das machte aber nichts, denn sie vermischte dafür großzügig Zucker, Puderzucker und Zimt zu einem süßen Topping, als es das Wort Topping noch gar nicht gab. Und in die Mitte spritzte natürlich auch sie das cremige Hiffenmark. Das rote Herz des Krapfens. Mmmmm! Yummieee! Lecker! Faschingsmuffel hin oder her, spätestens bei Oma oder am Bäckertresen wusste man die guten Seiten der fünften Jahreszeit wieder zu schätzen, weil man sie schmeckte. Der Biss in den mit Hiffenmark gefüllten Krapfen ist für mich bis heute der Geschmack meiner Kindheit und Jugend. Alles ist gut! Alles ist schön! Die Welt ist – zumindest für die Dauer eines Krapfenverzehrs – in Ordnung. Und dann kam ich vor ein paar Jahren nach München und nichts war mehr in Ordnung. In den Auslagen der Bäcker, nicht nur der fancy Bäcker, nein aller Bäcker, schienen die Krapfen einen Schönheitswettstreit gegeneinander angetreten zu sein. Heute gibt es überall Krapfen in allen erdenklichen Farben. Darunter auch Grün und Blau. Nur so als Beispiel. Es gibt Krapfen mit Fruchtcremes bestrichen und mit Smarties und/oder Zuckerperlen drauf. Schon vor dem Zuckerschock war ich alleine vom Anblick dieser Disco-Groovie-Crazy Krapfen schockiert. Und mit was die gefüllt sind. Apfelkonfitüre. Hä?! Vanillecreme und Pflaume, das ist nämlich der Germknödel-Krapfen. Ja, was denn jetzt? Krapfen oder Germknödel? Manche sind aufgeschnitten. In zwei Hälften geteilt und wie ein Brötchen (sorry an die Oberbayern, aber ich bin, wie bereits erwähnt, Fränkin) und mit irgendwas cremigem oder buntem beschmiert. Und Hiffenmark? Fehlanzeige. Zumindest meistens.

Ich: Haben Sie auch Krapfen mit Hiffenmark?
Bäcker/in: Bitte was?
Ich: Mit Hiffenmark. Hagebutte!
Bäcker/in: Sowas hammer ned.“
Ich (in Gedanken): Was heißt hier ,sowas’? Idiot!“

Der Biss in den sauren Krapfen

Für Kinder ist es sicher das Tollste in einen rosa glitzernden Krapfen oder einen blau-roten Spiderman-Krapfen zu beißen. Und auch die Faschingskrapfenpyramide in der Büroküche kommt garantiert sehr gut an mit den Krapfen 2.0, denn die sind bunt, schrill, laut, supersüß, fett und einfach anders. Und anders muss ja nicht schlecht sein. Ich weiß schon. Aber mich packt halt leider der Ekel an der Krapfenauslage im Bäcker.

Andere/r Bäcker/in: Wir haben heute Krapfen im Angebot. Wenn Sie drei Krapfen nehmen, bekommen Sie den vierten geschenkt.
Ich: Haben Sie auch Krapfen mit Hiffenmark?
Andere/r Bäcker/in: Hä?“

Meine schönen Erinnerungen an den Kinderfasching, die Oma mit der Kittelschürze in der Küche, die Kaffeetafel mit Krapfenpyramiden sind allem Anschein nach nicht so fluffig wie die Hiffenmark-Krapfen selbst. Sie wiegen zentnerschwer. Die Krapfen meiner Kindheit haben sich wie ein fettiger Klumpen vor die Tür der Krapfen-Toleranz geschoben und verriegeln den Ausgang hinaus ins Jetzt mit all den Streuseln und Smarties. Und ich weiß nicht, was soll das bedeuten? Wahrscheinlich dass es schön war, als goldene Prinzessin mit einem geschulterten Winchester-Gewehr und den Mundwinkeln voller Hiffenmark durch eine stickige, bunt geschmückte Turnhalle zu rennen.

Ich hoffe, jeder findet den Krapfen, den er sucht. Und wenn es jemanden gibt, der Krapfen mit Apfelkonfitüre und Augen und Fähnchen sucht, der könnte Glück haben, denn da ist jetzt genau die Zeit für. Aber lasst uns bitte nicht darüber nachdenken, wie die Krapfen in zehn Jahren aussehen. Das übersteigt meine Vorstellungskraft.

Lasst es euch schmecken!

Und hier noch die Auflösung unseres Eingangsrätsels: A und B sind beide richtig und folglich sind auch C und D richtig! Helau & Alaaf

3 thoughts on “Was soll das sein? Das ist ein Krapfen…

  1. Eva

    Hallo Heike!
    Du hast mir aus der Seele gesprochen!!! Mir grausts (du merkst, ich bin auch Fränkin),wenn ich bloss in die Auslage schaue.
    Aber in Franken gibts immerhin auch bei (fast) jedem Bäcker, Krapfen mit Hiffenmark und Puderzucker.
    Viele Grüsse Eva

  2. Sarah

    Da schließe ich mich an „the one and only Hagebudde bidde“
    Bei meinem Bäcker ums Eck in München gibts die u deshalb mussten an Fasching täglich 2 Krapfen dran glauben! Man weiss ja nie…

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