Wien, was bist du schön

Ur leiwand und nie fad

Nur weil das Billy Talent Konzert in München ausverkauft war, landete ich in Wien, denn da gab`s noch Karten für´s Gasometer. Der Konzerttermin lag zudem perfekt, ein Samstag und noch dazu am ersten Adventswochenende. Vier Stunden Zugfahrt und schon ist man da. Hurra! Also ab dafür und auf geht`s nach Wien for the very fist time!

Habe die Ehre du ehrvolle Stadt

pracht

Das Gelände der Hofburg ist recht mächtig – in jeder Hinsicht

Wien, was soll ich sagen? Du hast mich im Sturm erobert. Wien, du bist so schön! Wien, du schmeckst so gut! Wien, du tust so gut! Wien, wie du funkelst! Ihr merkt, ich bin ganz verrückt verzückt zurückgekehrt.
Schon der Weg zur Unterkunft in der Josefstadt im Achten Bezirk machte deutlich, dass es hier ziemlich egal ist, wo man seine Kamera auspackt und in die Höhe reckt, denn einfach jedes Gebäude ist schön! Die Fassaden geben an mit etwas Gold hier und ein paar Zwiebeltürmchen da. Erhascht man einen Blick ins Innere der Prachtbauten wirkt der Stuck an den Decken und Wänden wie eine dem Außenstehenden zuzwinkernde Augenbraue, die sagen will: Is scho recht! Baast scho eh! Wien ist beladen mit prächtigem Prunk und trotzdem sehr sympathisch und nicht zu protzig. Man fühlt sich wohl in diesen Gassen. Selbst die größte Straße heißt hier Gasse. Süß und unpassend bescheiden. Irgendwie ist man ganz klein zwischen den herrschaftlichen Häusern, aber dennoch auch erhaben. Ich hätte gern überall einen Knicks gemacht. Einen Hofknicks, vor jedem Hof vielleicht oder vor jedem Fiaker. Aber das wäre natürlich mehr als nur albern gewesen. Wien schubst einen aber automatisch in eine Zeit, die längst vergangen scheint. Die Zeit der Kaiser und Könige, die Zeit der Kaufleute und Händler.

Wien für Individualisten

ich

It`s art! Ich hätte auch gut und gerne die ganze Zeit im MQ abhängen können

Die Geschichte und die Fassaden der Stadt mögen alt sein, das heutige Wien aber ist eine moderne, eine lebendige und pulsierende Stadt. Und Wien ist in jedem Fall ein Highlight für Individualisten. Ich habe die großen Einkaufspassagen gemieden, keinen Laden betreten, den es so oder so ähnlich auch in München gibt. Ausgestattet mit dem Heftchen Guided Vienna – City Guide for Fashion, Art & Design, das mir der nette Verkäufer in dem ebenso netten Interieur-Laden Die Sellerie in die Hand gedrückt hat, habe ich mich aufgemacht, um auch noch in den abgelegensten Winkeln der Gassen das Besondere zu erkunden. Und das Besondere lauert hier überall. Die berühmte Wiener Kaffeehauskultur zum Beispiel, die kann man natürlich ganz klassisch „genießen“ oder eher auf der Touri-To-Do-List abhacken, indem man sich ins Sacher setzt oder versucht im Demel einen Platz zu ergattern. Oder aber man macht es ganz anders und geht zum Beispiel in die Vollpension. Das ist ein Generationenkaffeehaus mit einzigartigem Charme, bei dem ECHTE Omis ECHTE Wiener Mehlspeisen zubereiten und kredenzen, vor deinen Augen, und das in einem ömmeligen, unnachahmbaren Ambiente – ur leiwand! Hätte ich mehr Zeit gehabt, dann würde ich wahrscheinlich jetzt noch dort sitzen.

Fleischeslust DAS Wiener Schnitzel

Wenn man in München einen Schweinsbraten bestellt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der was kann! Wenn man in Wien ein Wiener Schnitzel bestellen will, dann kann es passieren, dass es keins gibt. Mehrfach gab`s laut Karte nur Schnitzel vom Schwein oder von der Pute. Das macht aber nichts, denn wenn man in Wien ein Schnitzel bestellt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es was kann! Ich dachte, ich bräuchte mehr Zeit, um herauszufinden, ob das mit dem Schnitzel hier wirklich so rund läuft. Zwei Schnitzel haben genügt. Ich vergebe für das Schnitzel in Wien und das Wiener Schnitzel in Wien zwei Daumen von zwei! Mehr geht nicht.

Bling Bling – Weihnachtsmärkte in Wien

Du läufst ein paar Schritte, dann gehst du ums Eck rum und tadtaaaaa, da ist er dann, der nächste Weihnachtsmarkt. So läuft das in Wien und wenn das mit dem Laufen nach ein paar Stunden Sightseeing nicht mehr so läuft, dann gibt`s halt eine Glühweinpause oder einen Punsch. Hier lässt der Österreicher seiner Fantasie recht freien Lauf. Glühwein mit Ingwer und Apfelsaft war am Ende meine bevorzugte Zucker-Alkohol-Variantion. Den Zuckerbrand löscht man am besten mit Bier und zwar mit einem Wiener Ottakringer. Bier muss man zwischen all dem Punschgepansche zwar etwas länger suchen, aber man kann es finden.
 Die Weihnachtsmärkte sind nicht nur zahlreich vorhanden, sondern auch reich an Abwechslung.

karlsplatz

Am Karlsplatz lässt es sich gut bummeln auf dem, unter Bäumen gelegenen, großen Weihnachtsmarkt

wiener

ACHTUNG: Wiener stehen nicht gerne an

Mein Favorit war der Art Advent am Karlsplatz. Das mit dem Bio-zertifizierten Gastro-Angebot ist schon schön, noch schöner ist aber die Lage unter den Bäumen des Platzes. Und Platz ist auch. Viel Platz! Auch schön und ganz anders ist der kleine traditionelle Weihnachtsmart am Spittelberg, wieder anders ist der junge, alternative im Innenhof des Museumsquartiers.
Überall irritierend ist es, dass sich der Wiener nicht so gerne anstellt. Also erst steht er brav hinter dir und dann, wenn du schon zum Sprechen ansetzt und dem Glühweinmann deinen Zehner hin hältst, dann steht der Wiener, der dir eben noch in den Nacken geatmet hat, plötzlich vor dir oder neben dir, scherzt mit dem Glühweinmann und schlurft im nächsten Augenblick gemächlich von dannen, die Tassen voller glühendem Wein. Hmm… Ähnlich läuft das bei den öffentlichen Verkehrsmitteln ab. Aber was soll ich sagen? Der Münchner ist nicht gerade mit Freundlichkeit gesegnet und der Wiener steht also nicht gerne an. Wir sind quitt!

Wien wenn`s schnell gehen muss

Ich war nur drei Tage da. Das ist wenig und doch glaube ich ein Gefühl für die Stadt bekommen zu haben. Ein Gefühl, das sich gut anfühlt. Wer wenig Zeit hat und wissen will, wie es ist, da wo er ist, der sollte – so meine Empfehlung – nicht zu sehr an den Touri-Touren kleben. Oder wie Reinhard Fendrich in seinem Lied Haben Sie Wien schon bei Nacht geseh’n rät:

Achten Sie nicht auf das Riesenrad.
So etwas lenkt Sie nur ab.

Fragen Sie nicht nach dem Stephansdom.
Wann und warum er gebaut.

Suchen sie nicht nach dem Donaustrom.
Den hat man sicher verstaut.

zerschmettert

Die Toten mahnen, für den Frieden zu leben. Oder eben: Zerschmettert in Stücke (Im Frieden der Nacht)

Also geht nicht in jede Ausstellung. Aber geht ins Museumsquartier. Geht nicht unbedingt in jede Theatervorstellung, aber schaut euch die Theater an. GEHT NICHT ZUM PRATER, denn der ist SCHROTT! Geht über den Naschmarkt und dann geht einfach weiter. Lugt mal kurz ins Demel oder Sacher und trinkt dann euren Kaffee in den Indieschuppen z.B. in und um die Zollerstraße. Schaut schon mal durch die Prachtstraßen der Fußgängerzone, macht ein Foto der Inschrift Zerschmettert in Stücke im Frieden der Nacht am Flakturm und schaut dann in den kleinen Boutiquen und Interieur-Shops im Siebten und Achten Bezirk vorbei, die bereits durch ihre individuelle Einrichtung zum Verweilen einladen.

Auch Thees Uhlmann besingt Wien. In seinem Zerschmettert in Stücke (Im Frieden der Nacht) heißt es so schön und so simpel:

Das ist eine gute Stadt.

Dem kann ich mich nur anschließen. Wien ist groß und klein. Wien ist kaiserlich und königlich und basic und jung. Wien ist teuer und günstig. Wien ist Kultur und Zeitgeschehen. Wien ist wundervoll.

Meine Top 10 Adressen für Weihnachtsmärkte, Cafés, Schnitzelquellen, Shops und Buchläden gibt`s nochmal hier leicht komprimiert:

Zehn wunderbare Wiener Adressen und der Prater

Und by the way: Bei Billy Talent war’s auch so richtig geil!

One thought on “Wien, was bist du schön

  1. Peter

    Heike`s Liebeserklärung an Wien kann ich nur beipflichten. Wien ist immer wieder schön und immer wieder anders. Nur komme ich viel zu selten hin, denn wie schrieb Andre Heller so schön und treffend schon in den 80ern(??):

    „Wean kannst net dasingen / Wean kannst net daschreiben /
    Wean kannst da nur jeden Tag frisch / unter D’ Nasen reiben“

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