2 Frauen 1 Jahr: let’s talk about 2017

So war unser 2017

Heike, was war das für ein Jahr! Ging’s Dir auch so? Meinen Zustand kurz vor dem Ziel würde ich als erschöpft aber glücklich bezeichnen. Ich lasse 2017 mit vielen schönen Erinnerungen hinter mir, nur wenigen Enttäuschungen, einigen positiven Überraschungen und dem Gefühl, einiges geleistet zu haben. Wie sieht’s da bei Dir aus?

Bei mir ist es wie in jedem Jahr: Am Ende bin ich einfach nur erschöpft und überlege ziemlich oft ziemlich lange, warum es sich – egal was so los war in den letzten elf, zwölf Monaten – hinten raus immer soooo stressig anfühlt. Aber ok, eine Antwort habe ich dieses Mal: das war mein erstes volles Jahr als freie Journalistin. Die Nervosität hat viele Monate gebraucht, um sich zu legen. Nach zwölf Monaten kann ich mir aber dann doch ganz beruhigt auf die Schultern klopfen und sagen: Wow, krass, läuft!

Im letzten Jahr war eher „Schnell weg mit diesem 2016“ mein Credo. Gerade weltpolitisch und gesellschaftlich war die Grundstimmung auf Minustemperatur gesunken. Viel gebessert hat sich das ja in 2017 nicht. Aber irgendwie war die Laune trotzdem eine andere. Ist das ein subjektives Gefühl meinerseits? Liegt es daran, dass all die Idioten dieser Erde zumindest Gegenwind abbekommen? Oder haben wir uns an die Schreckensmeldungen erschreckend schnell gewöhnt? Was ist Dein Eindruck?

Mein Eindruck ist, dass – mit Blick auf die großen Themen – die Pulverfass-Stimmung immer noch hoch explosiv ist. Donald Trump ist immer noch Präsident der USA. Deniz Yücel befindet sich immer noch in türkischer Haft. Wir haben vor drei Monaten gewählt, aber immer noch keine Regierung. Die AfD hat scheiß 94 Sitze im Bundestag und wird – wenn es denn zur Großen Koalition kommt – die stärkste Partei in der Opposition sein. Also zumindest was die Zahl der Sitze anbelangt… Ich finde das alles sehr beunruhigend.

Und wie sah es so für Dich ganz persönlich aus? Wie lief das Business? Ich hatte gut zu tun, ganz besonders in der zweiten Jahreshälfte. Ich verlasse dieses Jahr mit drei selbst geschriebenen Büchern im Gepäck, auch wenn zwei davon erst 2018 erscheinen. Wahnsinn, oder? Hätte ich im Dezember 2016 niemals geglaubt. Abgesehen davon hat sich so viel Neues und Spannendes ergeben, das war manchmal aufregender als eine Achterbahnfahrt.

Bücher habe ich zwar keine geschrieben, aber auch mir bluten die Fingerkuppen vom vielen Tastaturgetippe. Also fast. Und das Schöne ist, die Finger werden nicht müde. Das Geklapper der Tastatur zählt auch 2017 zu meinen liebsten Geräuschen. Alleine die Zeit macht mir nach wie vor Sorgen. Warum? Weil die Zeit sich so beeilt, wie Olli Schulz in einem seiner Lieder so treffsicher festhält. Ich würde gerne noch so viel mehr machen. Akquise für den Brotjob, Texte für den Blog… Die Zeit ist mein Endgegner und 2017 habe ich ihn nicht besiegt. Mal schau’n, was 2018 in dieser Hinsicht so bringt.

Weil die Zeit sich so beeilt.”

Was hattest Du für Wow-Momente? Fangen wir mal mit den positiven an. Ein ganz großes WOW waren 2017 meine Reisen. Nordirland war ein Traum in Grün! Endlich durfte ich die Drehorte meiner Lieblingsserie Game of Thrones live erleben und eine paradiesische Landschaft sehen, die trotz ihrer Schönheit fast menschenleer war. Im September hat es mich, wie schon im Jahr davor, nach Sardinien gezogen. Der entspannteste Urlaub meines Lebens. Italienerin müsste man sein! Apropos Italien: Im Juli waren wir zum ersten Mal gemeinsam auf einer Pressereise, nämlich in der Emilia-Romagna. War das toll oder war das toll? All das gute Essen, dazu diese Landschaft und ich fuhr zum ersten Mal Ferrari. Die vielleicht eindrucksvollste Reise war aber meine letzte in 2017, zu den Isles of Scilly (bald mehr dazu). Diese Inseln haben mein Herz wortwörtlich im Sturm erobert (ja, das Wetter war eine Geschichte für sich) und ich werde sicherlich nicht das letzte Mal dort gewesen sein.

Mit dir durch die Emilia-Romagna zu reisen, gehört auch zu meinen Höhepunkten des Jahres. Aber einen richtigen Wow-Moment gab es 2017 für mich nicht. Dafür erfreue ich mich an einer Art Wow-Zustand. Mein Blutdruck sagt zwar etwas anderes, aber ich sage: Es ging mir gut in den letzten zwölf Monaten. Also unterm Strich. Irgendwas schlägt ja immer quer… Und warum ging’s mir gut? Weil ich den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt habe. Mein Tipp für alle da draußen: Macht was ihr wollt! Aber wollt etwas!

Neben einem Negativ-Wow fällt mir noch ein Naja ein. Zunächst das Wow: Ich erhielt eine E-Mail von der Ressortleiterin einer großen deutschen Tageszeitung, die mir nicht gerade charmant klar gemacht hat, was sie von Bloggern und meinen Blog-Texten im speziellen so hält. Du weißt, von wem ich spreche.

 

Liebe Ulla, hör auf die alte Heike: Mit Kritik an meiner Arbeit halte ich’s wie mit Horoskopen. Ich lese wirklich sehr gerne Horoskope. Who doesn’t? Lese ich so etwas wie „Sie werden bald sehr viel Geld erhalten, die Liebe Ihres Lebens klopft jeden Moment an Ihre Tür und Ihre Gesundheit erfreut sich bester Gesundheit“, dann nehme ich das begeistert an. Lese ich allerdings so etwas wie „Sie ecken zuweilen sehr an und müssen an Ihrer Performance arbeiten, halten Sie Ihre Finanzen besser zusammen, sonst geraten Sie bald in finanzielle Not und Eros kümmert sich erst um alle anderen Sternzeichen“, dann gebe ich da gar nichts drauf. Ist ja nur ein dummes Horoskop. Und wer glaubt schon an Horoskope. Außer natürlich …

Guter Rat, liebe Heike. Und gar nicht teuer. Nun zu meinem Naja-Moment. Der war das Kings of Leon-Konzert im Juni in München, auf das ich lange Zeit hingefiebert hatte. Leider hatte Caleb Followill, der Leadsänger, nicht mal halb so viel Lust auf die Veranstaltung wie ich. Ernüchternd, jemanden mit einer so göttlichen Stimme so lustlos zu erleben. Ha, in dem Zuge fällt mir aber gleich noch ein positives Wow ein: Drei Monate vorher war ich an selber Stelle auf einem Philipp Poisel-Konzert. Das hat ungefähr die Hälfte gekostet, er war mindestens zehnmal motivierter und inspirierter als Mister Followill und mir gefiel es zwanzigmal so gut. Und bei Dir so?

Was Konzerte angeht, hatte ich ein wirklich sehr gutes 2017. Zuletzt war ich bei Mando Diao. Der eine Geile is ja weg. Aber der andere Geile is noch da und der hat mega Bock. Ich hab zwei Mal Casper gesehen. Auch so einer mit immer mega Bock. Dann war ich noch in Leipzig bei FM Belfast, den Erfindern von mega Bock und, und, und. Die ersten Tickets für 2018 sind auch schon gekauft: Gisbert zu Knyphausen, nochmal CasperOlli Schulz und, und, und… Was soll ich sagen? Ich hab einfach immer mega Bock auf Live.

Und ich hab mega Bock auf unseren Blog. 2017 war unser erstes vollständiges Blogjahr! Wie wir in unserem Geburtstagsgespräch schon feststellten, musste er ja hin und wieder unter unseren Brotaufträgen leiden. Da wünsche ich mir für 2018 mehr Regelmäßigkeit. Das Schreiben für den Blog ist für mich immer noch das schönste Schreiben. Aber wir können auch schon einige Erfolge verbuchen. Unsere Leserzahlen gehen stetig nach oben, auch Verlage und Agenturen nehmen uns zunehmend wahr und gerade hat uns die BRIGITTE WOMAN in einem Artikel über Bloggerinnen vorgestellt. Nicht schlecht für Jahr Nummer 1!

Das stimmt! Es kennen uns noch nicht so viele, aber von denen die uns kennen, hören wir viel Positives. Das mit dem Schreiben ist auch wahr. Und da blitzt er auch schon wieder hier und da auf dem Bildschirm auf, der Endgegner namens Zeit. Ich habe auch noch einen halben Meter Literatur im Flur gestapelt stehen. Zum Teil noch eingeschweißt und unberührt. Die To-do-Liste-2017 konnte nicht abgearbeitet werden.

Wie sieht’s mit Deinen Wünschen für 2018 aus? Was darf gleichbleiben, was soll sich ändern? Was gibt’s für Träume, Ziele, Wünsche? Gibt’s schon konkrete Pläne?
Wie Du weißt, wird sich bei mir ja 2018 einiges ändern. Ich ziehe um! Und zwar zurück nach Franken. Ich hoffe natürlich auf viele Besuche von Dir. Da mein neues Zuhause mit einem großen Garten gesegnet ist, plane ich, viel Zeit im Grünen zu verbringen und will vermehrt auch Gartenbücher lesen. Mal sehen, ob’s klappt. Außerdem stehen bereits drei Reisen auf meiner Agenda. Zweimal Dänemark (for Business) und ein Trip nach New York mit mehreren Freunden. Ich behaupte, bei diesen drei wird’s nicht bleiben. Das Reisefieber hat mich also weiterhin fest im Griff. Und das ist gut so. Lesetechnisch will ich mich hingegen wieder etwas mehr auf alte Werte besinnen. Soll heißen: weniger Neuerscheinungen, mehr Ungelesenes aus meinem Regal oder die Neuentdeckung von Klassikern. Hast Du auch bestimmte Leseziele?

Mein Leseziel ist es, noch mehr zu lesen. Es ist das alte Dilemma: so viele Bücher für so wenig Leben. Auf der Liste persönlicher Ziele steht zum Beispiel immer noch meine eigene Homepage. Was die Wünsche angeht, da müsste ich wieder bei Donald Trump, Deniz Yücel und der Bundesregierung ansetzten. Ich versuche mal teiloptimistisch an diese Sachen ranzugehen. Dass du aus dem Raum München wegziehst, stand im Übrigen nicht auf meiner Wunschliste für 2018. Da auch ich gebürtig aus Franken komme, habe ich allerdings nur wenige Argumente gegen diesen Schritt. Ich komme gerne immer wieder auf ein, zwei Bier vorbei. Denn das fränkische Bier ist das beste der Welt und des Universums.

Last but not least wünsche ich Dir, liebste Kollegin, und allen anderen fröhlichste Festtage mit lieben Leuten, enorm gutem Essen und ganz viel Zeit zum Lesen, Denken, Schauen, Hören. Auf neue Abenteuer im nächsten Jahr!

 

Liebe Ulla, diesen Wunsch habe ich dir schon mal gehörig verdorben, weil ich mal wieder so spät dran bin mit dem Posten. Hättest du mich mal nach meinen guten Vorsätzen für 2018 gefragt… Aber auch ich wünsche dir und all unseren Lesern ein schönes, ereignisreiches, fulminantes, geniales 2018. Ganz nach dem Deichkind-Motto:

Denken Sie groß!”

Foto-Credit: (großes Bild): Brigitte Tohm/unsplash, (Portraits) Georg Stanka

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