Gute Bücher für seltsame Zeiten: Kochbücher

Kochen: kurz, knackig und für knappe Vorräte

Ein mulmiges Gefühl macht sich breit: Wenn es keine Angst ist, dann zumindest Unruhe; Grübeln – ja, und vielleicht sogar Unaufgeräumtheit. Was tun, wenn all die üblichen Rituale wegfallen? Für mich ist das der tägliche Weg ins Büro, das Kneipenquiz, das Bahnenziehen im Schwimmbad am Wochenende, das Essen im Restaurant, das Treffen von Familie und Freunden und dann auch der Urlaub, der diesmal nach Italien gegangen wäre.

Corona wirbelt alles durcheinander, macht Pläne zunichte und bedroht unser Leben – wenn nicht unbedingt für alle wortwörtlich, dann doch zumindest die eingefahrenen Wege und mitunter auch berufliche Existenzen. Ich kann mich glücklich schätzen: Für mich ändern sich nur Dinge, die sich vermutlich als „Luxus“ bezeichnen lassen. Andere trifft es da härter.

Das beste Mittel, um sich zu beschäftigen, abzulenken und die trüben Gedanken zu verjagen? Na klar, für uns sind und bleiben das Bücher. Deshalb gibt es nun serienweise Buchempfehlungen: Gute Bücher für seltsame Zeiten. Den Anfang machen tolle Kochbücher.

Kochen mit der Vorratskammer

Wenn alte Rituale nicht mehr möglich sind, müssen neue her. Vielleicht ist das ja das regelmäßige Kochen zuhause? Home Office, Kinderbetreuung, Quarantäne: Das schreit danach, selbst den Kochlöffel zu schwingen. Wer Neuling auf dem Gebiet ist, nur wenig Zeit und Muße hat oder seine Vorratskammer nicht massiv plündern will, wird mit den folgenden Kochbuchempfehlungen garantiert glücklich. Sie haben gemeinsam, dass ihre Rezepte schnell, mit wenigen Zutaten und sehr einfach nachzukochen sind.

Anne-Katrin Weber: Die vegetarische Fünf-Zutaten-Küche

Der unangefochtene Star in unserer Kochbuchsammlung. Ich habe fast jedes Rezept aus diesem Buch gekocht, einige davon schon sooft, dass sie mir schon in Fleisch und Blut übergegangen sind. Dazu gehören etwa die Quetschkartoffeln, die Rote-Bete-Risoni oder die Parmesan-Pastinaken-Suppe.

Das Buch ist rein vegetarisch, ungeheuer abwechslungsreich – Fans der gutbürgerlichen, der asiatischen, italienischen und skandinavischen Küche werden gleichermaßen befriedigt – und hat sich eine strikte Beschränkung auf fünf Zutaten auferlegt. Die Zutaten sind so Standard, dass man sie sowieso daheim hat oder wirklich überall bekommt. Fehlt doch etwas, macht Not ja bekanntlich erfinderisch. Vieles lässt sich toll austauschen. Statt Pastinaken koche ich die Suppe auch hin und wieder mit Sellerie oder Petersilienwurzel. Nudelsorten kann man ohnehin flexibel einsetzen und die Quetschkartoffeln garniere ich gern mit Grünkohl statt Lauch oder Frühlingszwiebeln: einfach, weil er in meinem Garten wächst und Lauch eben nicht.

Ohne Übertreibung kann ich sagen: Ich liebe dieses Buch – seinen Stil, seine Einstellung (das beste Essen besteht aus simplen, aber guten Zutaten) und die wie immer grandios-schlichten Bilder von Wolfgang Schardt – und kann es jeder und jedem uneingeschränkt ans Herz und an den Herd legen.

Einen Blick wert ist übrigens auch der sagenhafte Foodblog von Anne-Katrin Weber und Wolfgang Schardt: Unter veggielicious.de gibt’s saisonale vegetarische Rezepte mit schönen Texten, vielen spannenden Infos und Bildern, in denen man wohnen will.

Anne-Katrin Weber und Wolfgang Schardt: Die vegetarische Fünf-Zutaten-Küche. Becker Joest Volk Verlag, 2019. 29,95 Euro.

Diana Henry: Aus dem Ofen

Was ich an Diana Henry so schätze? Sie kann ebenso betörend schreiben wie kochen. Keine versteht es so wie sie, ihren Leser*innen mit Worten das Wasser im Mund zusammenlaufen zu lassen, und dabei dennoch niemals zu viel zu versprechen. Mit ihrem neuen Buch, das nur aus Ofenrezepten besteht, hat sie mich ganz besonders glücklich gemacht. Einem bunten Blech aus Köstlichkeiten kann ich nicht widerstehen.

Die Rezepte sind, wie immer, schockierend einfach und süchtig machend gleichzeitig. Verschiedene Zutaten auf ein Blech, dann in den Ofen zu werfen und dann ein bisschen abzuwarten, das schafft nun wirklich jeder. Herauskommen wahre Delikatessen, die jedem Festessen Konkurrenz machen – oder es sogar ersetzen! So lässt sich die erzwungene Zeit zuhause erheblich leichter ertragen.

Ich bin ein Fan von ungewöhnlichen und überraschenden Kombinationen, die den oder die eine*n oder andere*n womöglich verschrecken. Nicht jede*n überzeugt der Gedanke an Würste mit Äpfel, Brombeeren und Senf vom Fleck weg. Ich rate trotzdem dazu, es auszuprobieren. Jetzt ist die Zeit, neue Wege zu beschreiten! Trau dich! Auch kulinarischer Mut wird meist belohnt. Wer sich erst herantasten will, findet in dem Kochbuch auch jede Menge Kombinationen, die deutlich sanfter zu Werke gehen. Bei Kartoffeln mit Rosmarin, Knoblauch und Olivenöl kann nun wirklich nichts schiefgehen.

Diana Henry: Aus dem Ofen – Einfache Gerichte schnell zubereitet. Ars Vivendi Verlag, 2019. 28,00 Euro.

Darina Allen: Come Together

Zugegeben: Diese Empfehlung ist nicht ganz objektiv. Aber Objektivität ist ja ohnehin nicht Heikes und meine Stärke. Come Together und ich haben schon sehr, sehr viele Stunden miteinander verbracht – und das nicht vor dem Herd (mittlerweile aber auch das), sondern vor allem am Schreibtisch. Ich habe es nämlich lektoriert.

Was mir sofort gefiel, war der lockere, plaudernde Ton von Darina Allen. Die Irin führt in der Nähe von Cork die Ballymaloe Cookery School – eine Institution in Irland und Ausbildungsstätte für viele der führenden Köche im englischsprachigen Raum. Sie lebt saisonales Kochen mit regionalen Zutaten seit Jahrzehnten und zaubert daraus internationale Gerichte. Trotzdem macht sie aus dem Kochen keine Wissenschaft und sich mir damit sehr sympathisch.

Das Buch zeigt, wie man mit nur einem Topf, einer Pfanne oder einem Blech die köstlichsten Dinge zubereiten kann. Manchmal braucht man dazu nicht mehr als etwas Brot, Eier und ein paar Gewürze – schon hat man Arme Ritter Indian Style gezaubert. Ich bin seit ein paar Jahren ein großer Fan von Currys und habe bereits ein paar Rezepte verinnerlicht, die ich regelmäßig koche. Gefühlt gibt es Millionen Versionen des asiatischen Dauerbrenners. Darina zeigt gleich mehrfach, wie unkompliziert und variantenreich das Gericht ist und dass es sich im Handumdrehen aus allem, was Kühlschrank und Vorratskammer so hergeben, zusammenbasteln lässt. Mit jedem Rezept präsentiert sie immer mehrere Variationen. So ist für jeden Geschmack und Vorrat etwas dabei.

Wer bei One-Pot-Gerichten nur an Deftiges denkt, ist bei Darina Allen übrigens schief gewickelt: Sie hält auch die unterschiedlichsten Kuchen und Desserts für uns parat. Vom Bratapfel bis zum typisch britischen Brotpudding (it’s amazing!) wird da jeder zufriedengestellt und die Krise vielleicht ein bisschen besser gelaunt überstanden.

Darina Allen: Come Together – Alles aus einem Topf: 100 Rezepte, die glücklich machen. Sieveking Verlag, 2020. 29,00 Euro.

Das Wort zum Dessert

Ganz bewusst habe ich Kochbücher ausgewählt, die von kleinen und unabhängigen Verlagen verlegt werden. Gerade jetzt ist es unglaublich wichtig, unsere regionalen und kleinen Buchmenschen zu unterstützen, die durch die Corona-Krise bedroht werden. Ohne sie wäre unsere Kultur und Buchwelt um so vieles ärmer!

Wenn ihr Bücher kauft – und wann, wenn nicht jetzt? –, dann tut auch das bei eurer lokalen Buchhandlung. Die meisten bieten Online-Bestellung an und manche sogar einen persönlichen Lieferservice vor die Haustür. Ich bestelle meine Bücher in der Buchhandlung am Färberturm aus Gunzenhausen. Ob ihr’s glaubt oder nicht, da wird ebenso schnell und verlässlich geliefert wie beim großen A.